Homberg / Kirrweiler
Brand in Windkraftanlage: Nordex gibt Einblicke in Aufräumarbeiten und zu Materialien
Am Abend des 25. Februar stand das Maschinenhaus einer der drei Windkraftanlagen im Windpark Kirrweiler lichterloh in Flammen. Die Feuerwehr konnte damals nur weiträumig absperren und dabei zusehen, wie brennende Teile aus der Höhe nach unten fielen.
Brände in Windkraftanlagen seien extrem selten, sagt ein Sprecher von Nordex auf Anfrage der RHEINPFALZ. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben 40 Jahre Erfahrung in der Herstellung hocheffizienter Windenergieanlagen. Der Sprecher nennt Zahlen: „Von der im Windpark Kirrweiler betroffenen Turbine N117/2400 hat Nordex weltweit rund 1400 Anlagen installiert. Die Anlage im Windpark Kirrweiler ist bislang die einzige dieses Typs, bei der es zu einem Brand gekommen ist.“ Die statistische Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses liege also im Promillebereich.
Noch keine Angaben zur Brandursache
Windkraftanlagen seien so konstruiert, dass Brände möglichst verhindert werden, betont Nordex und verweist auf den sogenannten baulichen Brandschutz: „Hierzu zählt unter anderem die Auswahl nicht brennbarer Werkstoffe wie Stahl, Beton, et cetera. Darüber hinaus sind die Anlagen zertifiziert und konform mit geltenden Brandschutzrichtlinien.“
Darin werde unter anderem vorgeschrieben, dass Nordex als Hersteller eine detaillierte Risikoanalyse durchführen muss, in der jede Komponente hinsichtlich des Brandrisikos beurteilt wird und ausgeführt werden muss, wie gegebenenfalls Gegen- und Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen werden. Zur konkreten Brandursache an der Anlage in Kirrweiler hält sich der Nordex-Sprecher bedeckt, räumt aber generell ein, dass Brände durch einen technischen Fehler der Anlage ausgelöst werden könnten.
Welche Kunststoffe sind verbaut?
Im Windpark Kirrweiler stehe derzeit die „sichere und schnelle Schadensbeseitigung“ auf der Agenda. Der betroffene Bereich rund um die Anlage sei bereits umfassend unter anderem mit Drohnen untersucht worden. „Dabei wurden die Flächen ermittelt, auf denen Teile der verbrannten GFK-Außenhaut des Maschinenhauses zu Boden gefallen sind.“ GFK steht für Glasfaserverstärkter Kunststoff, der sich unter anderem durch eine hohe Stabilität und geringes Gewicht auszeichnet. Das GFK-Material der Außenhaut ist nach Angaben von Nordex vollständig ausgehärtet, „die chemischen Substanzen und Materialien sind nicht reaktiv und können theoretisch im Hausmüll entsorgt werden“.
Problematischer im Falle eines Brandes könnte Carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK) sein. Gerät der Kunststoff in Brand, entstehen unter anderem giftige Gase. In der Außenhaut des Maschinenhauses ist laut Nordex kein CFK verbaut. In den Rotorblättern sei der Werkstoff dagegen zu finden. „Die sind aber nicht betroffen“, heißt es aus Hamburg. Diese beiden eingesetzten Materialien seien weder wasserlöslich noch giftig. Der Sprecher warnt dennoch: „Es ist jedoch zu beachten, dass Teile scharfkantig sein können und unsachgemäße Handhabung gegebenenfalls zu Verletzungen führen kann.“ Deshalb werde das Einsammeln der Fragmente ausschließlich durch Fachunternehmen übernommen.
Aufräumarbeiten laufen seit einigen Tagen
Zwei solcher spezialisierter externer Betriebe sind seit mehreren Tagen mit der Reinigung der betroffenen Flächen um das Windrad herum beauftragt. Laut dem Nordex-Sprecher sammeln die Mitarbeiter der Unternehmen „nicht nur größere Fragmente, sondern auch Kleinstteile sorgfältig auf. Die Arbeiten werden insbesondere auch im angrenzenden Bereich durchgeführt.“ Darüber hinaus begleite ein Bodengutachter die Reinigung der umliegenden Flächen. Er wird nach der Beseitigung der Bruchstücke und der Überprüfung der Bodenqualität ein Gutachten erstellen, kündigt der Nordex-Sprecher an.
Parallel zu den Aufräumarbeiten wurde der Steigschutz im Turm der Windkraftanlage überprüft. „Nach kürzlicher Freigabe durch einen Gutachter betreten jetzt Fachkräfte das Maschinenhaus und entfernen lose Teile, damit keine Fragmente mehr herunterfallen können“, schildert der Sprecher des Turbinen-Herstellers den weiteren Ablauf. Diese Teile würden mit Seilwinden kontrolliert zu Boden gebracht. „Sicherheit für Menschen und Umwelt hat dabei oberste Priorität, die Arbeiten sind aber wind- und wetterabhängig.“