Lauterecken-Wolfstein
„Bevormundung brauchen wir nicht“: Isabel Steinhauer-Theis (CDU) will Bürgermeisterin werden
Irgendwie hat es überhandgenommen: „Eigentlich ist das ja schon Vollzeit ...“, sagt sie mit Blick auf ihren Schreibtisch im Lauterecker Stadthaus, wo gerade gut hörbar das zweite Telefon summt. Das andere hat sie des persönlichen Gesprächs wegen ausgestellt. Tja, das „Ehrenamt“ des Veldenzstadt-Oberhaupts verlangt seiner Inhaberin so einiges ab. Und doch kann Isabel Steinhauer-Theis anscheinend kaum genug davon bekommen. Deshalb will sich die Christdemokratin am liebsten noch mehr Herausforderungen aufhalsen lassen.
Die Lauterecker Stadtbürgermeisterin würde gern das Engagement für ihre Heimat und die im Nordkreis lebenden Menschen auf ein professionelleres Fundament stellen. Hauptberuflich wirken möchte sie als Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein. Dieses Ende Mai neu zu besetzende Amt peilt Steinhauer-Theis an – als Frau neben zwei Männern im Bewerbertrio. „Es gab hier ja noch keine Frau in diesem Amt“ – und die Lautereckerin findet, es sei an der Zeit dafür.
Als zweiten Vorteil nennt sie, dass sie – im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern – nicht aus der Verwaltung kommt, sondern „den Blick von außen, von der Praxis“ her auf das Geschehen hat. „Ich weiß auch, was es heißt, ohne Geld dazustehen“, sagt sie, überzeugt davon, trotzdem in ihren mittlerweile fast sieben Jahren an der Stadtspitze durchaus etwas bewegt zu haben. Zuvor war sie schon im Stadtrat, gehört aktuell dem VG-Rat wie auch dem Kreistag an.
Lohnniveau zu niedrig – und ein Auto kein Luxus
Die 49-Jährige ist ausgebildete Landwirtin und Hauswirtschafterin, zudem mit einem Diplom der Betriebswirtschaft ausgestattet. Das zeugt von Zielstrebigkeit und Koordinationskünsten einer Frau, die Ausbildung und Weiterqualifizierung, Berufstätigkeit und ehrenamtliches Engagement offenbar immer unter einen Hut gebracht hat.
Ganz oben in der persönlichen Prioritätenliste hat allerdings stets die Familie rangiert. Zwei ihrer vier Kinder sind volljährig, das jüngste im Teenager-Alter. Von daher ließe sich eine neue berufliche Herausforderung auch gut stemmen.
Warum also nicht versuchen, Verwaltungschefin der 41 Kommunen umfassenden Gebietskörperschaft im Norden des Landkreises Kusel zu werden? Jene liegt in einer Region, die Steinhauer-Theis’ Heimat ist und die sie nie hat verlassen wollen – obwohl diese ärmliche Ecke der Pfalz in der fernen Landeshauptstadt nicht eben hoch angesehen scheint. „Ich erkläre überall im Land, wo ich hinkomme, dass das Lohnniveau bei uns in der Westpfalz viel niedriger ist als sonst wo – und dass das Auto für uns hier eben keinesfalls ein Luxusgut ist“, verdeutlicht die Betriebswirtin. Ungleichheiten seien augenscheinlich.
„Trotz Versprechungen ändert sich nichts“
Die Verpflichtung, gleichmäßige Lebensverhältnisse im Bundesland herzustellen, die immensen Gefälle zwischen den Regionen einerseits sowie zwischen urbanen und ländlichen Räumen abzubauen, werde zunehmend vernachlässigt. Trage sie dies außerhalb der Westpfalz und auf höherer Ebene vor, ernte sie regelmäßig Erstaunen und verständnisvolles Nicken. „Aber trotz aller Versprechungen ändert sich nichts, überhaupt nichts. Wir haben hier null Spielraum“, ärgert sich Isabel Steinhauer-Theis über Ungerechtigkeiten.
Die spiegeln sich vor allem bei den finanziellen Möglichkeiten. Leistungen, die den Kommunen aufgebürdet werden, und die Erstattungen der damit verbundenen Kosten gerieten in ein immer krasseres Missverhältnis. „Und das betrifft nicht nur das Land, sondern auch den Bund“, verhehlt die Lautereckerin nicht, dass sie auch von der CDU-geführten Bundesregierung etwas einfordert – und nicht müde wird, Versäumnisse anzuprangern.
Statt nur jammern lieber mitgestalten
Seit ihrer Ausbildung aber sei ihr Credo: „Ich möchte nicht jammern, ich möchte hier leben und die Verhältnisse mitgestalten“, betont die Bürgermeisterkandidatin, die auf einem landwirtschaftlichen Hof lebt, den Betrieb ihrer Familie im Büro mitmanagt und die in der gesamten Pfalz als Vorsitzende des pfälzischen Landfrauenverbands Wertschätzung genießt. Apropos: An der Wertschätzung gegenüber den Menschen vor Ort mangele es so manches Mal. „Da muss sich was ändern“, da müsse Menschlichkeit im Vordergrund stehen.
Für die Zusammenarbeit mit ihrem „tollen Stadtrat“ hat die Bürgermeisterin nur lobende Worte übrig. „Ich mag es, wenn man gemeinsam Lösungen findet“, sagt Steinhauer-Theis – und verwahrt sich entschieden gegen die Bevormundung seitens des Landes, die sich etwa in der Projekt-Förderpraxis manifestiere. „Die kommunalpolitisch Verantwortlichen hier, die wissen am besten, was gut für uns ist.“ Und das ganz ohne Hang zur Verschwendung.