Rutsweiler
Betreutes Wohnen auf Lammelbacher Hof: Wieso die Menschen dort gemeinsam alt werden wollen
Bereits seit vielen Jahren unterhält das Christliche Jugenddorfwerk (CJD) Wolfstein auf dem Lammelbacher Hof an der B270 bei Rutsweiler ein kleines Gestüt. Inzwischen hat das CJD das Anwesen gekauft und eines der Wohnhäuser barrierefrei umgebaut. Dort sind acht betreute Wohnplätze für Menschen mit Unterstützungsbedarf entstanden. Das Ziel: den Bewohnern mit personenzentrierter, bedarfsorientierter pädagogischer Begleitung zu ermöglichen, in ihrem vertrauten Umfeld gemeinsam alt werden.
Kleine Restarbeiten sind zwar noch offen – doch die derzeit vier Bewohner konnten Weihnachten bereits in ihrem neuen Zuhause feiern. Angebotsleiter Sven Merkel betont, dass viele zum Gelingen des Großprojekts beigetragen hätten. Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen Jahre, um ein barrierefreies Angebot zu schaffen, in dem die Bewohner langfristig zusammenleben können. Facility, Haustechnik und Gebäudemanagement arbeiteten mit Architekturbüros an der Umbauplanung. „Das war eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der sich der tolle Zusammenhalt zeigte“, sagt Merkel. Aufgrund der Vorgaben für öffentliche Einrichtungen mussten zahlreiche Details berücksichtigt werden.
Förderung von Aktion Mensch ermöglicht Umbau
Das beginnt bei der Ausstattung: Überall gibt es breite Türen, dafür keine verwinkelten Wege, die ein Durchkommen mit Rollstuhl erschweren würden. Die Bäder halten geräumige und barrierefreie Duschen sowie angepasste Höhen bei Armaturen und WC bereit. Installiert sind Notrufsysteme, vergleichbar mit denen in Krankenhauszimmern. Auch auf Kleinigkeiten wurde geachtet, wie einen kippbaren Spiegel, den Rollstuhlfahrer mit einem Handgriff in die richtige Position bringen können.
Damit das Projekt umgesetzt werden konnte, stellte das CJD einen Förderantrag bei Aktion Mensch – die stellte 340.000 Euro bereit. „Ohne Aktion Mensch wäre das nicht zu realisieren gewesen“, sagt Merkel. Den Eigenanteil des CJD beziffert er zwar nicht, spricht aber von einer „strategischen Entscheidung für den Standort“. Das Anwesen wurde über viele Jahre vom CJD gepachtet, ging dann 2025 ins Eigentum des Werks über – ein Schritt, der den Bewohnern Sicherheit gebe. Denn so bleibe ihr Lebensmittelpunkt langfristig erhalten, ohne dass die Gefahr bestehe, durch gekündigte Mietverträge voneinander getrennt zu werden.
Eine eingeschweißte Gemeinschaft
Die Gruppe lebte zuvor gemeinsam in Eßweiler auf dem Königsberger Hof. „Das ist wie Familie. Wenn es einem mal schlecht geht, fangen wir uns gegenseitig wieder auf“, berichtet Bewohnerin Natascha Dessinger. Eine Trennung kam für sie sowie ihre Mitbewohner Michel Nehls, Pascal Agthen und Benjamin Voss nicht infrage. Auch die Mitarbeitenden wollten die eingespielte Gemeinschaft nicht auseinanderreißen. „Wenn möglich, erfüllen wir Träume“, sagen Merkel und Laura Möller, Teamleiterin im Sozialdienst.
Die vier wohnen nun gemeinsam mit Hauskatze Luna („Eine kleine Zicke, aber wir lieben sie“) auf dem Lammelbacher Hof und erhalten je nach Bedarf Unterstützung von zwei Bezugsbetreuern. Die Stallungen liegen in unmittelbarer Nähe, sodass sie Kontakt zu Pferden haben können. Und sie kümmern sich um die Fische im Teich. Den hellen Gemeinschaftsraum mit großem Esstisch, gemütlicher Couchlandschaft und einem Kratzbaum für Luna nutzen sie zum gemeinsamen Essen, für Spieleabende und die gemeinsame Zeit. „Privatsphäre ist heilig“, betont Merkel. Eine komplette Hausführung war beim RHEINPFALZ-Besuch eigentlich nicht vorgesehen. Doch die Bewohner wollten von sich aus ihre Räume zeigen – sie sind größer als gesetzlich vorgeschrieben und von ihnen selbst nach ihren Vorlieben eingerichtet. Ein wichtiger Aspekt, erklärt Möller: Die Bewohner verdienten beim CJD eigenes Geld und investierten es in die Gestaltung und Möbel. Für neue Bewohner könne jedoch auch ein Grundmobiliar gestellt werden.
Weihnachten mit Pizza in Partyhütte gefeiert
Die männlichen Bewohner arbeiten auf dem Landgut in Roßbach, Dessinger im Tierheim in Jettenbach. „Die Wege zur Arbeit sind kurz, aber es gibt eine klare Abgrenzung von Arbeit und Freizeit“, sagt Merkel. Mögliche Arbeitsbereiche gibt es viele: Pferde- und Landgut, Landwirtschaft und Gärtnerei, Malerei und Wäscherei, der kleine Einzelhandel in Wolfstein und das Tierheim. Für die offenen Plätze auf dem Hof gebe es bereits Anfragen.
Auch die Wahl der Zimmer habe die Gruppe selbst getroffen. Beim ersten Besuch „sind alle ausgeschwärmt“, erinnert sich Möller – und hätten sofort ihr jeweiliges Zimmer gefunden. „Hier werden wir eine gute Zeit haben, es ist eine tolle Einrichtung“, sind sich die vier einig. Der Aufzug muss noch fertiggestellt werden, die Außenanlage wird im Frühjahr oder Sommer auf Vordermann gebracht. Die Partyhütte ist bereits eingeweiht: Weihnachten wurde mit Pizza, Getränken und Musik gefeiert, ebenso der Geburtstag eines Mitbewohners. „Wir freuen uns auf den Sommer – dann machen wir den Garten schön und werden oft zusammen grillen“, sagt Dessinger.