Bedesbach Der um den Globus tanzte: Pierre Dulaine über sein bewegtes Leben zwischen Glamour und Provinz

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Pierre Dulaine gewährt Einblicke in sein Fotoalbum. Hier ist er in Manhattan (New York City) im Schuljahr 1993/1994 zu sehen – damals gab er einen Tanzkurs für Zehn- und Elfjährige.

Als Tänzer stand Pierre Dulaine auf Bühnen rund um die Welt. Inzwischen lebt er in Bedesbach. Was ihn dorthin verschlagen hat und wie er seine ersten Tanzstunden finanzierte.

Arabischer Kaffee, Tee und süße Köstlichkeiten stehen auf dem Tisch im Haus von Pierre Dulaine und seinem Partner Otto Cappel. Das kulinarische Angebot gibt Hinweise auf Dulaines Herkunft: Geboren wurde er 1944 in Jaffa in Israel als Sohn eines irischen Protestanten und einer palästinensischen Katholikin, nach der Flucht ist er in Amman in Jordanien aufgewachsen, erneut geflüchtet und schließlich nach Birmingham gekommen – früh lernte er verschiedene Kulturen kennen. Ebenfalls schon in jungen Jahren entstand seine Verbindung zur Presse; noch lange, bevor über seine tänzerischen Erfolge berichtet wurde. Seine Beziehung zu den Medien war zunächst ganz anderer Natur: Um seine Tanzstunden finanzieren zu können, war er als „Paperboy“ tätig und versorgte die Menschen mit Neuigkeiten.

„Eine Schulfreundin fragte mich damals, ob ich sie nicht zu ihrem Tanzunterricht begleiten wolle“, berichtet Dulaine, wie es mit seiner Faszination angefangen hat. Die Klänge der Musik hätten für ihn anfangs fremd gewirkt, da er nur die Musik aus dem Nahen Osten kannte – dennoch habe er Gefallen an dem Kurs gefunden. Da dieser jedoch im Terminplan schon fortgeschritten war, musste er einige Privatstunden nehmen – eine Investition, die sich rückblickend in jedem Fall ausgezahlt hat.

Kreuzfahrtschiff, Weltmeister, Broadway

Fortan lebte Dulaine seinen Traum und verfolgte ihn konsequent weiter. Zunächst war er als Tanzlehrer aktiv, was ihn nach London führte. Dort gewann er 1967 und 1969 mit verschiedenen Tanzpartnerinnen das „Duel of the Giants“. Später war er auf einem Kreuzfahrtschiff tätig und bereiste die Karibik. Vor seiner Rückkehr in das Vereinigte Königreich wollte er 1971 einen kurzen Abstecher nach New York City machen – was sich dann jedoch zu einem wesentlich längeren Aufenthalt entwickelte. Im Big Apple traf er auf Yvonne Marceau, die seine langjährige Tanzpartnerin werden sollte. In den darauffolgenden Jahren gewannen die beiden alle wichtigen Wettbewerbe im Standardtanz, wurden viermal Weltmeister und tanzten sogar am Broadway.

Pierre Dulaine in dem Haus, das er zusammen mit seinem Partner Otto Cappel in Bedesbach bewohnt.
Pierre Dulaine in dem Haus, das er zusammen mit seinem Partner Otto Cappel in Bedesbach bewohnt.

Auch Dulaines Privatleben erfuhr in New York eine Wende: Bei einer Veranstaltung saß er im Publikum neben Otto Cappel aus Bedesbach, der bis heute mit Stolz von Dulaines tänzerischem Talent berichtet. Bereits am nächsten Tag waren die beiden zum Essen verabredet – dennoch sollte es vier weitere Jahre dauern, ehe sie zusammenzogen. Gemeinsam mit Yvonne Marceau und Otto Cappel gründete Dulaine 1984 das „American Ballroom Theater“, ehe 1994 das Projekt „Dancing Classrooms“ – tanzende Klassenzimmer – folgte. Der erfahrene Tänzer wollte mithilfe seines Sports Kindern Selbstsicherheit und soziale Fähigkeiten vermitteln. Das Programm wurde zu einem großen Erfolg, der über die Grenzen der USA hinausreichte.

