Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Bundeswehr-Rückkehr nach Kusel?

Könnte bald wieder Soldaten beherbergen: der Windhof oberhalb von Kusel.
Könnte bald wieder Soldaten beherbergen: der Windhof oberhalb von Kusel.

Die Erstaufnahmeeinrichtung wird Kusel verlassen. Nun könnte die Bundeswehr wieder in die frühere Uffz.-Krüger-Kaserne zurückkehren. Vielleicht sogar schneller als gedacht.

„,Einzigartig in Deutschland’ – wird Kusel wieder Bundeswehrstandort?“ lautete vor fast genau einem Jahr die Überschrift über einem RHEINPFALZ-Artikel. Thomas Danneck, Beauftragter des Landkreises für die Liegenschaft Windhof und Kreisbeigeordneter, zählte damals die Vorteile des Geländes oberhalb von Kusel für eine mögliche Bundeswehr-Rückkehr auf. Seitdem ist Votum-Gründer Danneck nicht müde geworden, bei jeder sich ihm bietenden Möglichkeit für eine Wiederbelebung des Windhofs durch die Bundeswehr zu werben. Unter anderem war er in Berlin, um den Standort anzupreisen. Bei einem Workshop war Danneck in Berlin geladen, um als Kenner der früheren Kaserne die Lage vor Ort zu schildern und die mögliche Reaktivierung des Standorts einzuschätzen. Seit Oktober ist die Liegenschaft auf einer Prüfliste der Bundeswehr zu finden – und seitdem herrscht auf offiziellen Kanälen Funkstille.

Kusel wird explizit im Koalitionsvertrag erwähnt

Zwar wird seit dem Winter in Kusel hinter vorgehaltener Hand kolportiert, dass die Bundeswehr ganz sicher in die Kreisstadt zurückkehrt. Aber: Eine offizielle Bestätigung aus dem Bundesverteidigungsministerium gibt es bislang noch nicht. Das fuchst auch den SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Mieves, der sicher ist, dass die Bundeswehr zurückkehrt, aber eben auch noch keine Details kennt – oder sie zumindest nicht nennen darf. Er drängt auf eine baldige Veröffentlichung der Planungen für den Windhof.

Die frühere Uffz.-Krüger-Kaserne findet übrigens auch im Koalitionsvertrag der künftigen rheinland-pfälzischen Landesregierung von CDU und SPD explizit Erwähnung. In dem Papier, das mit „Gemeinsame Verantwortung für ein starkes Rheinland-Pfalz“ überschrieben ist, geht es unter anderem um das Thema „Sicherheit und Verteidigung stärken“. Darin heißt es: „Die Bundeswehr genießt unsere vollumfängliche Unterstützung, auch bei der Reaktivierung von Liegenschaften und stillgelegten Kasernen – wie etwa in Kusel.“

Alte Kameraden und junge Gesprächskanäle

Dass die Bundeswehr wirklich zurückkehrt, das scheint nach der Kündigung des Mietvertrags des Landes für die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) wahrscheinlich – auch, wenn sich die kommunale Politik mit dieser Einordnung noch zurückhält. Jedenfalls ist es kein Geheimnis, dass sich die kommunale Spitzenpolitik eine Rückkehr der Truppe zum Standort Kusel wünscht.

Der technische Bereich der früheren Kaserne wird aktuell teilweise als Garage für Fahrzeuge des Katastrophenschutzes genutzt.
Der technische Bereich der früheren Kaserne wird aktuell teilweise als Garage für Fahrzeuge des Katastrophenschutzes genutzt.

Wie könnte es nun mit dem Standort Kusel für die Bundeswehr weitergehen? Für Thomas Danneck ergibt sich jetzt, da das Ende der Afa besiegelt ist, ein Bild. „Dass die Entscheidung für Kusel gefallen ist, habe ich nach Ostern erfahren und seitdem viel telefoniert“, erzählt Danneck. Nach dem besiegelten Aus der Afa habe er sich erneut ans Telefon geklemmt und alte Weggefährten ebenso gesprochen wie Menschen, die er im vergangenen Jahr kennengelernt hat. Seinen Recherchen nach kommt der Heimatschutz nach Kusel in die Kaserne. Neben der sechs Monate langen Basisausbildung, der früheren Grundausbildung, könnten in Kusel Reservisten aus- und weitergebildet werden.

Aufgaben des Heimatschutzes sind laut Bundeswehr neben der Ausbildung unter anderem der Objektschutz von kritischer Infrastruktur wie Brücken und Bahnlinien, die Abwehr von Spionagedrohnen und die Katastrophenhilfe bei Großschadensereignissen.

Es könnte sogar ganz schnell gehen

„Wir sprechen da von rund 350 plus x Soldaten auf dem Windhof, von denen nicht alle dauerhaft hier stationiert sind“, erzählt Danneck. Das könnte allerdings nur der „Fuß in der Tür“ für den Standort sein, der perspektivisch auch ein Bataillon der kämpfenden Truppe aufnehmen könne. So könne die Mannstärke auf dem Windhof auf bis gut 1500 aktive Soldaten anwachsen. Wie Danneck erläutert, sei durchaus denkbar, dass es nun schnell geht: „Wenn die Afa draußen ist, könnten im Oktober schon erste Soldaten einziehen.“ Die Gebäude seien schließlich bezugsfertig: Stabsgebäude und Sporthalle sowieso, die Unterkünfte könnten Block für Block saniert werden. „Es ist also durchaus denkbar, dass es mit geringer Truppenstärke losgeht und die Kaserne dann ausgebaut wird“, sagt Danneck. Die Pläne dafür lägen bereits seit 2009 vor.

Die Erstaufnahmeeinrichtung wird geschlossen. Bis 31. Juli müssen Mitarbeiter und Bewohner ausziehen.
Die Erstaufnahmeeinrichtung wird geschlossen. Bis 31. Juli müssen Mitarbeiter und Bewohner ausziehen.

Mit dieser Perspektive sei er zufrieden, betont der bislang letzte Kasernenoffizier des Windhofs: „Das schlechteste Szenario wäre, wenn 350 Soldaten das komplette Gelände belegen würden und selbst Teile davon nicht noch anderweitig genutzt werden können.“ Doch die Zweifel würden nach den Telefonaten weniger, sagt Danneck: „Für mich ist das Bild abgerundet. So werden effizient Kapazitäten für die weitere Nutzung geschaffen.“ Jetzt sei nur noch die Frage, wann der Fahrplan für die Kaserne öffentlich gemacht wird. Diese Frage stellen sich in Kusel momentan viele Menschen.

Dannecks Heimatschutz-Informationen decken sich mit einer Passage im Koalitionsvertrag der künftigen Landesregierung: „Die Umsetzung des Operationsplans Deutschland begleiten und unterstützen wir aktiv, unter anderem durch die Stärkung logistischer Drehscheiben und resilienter Infrastruktur. Erweiterte Möglichkeiten der zivil-militärischen Zusammenarbeit wollen wir fördern, auch zur Stärkung des Zivilschutzes.“ Also genau jener Aufgaben, die der Heimatschutz laut eigenen Angaben übernimmt.

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