Tennis
Die Pfalzliga-U12: Durch Tennis und den FCK verbunden
Klaus Schübelin gibt ein paar leise, klare Kommandos und die Jungs und Mädels spuren. Unermüdlich spielt er ihnen einen Ball nach dem anderen zu, abwechselnd nach rechts, dann nach links. Das junge Duo ihm gegenüber spielt präzise Bälle zurück, wirkt hoch konzentriert. Er nickt zufrieden und strahlt. Der 75-Jährige liebt seinen Trainerjob, für den er viel investiert. Er kommt regelmäßig mit dem Fahrrad zum Trainingsplatz in Oberweiler-Tiefenbach. 30 Kilometer sind es einfach von Baumholder aus. Aber der Job mit den Jungs macht ihm Spaß. Sie sind alle hoch motiviert, genauso sport- und tennisverrückt wie er und wissbegierig.
Tennis ist für sie alle das Hobby Nummer eins, mal abgesehen vom Fußball und ihrer Liebe zum FCK. Sie kennen sich von klein auf, spielen seit sechs bis acht Jahren zusammen Tennis und können nicht genug davon kriegen. Dass sie den Schläger in die Hand genommen und schnell ihr Hobby gefunden haben, daran sind ihre Eltern schuld, die selbst spielen, sie mit auf den Platz genommen haben und jetzt regelmäßig zum Training und zu den Matches fahren.
Zwei Standorte
Ihre Tennis-Heimat ist auf zwei Standorte verteilt. Denn der TC KOB Wolfstein, der in Oberweiler-Tiefenbach trainiert, hat sich schon vor rund zehn Jahren mit dem TC Offenbach-Hundheim zusammengetan. „Der ist von der Struktur her deutlich stärker aber ähnlich gelagert“, sagt Peter Uhrig, der zweite Vorsitzende des TC KOB und blickt zu seinem Kollegen Claudio Bazzato, den zweiten Vorsitzenden und Jugendwart des TC Offenbach-Hundheim, der zustimmend nickt. Die beiden verbinden nicht nur ihre Kinder, die in der U12 spielen, Bazzato und Uhrig stehen auch zusammen mit Marco Schreiner, einem weiteren Vater der U12-Kids, für die Herren 50 des TC Offenbach-Hundheim am Netz. Sie treten in der Pfalzliga an, während Uhrig noch in seiner „eigentlichen Altersklasse“, wie er sagt, bei den Herren 60 des TC Weilerbach in der Oberliga aufschlägt, dort an Punkt eins gesetzt ist. Doch das ist für alle Nebensache, wenn es um ihre Jungs und Mädels geht. Die sind alle aus demselben Jahrgang, waren in St. Julian und Wolfstein in der Schule, haben zusammen Mainzelmännchencup gespielt. Inzwischen sind sie auf unterschiedliche Einrichtungen verteilt, vom Gymnasium Lauterecken bis zum Heinrich-Heine-Gymnasium, der Eliteschule des Sports in Kaiserslautern, die Julius Uhrig besucht, bis zum Paul-Schneider-Gymnasium, einer sportlich orientierten Schule in Meisenheim, auf das Moritz Schreiner geht. Wenn Klaus Schübelin zweimal pro Woche zum Training ruft, stehen alle mit Feuereifer und Schläger parat und warten auf seine Anweisungen. „Es ist sehr außergewöhnlich, dass sie so viel trainieren“, sagt Claudio Bazzato anerkennend. „Sie sind so angenehm, sportlich fair, es gibt keinen, der durch krankhaften Ehrgeiz übers Ziel hinausschießt und alle verstehen sich“, schwärmt Peter Uhrig. Und lobt auch die Gemeinschaft drumherum. „Die Eltern sind alle sehr engagiert und immer bereit, mit anzupacken.“
Land gegen Stadt
Gerade wegen der oft weiten Fahrten würden sie auch ganz schön gefordert. „Landau ist für uns schon eine Fahrerei. Viele Spiele waren in der Vorderpfalz“, blickt Uhrig auf die vergangene Saison zurück, in der die gemischte U12 in der A-Klasse auf Rang zwei landete, punktgleich (7:3) mit dem Tabellenführer SG BASF TC Ludwigshafen/Mutterstadt 1, und mit ihm in die Pfalzliga aufstieg. Außer dem bekannten Konkurrenten trifft die U12 aus dem Kreis Kusel dort auf die Teams des TC Schwarz-Weiss Landau, des TC Weiss-Rot Speyer und des TC Haßloch 1. „Die großen Vereine ballen sich in der Vorderpfalz“, erklärt Uhrig mit einem Schulterzucken. „Die großen, stadtnahen Vereine haben ganz andere Voraussetzungen als wir hier.“ Doch die beiden Klubs aus dem Kreis Kusel machen das Beste draus. „Wir müssen halt mehr investieren als die Vereine in der Stadt.“ Bei der SG gibt es zum Beispiel neben dem Training in Oberweiler-Tiefenbach eine zweite Gruppe, die mit Karl-Heinz Günster in Offenbach-Hundheim trainiert, „Dass jeder Verein seinen eigenen Trainer hat, gibt es bei anderen Vereinen so nicht“, erklärt Bazzato. Dass Julius Uhrig und Moritz Schreiner neben der Medenrunde noch bei LK-Turnieren am Start sind, bei Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Meisterschaften mitmischen, stört die anderen nicht. Denn wenn sie zusammen auf dem Trainingsplatz sind, sind alle gleich. Und auch wenn sie über Fußball diskutieren, sind sich alle einig, dass der FCK der beste Verein ist. Da kann dann auch ihr Trainer mitreden, der früher Lehrer war, aber auch Oberliga-Fußballer, zu Zeiten, als die Oberliga noch die dritthöchste Klasse war. Seine Trainingsgruppe schließt immer Wetten ab, wie der FCK wohl spielen wird.
Der große Umbruch
Aber wenn sie mit Tennisschläger am Netz stehen, zählt für alle nur, dass sie auf dem Tennisplatz gewinnen. „Es wird schwer in der neuen Klasse, der höchsten in Rheinland-Pfalz“, meint Uhrig. „Die Mannschaften sind von Position eins bis vier stark besetzt. Sie werden ihre Punkte machen und es wäre toll, wenn sie die Klasse halten würden, aber wir sind da sehr entspannt.“ Der zweite Vorsitzende aus Wolfstein weiß, dass sich spätestens in der dann folgenden Saison viel ändern wird. „Nächstes Jahr kommen alle in die nächsthöhere Altersklasse U15. Nur ein Mädchen darf dann noch in der U12 weiterspielen. Dann werden wir wieder Personal für die neue U12 suchen.“