Kusel Vom Kurztrip nach Holland acht Kilo Stoff mitgebracht

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Das Versteck war rasch entdeckt: Pralle Päckchen zogen die Drogenfahnder der Polizei an einem schönen Sommerabend hinter der Türverkleidung eines Wagens hervor. Die beiden Insassen sitzen seither in Haft. Handschellen hatten 15 Kilometer entfernt auch bei einem Komplizen geklickt. Zwei der drei Geschnappten müssen sich seit gestern vor der Großen Strafkammer des Lauterer Landgerichts verantworten. Die Vorwürfe: Drogenschmuggel, Handel, Waffenbesitz.

Es klang so ein bisschen nach Kurzurlaub: Die drei Kumpels waren angereist aus der Westpfalz und aus Estland, hatten im Grenzstädtchen Venlo in den Niederlanden gemeinsam gespeist, zwei Nächte im Hotel verbracht, Einheimische getroffen, sich am Spaßbad getummelt. All das mutet nach leichtem Lotterleben in den Niederlanden an. Auf die Heimreise aber machte sich das Trio mit schwerem Gepäck: Bei dem Trip Anfang August 2015 hatten die „Kurzurlauber“ nämlich so einiges eingekauft, was sich bei der Fahrt ins Heimatland als verhängnisvolle Fracht erweisen sollte. Um mehr als acht Kilogramm Amphetamin erleichterten Drogenfahnder das Auto, das sie, besetzt mit zwei Männern, am späten Abend stoppten. Die Kontrolle unweit der Lauterer Innenstadt war keinesfalls zufällig erfolgt: Denn die Polizei war längst auf dem Laufenden über die Aktivitäten der drei Reiselustigen. Ermittler hatten deren Handy-Geplauder mitgehört. Im Verfahren gegen zwei der Beteiligten ist gestern Vormittag vor der Großen Strafkammer die Hauptverhandlung eröffnet worden. Der dritte im Bunde fehlt noch, sein Verfahren wird aus rein formalen Gründen erst demnächst anberaumt. Der Mann sitzt, wie seine mutmaßlichen Komplizen, in Untersuchungshaft. Sein Wohnort liegt im Norden des Kreises Kusel. Dort liefen, so haben die Ermittlungen ergeben, wohl auch die organisatorischen Fäden der Drogenschmuggelei zusammen. Die Prozess-Eröffnung stand gestern unter keinem guten Stern. Erst drohte die Sache zu platzen, weil ein Schöffe durch Abwesenheit glänzte. Er hatte sich im Termin geirrt, war nicht ans Telefon zu kriegen, fiel bei seinem Rückruf 20 Minuten nach anberaumtem Sitzungsbeginn aus allen Wolken, eilte aber noch herbei. Dann schaffte es einer der Verteidiger, den Vorsitzenden auf die Palme zu bringen. Mal monierte er ein fehlendes Schriftstück (um dessen Einsicht er sich selbst hätte kümmern müssen, wie der Kammervorsitzende klarstellte). Dann führte er doch tatsächlich Klage darüber, dass seinem Mandanten der falsche Dolmetscher zur Seite sitze. Der 33-Jährige sei aserbaidschanischer Staatsbürger. Der Dolmetscher aber spreche aserbaidschanisch! Das passe aber gar nicht. Weil der Angeklagte seit Jahrzehnten in Estland lebe, verstehe er nur russisch ... Da die beisitzende Richterin noch zu einer anderen Verhandlung eilen musste, blieb nur Zeit für Anklage-Verlesung und Einlassung der Angeklagten. Der 33-Jährige wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, gab aber Auskunft zu persönlichen Verhältnissen. Früher Berufssoldat, sei er mal als Unternehmer gescheitert – unverschuldet. Habe einen Schuldenberg angehäuft, werde aber demnächst schuldenfrei aus der Privatinsolvenz hervorgehen. Nach einem Arbeitsunfall könne er nicht mehr im erlernten Pflegeberuf arbeiten. Aber er schule ja nun um. Er gedenke, bald im Finanzwesen tätig zu sein, wolle als Fachmann im Steuerberaterbüro arbeiten. Die Sozialberaterin im Gefängnis habe gesagt, das funktioniere schon, da störe die Vorstrafe nicht. Wie sich zeigte, hat der Mann vor fünf Jahren schon mal eine Weile gesessen. Dass weitere Jahre hinter Gittern vor ihm liegen könnten, scheint er mal ausgeblendet zu haben. Der 33-Jährige ließ seinen Verteidiger verkünden, er habe doch nur in Deutschland ein Auto kaufen wollen, sei aber von den anderen nach Holland gelotst worden. Vom Drogengeschäft habe er nichts gewusst. Die Verhandlung wird heute, 9 Uhr, fortgesetzt. (cha)

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