Kusel Nur die Sprache bereitet Probleme

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Kusel. „Die klauen wie die Raben. An der Backstation schlagen sie sich erst mal die Bäuche voll – natürlich ohne zu bezahlen. Wenn Flüchtlinge was stehlen, dürfen die Angestellten keine Anzeige erstatten“ – nicht nur in den sozialen Netzwerken kursieren viele Gerüchte über die Bewohner der Erstaufnahmestelle für Asylsuchende auf dem Windhof. Was ist dran an den Aussagen? Wie sieht es in den Geschäften in Kusel aus? Die RHEINPFALZ hat sich auf den Weg gemacht, beobachtet und nachgefragt.

Ein ganz normaler Nachmittag. Auf dem Parkplatz von Lidl in der Industriestraße sind gerade ein paar dunkelhäutige Männer dabei, ihre Einkäufe in große Tüten zu packen. Schon auf dem Weg dorthin, zum Beispiel in der Glanstraße, sind teils ganze Familienverbände mit Kinderwagen unterwegs. Zwei Frauen, wohl aus Nordafrika kommen, schleppen zwei schwere Einkaufstaschen, obendrauf liegt Obst. Der Weg vom Industriegebiet zur früheren Bundeswehr-Kaserne ist weit. Im Discounter sind mehr Fremdsprachen als Deutsch zu hören. Ansonsten: Normalbetrieb. Die Backstation liegt friedlich da – keiner, der sich kostenlos bedient. Auf Anfrage teilt die Pressestelle von Lidl mit, man könne keine signifikante Zunahme der Diebstahldelikte feststellen, auch von sonstigen Vorfällen sei nichts bekannt. Zum Umsatz sage man grundsätzlich nichts. Bei Aldi ist es sehr ruhig an diesem Nachmittag. Doch eine Mitarbeiterin schildert, die Einkäufe der Flüchtlinge „merkt man ganz gewaltig“. Auf die Frage, ob es Probleme gebe, reagiert sie erstaunt: „Wieso?“ Auch Diebstähle habe es bis jetzt noch keine gegeben. Die Pressestelle von Aldi Süd antwortete auf eine Anfrage ebenfalls schriftlich: „Einen Anstieg der Anzahl an Diebstählen in unserer Filiale in Kusel können wir nicht feststellen.“ Auch im Fachmarkt-Zentrum, der nächsten Station des etwas anderen „Einkaufsbummels“, sind etliche offensichtlich ausländische Personen unterwegs. „Mein Englisch wird immer besser“, scherzt die Angestellte des Ein-Euro-Ladens, nachdem sie mit zwei männlichen Kunden gesprochen hat. „Und wenn gar nichts mehr geht, dann nehmen sie den Übersetzer auf ihrem Handy und zeigen uns, was sie suchen.“ Die Frau gibt zu, dass sie anfangs Angst gehabt habe, wenn vermehrt Asylsuchende zum Einkaufen ins Geschäft kommen. Das hat sich geändert: „Die sind sehr nett – besser als mancher Deutsche“, sagt sie. Der Wasgau-Markt in der Fritz-Wunderlich-Straße liegt mit am nächsten dran an der Erstaufnahmeeinrichtung – also erster Anlaufpunkt für Flüchtlinge, die mit ihrem Taschengeld von maximal 32,80 Euro pro Woche etwas kaufen möchten. Auch dort sind an diesem Nachmittag einige dunkelhäutige Männer und wenige Frauen unterwegs. Sie würden „nur Alkohol und Zigaretten“ kaufen, so heißt es bei Facebook und Co. Doch einer sucht sich gerade die billigsten Chips heraus, eine Frau begutachtet die angebotenen Kosmetikartikel. Wie es bei Wasgau läuft? Die Marktleiterin möchte nichts dazu sagen. Ganz anders Volker Arning, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Tankstelle mit kleinem Supermarkt betreibt. Konfrontiert mit den Aussagen über die neuen Mitbewohner in Kusel sagt er spontan: „Ich kann die negative Meinung nicht teilen. Die kommen in die Tankstelle und sind eher schüchtern.“ Weil sie die Sprache nicht sprechen, bräuchten sie öfter Hilfe bei den Telefonkarten, die sie kaufen. Die Handys sind schließlich die einzige Möglichkeit, mit der Heimat in Kontakt zu bleiben. Und was sagt die Polizei zu den Vorwürfen, die im Netz kursieren? Gerhard Glaser, Leiter der Polizeiinspektion in Kusel, gibt zur Auskunft, es gebe keinen Anstieg der Diebstähle. Auch zu der Aussage, es habe schon „etliche Vergewaltigungen“ gegeben, sagt er nur ein Wort: „Blödsinn“. Übrigens: Auch die in der vergangenen Woche kolportierte Nachricht, im Sozialkaufhaus sei die Kasse gestohlen worden, erwies sich als frei erfunden. Stimmt nicht, sagt DRK-Chef Volker Zimmer.

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