Lauterecken-Wolfstein
„Anwalt aller Ehrenamtler“: Christian Sauer will als parteiloser Bewerber Bürgermeister werden
Auf wen ist heute noch Verlass. Auf die Bahn, wenn sie durch das Lautertal rauscht? Kaum. Auf das Gesundheitswesen, das immer teurer wird, schon lange krankt und auf dem Lande noch schneller Richtung Siechtum eilt? Zumindest gegen löchrige medizinische Versorgung gibt’s aber Rezepte, versichert Christian Sauer. Da kann der 50-Jährige sogar auf eine nicht nur erfolgversprechende, sondern schon wirkende Therapie verweisen – angewandt in der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein, die Sauer ab Ende Mai gerne als Bürgermeister führen möchte.
Die Kassenbeiträge schießen in schwindelerregende Höhen, hilflose Politiker regen schon an, mit der Axt an die Leistungen zu gehen. Davon abgesehen: Kein Allgemeinmediziner wird sich zwingen lassen, eine Landarztpraxis zu eröffnen, die wenig attraktiv und noch dazu so gar nicht lukrativ erscheint. Wenn’s nun in einem zentralen Ort wie Wolfstein klemmt, müssen Alarmglocken schrillen. Dort jedoch ist es gelungen, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) quasi aus dem Boden zu stampfen. Da hat Sauer nicht nur mitgemischt – er war bei Planung und Aufbau federführend verantwortlich, wie er sagt.
Nöte und Bedürfnisse der Menschen im Fokus
Das große Sorgenkind unserer Zeit – eine flächendeckend funktionierende medizinische Struktur – nennt er als erstes. Die ärztliche Versorgung steht auch im Wahlprogramm des Kaulbachers ganz oben. Christian Sauer blickt auf die Menschen im westpfälzischen Landstrich – und er will sich ihrer Sorgen annehmen, wie er betont: „Probleme erkennen und nach oben kommunizieren“, gemeinsam nach Lösungen suchen. Was in aller Politikermunde ist und bei vollmundigen Aussagen im Landtagswahlkampf ambitionierter klingen mag, formuliert Sauer eher vorsichtig: Versprechungen zu machen, die nicht zu halten sind, „das ist meine Sache nicht“.
Das gilt für alle Felder, die Sauer beackert. Empathie nennt er als eine Stärke, und die helfe, Bedürfnisse, Sorgen und Nöte der Menschen zu erkennen: Etwa die der Senioren, denen innerhalb sich leerender Dörfer Vereinsamung drohe, zunehmend auch Verarmung. „Die älteren Generationen haben den Grundstein gelegt“ für all die Annehmlichkeiten, die heute selbstverständlich seien. „Also ist es unsere Pflicht, ihnen im Alltag, der auf dem Land zugegebenermaßen immer härter wird, beizustehen“, betont Sauer. Deshalb gelte es, dafür zu sorgen, „dass Senioren in ihren Heimatgemeinden möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können“.
Spielraum lassen statt Vorschriften machen
Digitalisierung natürlich, Ausbildung, Verkehr und Mobilität, selbstverständlich auch das Feuerwehrwesen, das dem langjährigen aktiven Wehrmann besonders am Herzen liegt: Die Themenschwerpunkte sind in der strukturschwachen Region allesamt leicht zu benennen. Jeder spürt im Alltag, wo es mangelt. Verbesserungen aber ließen sich eben nur mit adäquaten finanziellen Mitteln erzielen, sagt Sauer, der den vielstimmigen Chor all derer verstärkt, die nach einer Neuordnung der Kommunalfinanzierung rufen.
Weg von der Bevormundung durch zweckgebundene Förderungen, hin zu frei disponierbaren Mitteln: Das ist die klare Forderung. Sauer spricht in dem Zusammenhang von einem grassierenden „Förderitis-Virus“. Das Virus entstamme Bürostuben in Mainz, Berlin und Brüssel und entspringe einer verzerrten Wahrnehmung der Bedarfe vor Ort. Dies lähme die lokalen Akteure, die von Vorschriften ausgebremst statt durch Spielraum motiviert würden. Dabei seien es doch die kommunalpolitisch verantwortlichen Akteure, die den Blick für die Wirklichkeit hätten. Sie wüssten besser, wie sie ihre Heimat zukunftsfähiger machen könnten.
Bäcker legt in Behörde beachtliche Karriere hin
Eine wesentliche Rolle aber spielten dabei nicht nur Ortsbürgermeister und Ratsmitglieder, sondern sämtliche ehrenamtlich Engagierte – ganz gleich, in welchem Bereich sie sich einbrächten. Sie gelte es zu stärken. Und dabei komme der Verbandsgemeinde eine besondere Rolle zu: „Wir sind ja die unterste hauptberufliche Ebene – also müssen wir hier sozusagen Anwalt aller Ehrenamtler sein“, sagt Sauer.
Er sieht einen Vorteil darin, dass er nach mittlerweile 30 Jahren Verwaltungserfahrung bestens einschätzen könne, was wünschenswert, was machbar ist – und was eher nicht. Nach der Ausbildung bei der VG Wolfstein war der heutige Büroleiter lange im Bauamt tätig, dann Leiter von Ordnungsbehörde, Sozialamt und Bürgerservice, schließlich Wirtschaftsförderer der fusionierten Verbandsgemeinde. Was ihm besonders Spaß bereitet: Als eigens dafür qualifizierter und bestellter Standesbeamter nimmt Sauer auch Trauungen vor.
Zur beruflichen Erfüllung, die er jetzt toppen will, fand der Kaulbacher über eine Kurvenstrecke. Hauptschule reichte ihm nicht, Sauer ging aufs Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern, zog dann aber eine Bäckerlehre vor. Es folgten ein Abstecher zur Fachoberschule für Sozialwesen und der Wehrdienst. Mit dem Wechsel „uffs Amt“ nach Wolfstein und dem Studium an der Hochschule für Verwaltung hat Sauer 1996 seinen Weg gefunden.