Schulreport RHEINPFALZ Plus Artikel Aktenordner ade: Ein 18-Jähriger macht vor, wie Digitalisierung an Schulen geht

Ist in seiner Heimatgemeinde Thallichtenberg auch bei der Feuerwehr aktiv: Lukas Morgenstern. Für die IGS Landstuhl hat der 18-J
Ist in seiner Heimatgemeinde Thallichtenberg auch bei der Feuerwehr aktiv: Lukas Morgenstern. Für die IGS Landstuhl hat der 18-Jährige ein Computerprogramm entwickelt, das integraler Bestandteil des Unterrichts ist.

Selbstbestimmt lernen? Ist seit Schuljahresbeginn an der IGS Landstuhl gelebte Praxis. Ermöglicht hat das auch ein Schüler aus dem Landkreis Kusel.

Workshopraum statt Klassenzimmer, freies Lernen statt Angst vorm nächsten Test: Die Integrierte Gesamtschule (IGS) „Am Nanstein“ in Landstuhl geht seit dem Schuljahresbeginn 2025/26 neue Wege. Die Fünftklässler lernen dort nach einem neuen pädagogischen Konzept selbstbestimmt, indem sie nach Absprache mit den Lehrern ihren Wochenplan und ihre Ziele selbst festlegen. In sogenannten Inputphasen wird der aktuelle Wissensstoff erklärt – dann lernen die Kinder gemeinsam oder alleine in Gruppenräumen. Als „Schule der Zukunft“ übernimmt die IGS damit eine Pionierrolle unter den Gesamtschulen in der Westpfalz.

So sieht der Schullalltag für die Fünftklässler der IGS Landstuhl aus: Statt in Klassenzimmern wird in Gruppenräumen gelernt.
So sieht der Schullalltag für die Fünftklässler der IGS Landstuhl aus: Statt in Klassenzimmern wird in Gruppenräumen gelernt.

Vor der Einführung war allerdings eine wichtige Frage zu klären: Wie behalten die Lehrer bei all der Freiheit den Überblick? Die Antwort liefert ein Computerprogramm, das über das Schulnetzwerk aufgerufen werden kann: Es zeigt beispielsweise an, wo die Schüler gerade lernen oder an welchen Aufgaben sie arbeiten. Gleichzeitig können sie sowie ihre Lehrer und Eltern prüfen, wie weit ihr Lernfortschritt ist – und mit welcher Note sie das Schuljahr abschließen, wenn sie ihr derzeitiges Tempo beibehalten.

Viele Wochenenden für Entwicklung geopfert

Entwickelt hat das Programm allerdings nicht etwa ein IT-Unternehmen, sondern ein Schüler des Siebenpfeiffer-Gymnasiums Kusel aus Thallichtenberg: Lukas Morgenstern. Mehrere Hundert Stunden hat der 18-Jährige nach eigenen Angaben investiert, um die Anwendung für die IGS zu programmieren. „Für mich war das einfach ein cooles Projekt“, sagt Morgenstern. Geld habe er als Gegenleistung nicht verlangt – auch wenn ihm damals klar gewesen sei, dass die Entwicklung viel Zeit frisst: „Es gab Wochenenden, da habe ich nichts anderes gemacht, als zu programmieren.“

Dass ausgerechnet er als Schüler aus dem Landkreis Kusel das Programm entwickelt hat, liege an seiner Mutter, erklärt Morgenstern: Sie unterrichtet an der IGS und habe ihm im vergangenen Schuljahr erstmals von dem geplanten pädagogischen Konzept erzählt. Schnell sei die Frage aufgekommen, ob er eine Verwaltungssoftware für die IGS entwickeln könne.

„Mit dem Programmieren beschäftige ich mich schon ziemlich lange“, sagt Morgenstern. Bereits im Grundschulalter sei seine Leidenschaft dafür geweckt worden – zunächst mit der Programmiersprache Scratch, mit der Kinder und Jugendliche beispielsweise Spiele-Klassiker wie Pong selbst erstellen können. Später folgten eigene Projekte – etwa in der Mittelstufe eine Speisekammer-App für den Schülerwettbewerb „Jugend forscht“, um die Lebensmittel im Haushalt zu überblicken.

IGS: Eltern sind inzwischen weniger skeptisch

Ob die Umsetzung des neuen Konzepts ohne seine Mithilfe möglich gewesen wäre? „Es wäre definitiv komplizierter geworden“, sagt Morgenstern im Hinblick auf den bürokratischen Aufwand. Der große Vorteil sei immerhin, „dass nicht mehr jede Information auf Papier geschrieben werden muss“.

Dass die Anwendung kaum aus dem Unterricht wegzudenken ist, meint wiederum Uli Herzel. „Das Programm ist essenziell, damit das Konzept reibungslos funktioniert“, sagt der Didaktische Koordinator an der IGS Landstuhl. Zwar habe es nach Schuljahresbeginn zunächst ein paar technische Startschwierigkeiten gegeben, doch seit den Herbstferien funktioniere die Anwendung zuverlässig. Als Nebeneffekt wirke sich das positiv auf die Leistung der Schüler aus, die ihren Lernfortschritt besser im Blick behalten können und dadurch schneller mit ihren Aufgaben vorankommen würden.

Auch die Skepsis mancher Eltern gegenüber dem neuen pädagogischen Konzept sei deutlich gemildert, seitdem sie den Lernfortschritt ihrer Kinder genau nachverfolgen können, sagt Herzel: „Seit den Herbstferien sind die Rückmeldungen überwiegend positiv.“ Der Unterricht für die älteren Schüler läuft weiter wie bisher. Allerdings das Konzept stufenweise ausgeweitet werden.

Kusel setzt auf Informatik-Pflichtfach

Auch Informatik- und Mathelehrer Niko Markus vom Siebenpfeiffer-Gymnasium zeigt sich beeindruckt von der Leistung des Schülers. „In Sachen Webentwicklung muss ich ihm nichts mehr beibringen“, sagt Markus und hofft, dass künftig mehr Schüler am Siebenpfeiffer-Gymnasium dem 18-Jährigen nacheifern. Ein wichtiger Baustein sei das Pflichtfach Informatik, das mit dem neuen Schuljahr mit zwei Unterrichtsstunden pro Woche in den siebten Klassen eingeführt wurde. Ab dem nächsten Jahr werde das Fach auch in der achten Jahrgangsstufe unterrichtet, sagt Markus: „Bisher sind die Rückmeldungen durchgehend positiv.“

Und wie es für Lukas Morgenstern weitergeht? Der 18-Jährige bereitet sich derzeit in der zwölften Klasse auf sein Abitur vor und studiert gleichzeitig an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität – im Rahmen des Programms „Früheinstieg ins Mathematikstudium“. Wenig überraschend könne er sich durchaus ein Mathematik- oder Informatikstudium vorstellen. „Vielleicht wird’s aber auch Lehramt“, meint er.

Informatik als Pflichtfach

Das Siebenpfeiffer Gymnasium Kusel ist eine von 28 Pilotschulen in Rheinland-Pfalz, in denen das Fach Informatik mit dem Schuljahr 2025/26 für die siebten bis zehnten Klassen verpflichtend gemacht wurde. Das Land sieht vor, dass ab dem Schuljahr 2028/29 alle weiterführenden Schulen den Pflichtunterricht vorhalten.

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