Kreis Kusel
Arbeitskräftemangel wird Betriebe im Kreis hart treffen
Die jungen Menschen, die in den Arbeitsmarkt nachrücken, können nur einen Bruchteil der Stellen besetzen, die in den nächsten Jahren frei werden. Dies untermauerte der Leiter der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens, die auch für den Landkreis Kusel zuständig ist, bei der Kreistagssitzung am Mittwochnachmittag mit Zahlen. Bei Betrieben im Kreis sind 12.646 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon sind 3443 Menschen älter als 55 Jahre. Sie gehen also in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in Rente. Mit einer Quote von 27,22 Prozent liege der Landkreis etwas schlechter als der Westpfalz-Schnitt von 25 Prozent.
Rund 600 Helfer müssen ersetzt werden, 2250 dual ausgebildete Fachkräfte, etwa 250 Meister und Techniker sowie ähnlich viele Spezialisten mit Universitätsabschluss. Im Vergleich dazu: Es wird mit gerade einmal 4250 Schulabgängern in der gesamten Westpfalz in den nächsten zehn Jahren gerechnet. Kämen Neuansiedlungen und Erweiterungen von Unternehmen hinzu, werde das Delta zwischen Nachkommenden und Ausscheidenden noch größer.
Stärkster Hebel: Wenn Frauen mehr arbeiten
Die Agentur für Arbeit will deshalb auf die Qualifizierung von Arbeitslosen setzen – von denen jedoch auch 30 Prozent über 55 Jahre alt seien. Unter 25 Jahre alt seien etwa acht bis zehn Prozent. Auch Helfer oder Facharbeiter, die weiter geschult werden, könnten helfen, Stellen zu besetzen. Flucht und Zuwanderung seien mögliche weitere Stellschrauben, um Arbeitskräfte zu gewinnen.
Einer der stärksten Hebel, um der Mammutaufgabe zu begegnen, sei jedoch die Frauenerwerbstätigkeit in den Blick zu nehmen, ist Nadja Schäfer-Wagner überzeugt. Sie ist Beauftragte für Chancengleichheit bei der Agentur für Arbeit. Auch bei den Zahlen, die sie im Gepäck hatte, liegt der Landkreis Kusel unterm Schnitt. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen zwischen 15 und 65 Jahre liegt deutschlandweit bei 59,2 Prozent. Im Kreis bei 56,9 Prozent. Das sind 12.566.
Dass diese Zahl ähnlich hoch ist wie die Anzahl der im Kreis sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, liegt an den vielen Aus-Pendlern. Insgesamt gehen rund 27.000 im Kreis wohnende Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.
Schon eine Stunde macht einen Unterschied
„Etwa die Hälfte der Frauen im Landkreis Kusel sind in Teilzeit beschäftigt mit durchschnittlich 21,8 Wochenstunden“, führte sie weiter aus. „Teilzeitarbeit bleibt Frauendomäne.“ Die Erhöhung des Arbeitszeitvolumens sei deshalb der Schlüssel zum Erfolg: Bereits eine Stunde Mehrarbeit pro Woche pro Frau könne gesamtgesellschaftlich einen großen Unterschied machen.
Dies solle jedoch nicht „on top“ auf das kommen, was meist Frauen auch an unbezahlter Sorgearbeit leisten. Stellschrauben seien die partnerschaftliche Sorgearbeit, familienorientierte Personalpolitik und zuverlässige Kinderbetreuung.