Herren-Sulzbach
Biblische Weinprobe: Zwischen Probeschlücken und Psalmversen
An diesem Freitagabend steht in Herren-Sulzbach nicht die gewohnte Form der Weinprobe an, in der ein Connaisseur oder eine Sommelière in blumigen Worten Bukett, Charakter, Geschmack oder Körper des Weins lobt oder kritisiert. Vielmehr handelt es sich um eine biblische Weinprobe. Und Regie führen dabei drei Frauen: Pfarrerin Denise Roth, Prädikantin Erika Maurer und Helena Kreischer vom Winzerbetrieb Kreischer in Buborn. Mehr als 40 Anmeldungen – überwiegend Mitglieder der zwölf Dörfer umfassenden Kirchengemeinde Herren-Sulzbach-Grumbach, aber auch einige Auswärtige – habe es gegeben, zeigt sich Roth zufrieden über den Zuspruch für die Premiere.
Mit dem hebräischen Toast „L’chaim“ (übersetzt: „Auf das Leben“) leitet die Pfarrerin ihren biblischen Impuls ein. Schon im Altertum sei der Wein als Getränk und Heilmittel in allen Kulturen und Regionen präsent gewesen, als „Geschenk Gottes“ Bestandteil des Kultus. Und im Alten Israel habe Wein als Lebensmittel zu jeder ordentlichen Mahlzeit gehört, sei ein Symbol für Wohlstand gewesen, wie Roth erklärt.
Geschmacksaufwertung durch Honig oder Myrrhe
Wegen der Verunreinigung des Wassers in biblischer Zeit sei die Haltbarkeit des Weins, der in Tonkrügen oder Lederschläuchen aufbewahrt wurde, begrenzt gewesen, erinnert die Theologin, die aus einer Weinbauregion stammt. Häufig sei Wein auch mit Honig gesüßt und oder es seien Gewürze wie Myrrhe oder Weihrauch zugesetzt worden, um den Geschmack zu verbessern. Schorle sei damals allerdings nicht gebräuchlich gewesen.
Dem „ersten Secco im Kreis Kusel“, der zum Auftakt verkostet wird, sind keine Gewürze zugesetzt. Vielmehr sei dem Wein aus der Rebsorte Phönix nach der Gärung in einer vorderpfälzischen Sektkellerei Kohlensäure zugeführt worden, klärt Helena Kreischer auf. Ein Tausend-Liter-Fass mit Weißwein, auf das die Kreischers aus dem Bestand der Offenbacher Winzerbrüder zurückgreifen konnten, lieferte die Grundlage für einen trendigen Perlwein.
Weinberg mit 600 Reben in Buborn gekauft
Den Offenbacher Klostergarten mit rund 1200 Rebstöcken der Sorten Phönix und Regent hatte die Buborner Landwirtsfamilie Anfang 2024 von den Winzerbrüdern übernommen und im Herbst den Jahrgang 2024 geerntet. Zudem hat die Familie in Buborn einen weiteren Weinberg mit 600 Reben der Sorte Souvignier Gris angelegt. Der Betrieb setze auf gegen Pilze widerstandsfähige Rebsorten, bei denen weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen. Nach Einschätzung von Experten würden diese sogenannten Piwi-Weine die traditionellen Weinsorten ablösen, wirft Helena Kreischer einen Blick in die künftige Weinwelt.
Bevor als nächster Wein ein feinherber Phönix aus dem Jahrgang 2023 kredenzt wird, ist eine Bibel-Lesung an der Reihe. Prädikantin Maurer zitiert Psalm 104, in dem es heißt: „Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.“
„Irrglaube“, dass Roséwein ein Mischgetränk ist
Auf den Weißwein folgt ein Rosé vom Weingut Rohr in Raumbach bei Meisenheim. Es sei ein „Irrglaube“, dass es sich bei einem Roséwein um ein Mischgetränk handele, sagt Kreischer. Die Basis bilden vielmehr rote Trauben – Portugieser oder Spätburgunder –, die allerdings nur kurz vergoren werden, teilt sie ihr Weinwissen mit den Besuchern. Deshalb löse sich nur wenig Farbstoff von den Beerenschalen.
Der nächste Tropfen, den die Probenteilnehmer verkosten, ist ein Rotwein der Sorte Regent. Eine pilzresistente Rebsorte, die zu den erfolgreichen Neuzüchtungen gerechnet und erst seit knapp 30 Jahren in größerem Stil angebaut wird. Aufgelockert wird die Runde durch mehr oder wenige geläufige Weinsprüche, die aus einem Korb gefischt und mit viel Vergnügen unter beifälligem Raunen vorgetragen werden. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, zitiert eine Teilnehmerin ihren Konfirmationsspruch aus dem Johannesevangelium, der sie das ganze Leben begleite.
Quiz zum Thema Wein und Bibel
Abgerundet wird die Probe von einem süßen Honigwein, einem Tresterbrand, der laut Helena Kreischer beileibe nicht so schön klingt wie die italienische Schwester Grappa, und einem Traubensaft. Teilweise in Teamarbeit wird von den Gästen ein Quiz zum Thema Wein und Bibel gelöst. Darin wird etwa abgefragt, wer in der Bibel der erste Weinbauer war, bei welchem Sakrament Wein eine Rolle spielt und wie viele Wasserkrüge Jesus in der biblischen Erzählung von der Hochzeit zu Kana mit Wein füllte. Siegerin ist zu guter Letzt eine Frau, die bei einer bestimmten Schätzfrage der Lösung am nächsten ist: Wie oft kommt das Wort Wein in der Bibel vor?

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