Mit jüdischen und palästinensischen Kindern getanzt

Seither hat Dulaine mit Kindern aus aller Welt getanzt, um ihnen zu zeigen, wie wichtig Offenheit gegenüber anderen ist. So hätten katholische und protestantische Kinder in Irland sowie jüdische und palästinensische Kinder in Israel gemeinsam Vorurteile überwunden. Auf seiner Reise nach Israel wurde er für den Dokumentarfilm „Dancing in Jaffa“ von der Kamera begleitet. In 20 Jahren hätten mehr als 500.000 Kinder in 31 Städten auf aller Welt zueinandergefunden und die Begeisterung für das Tanzen entdeckt.

Bei einer Veranstaltung in New York haben Otto Cappel (links) und Pierre Dulaine zufällig nebeneinander im Publikum gesessen – h
Bei einer Veranstaltung in New York haben Otto Cappel (links) und Pierre Dulaine zufällig nebeneinander im Publikum gesessen – heute sind sie seit vielen Jahren ein Paar.

Pierre Dulaine arbeitete auch mit autistischen Kindern und mit Schülern mit Downsyndrom, was er als „Privileg“ bezeichnet. Sein Tanzunterricht für syrische Flüchtlinge in Deutschland habe ihn ebenso geprägt. Ein Teil seines Lebens wurde sogar in „Take the Lead“ mit Antonio Banderas verfilmt. Wobei er rückblickend einen Punkt an dem Kinofilm kritisiert: Damals habe man ihn als Witwer darstellen wollen, da Homosexualität zu jener Zeit noch einen schlechten Ruf hatte und man nicht wollte, dass seine Arbeit mit Kindern darunter leiden müsse. In einem geplanten Broadway-Stück über sein Leben soll nun aber sein Lebensgefährte gezeigt werden.

Begegnungen mit Sophia Loreen und Lady Gaga

Es klingt unvorstellbar, wenn Pierre Dulaine in seinem kleinen Haus in Bedesbach von Begegnungen mit Sophia Loren, Timothée Chalamet und Lady Gaga berichtet. „Ich habe nie meine Nase hochgetragen. Ich bin wie ich bin und habe das nie versteckt“, erzählt er. „Tanzen hat mich von einem schüchternen Jungen zu dem gemacht, der ich heute bin. Dieses Phänomen beobachtet man bei vielen Menschen. Zur ersten Stunde kommen sie geduckt herein – und ein Jahr später gehen sie mit Selbstbewusstsein durchs Leben.“ Und auch wenn sein Einstieg in die bunte Welt des Standardtanzes schwierig gewesen sei – er habe nie aufgegeben. „Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster“, erzählt er mit einem Lächeln.

Heute pendeln Dulaine und Cappel im Drei-Monate-Rhythmus zwischen Bedesbach und Birmingham, wo Dulaine noch Familie hat. Beide fühlen sich wohl im Musikantenland, genießen aber auch den Komfort der Infrastruktur in England. Trotz der regelmäßigen Reisen ist das Leben des Paares mittlerweile ruhiger geworden. „Ich bin froh, wenn ich nicht vor zehn Uhr aufstehen muss“, sagt Dulaine, der nach eigener Aussage früher oft bis spät in die Nacht gearbeitet hat. Ob es etwas gibt, was der Tänzer aus seinem Leben in New York City vermisst? Lachend antwortet er: „Ja – den großen Esstisch, damit ich Gäste einladen kann.“

Info

Für Dienstag, 12. Mai (Beginn 19 Uhr) organisiert der Rotary Club Kusel einen Vortrag im Horst-Eckel-Haus. Pierre Dulaine erzählt aus seinem Leben. Es ist keine Voranmeldung erforderlich. Ein Übersetzer wird vor Ort sein.

Anmerkung der Redaktion: Das Gespräch mit Pierre Dulaine wurde auf Englisch geführt und sinngemäß übersetzt.

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