Kusel Kusel: Gute Nachrichten vom Wasserzweckverband

Natur pur in der Wasserschutzzone, wo sich einige Brunnen des Wasserzweckverbandes befinden.
Natur pur in der Wasserschutzzone, wo sich einige Brunnen des Wasserzweckverbandes befinden.

Nachgehakt: Trinkwasser wird immer teurer, die Aufbereitung schwieriger. Grund ist die Belastung des Grundwassers durch Dünger, Pestizide und Medikamente. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat vor dieser Entwicklung gewarnt. Doch der Vorsteher des Wasserzweckverbands Ohmbachtal, Klaus Müller, gibt Entwarnung.

Schönenberg-Kübelberg.

Mehr als die Hälfte der Einwohner des Kreises, 40.000 Menschen, versorgt der Wasserzweckverband Ohmbachtal mit Trinkwasser. Er liefert das kostbare Nass an die Verbandsgemeinden Oberes Glantal und Kusel-Altenglan, die Stadt Kusel und Ramstein-Miesenbach, das Niedermohr damit versorgt. Wobei sich kostbar nicht auf den Preis bezieht, denn es ist vergleichsweise günstig.

Der Wasserpreis ist zuletzt gefallen

Der ehemalige Bürgermeister Klaus Müller, seit 1979 Vorsteher des Wasserzweckverbandes, spricht sogar von einer „märchenhaft günstigen“ Entwicklung des Wasserpreises. Denn 1975, als erstmals Wasser geliefert wurde, habe der Kubikmeter-Preis umgerechnet bei 49 Cent gelegen. 2012 betrug der Preis 61 Cent. Es kam der gesetzlich vorgeschriebene „Wassercent“ hinzu, so dass der Preis auf 64 Cent stieg. Für dieses Jahr blieb er nicht nur stabil, er konnte sogar auf 63,2 Cent gesenkt werden. Dabei handelt es sich wohlgemerkt um den Preis, zu dem der Zweckverband das Wasser abgibt. Die Verteilung ist dann Sache der Verbandsgemeinden, die ihre Kosten an die Verbraucher weitergeben müssen.

Rund zwei Millionen Kubikmeter verkauft

„Seit Jahren ist der Preis sehr stabil, das Versorgungsgebiet ist größer geworden, es wird mehr verkauft, wodurch die Kosten geringer sind“, erläutert Klaus Müller. Im vergangenen Jahr hat der Wasserzweckverband 2,1 Millionen Kubikmeter verkauft, für 2018 sind erneut zwei Millionen kalkuliert. Außer an die Verbandsmitglieder werden auch rund 500.000 Kubikmeter an den Westpfalz-Verband geliefert. Dieser übernimmt das Wasser an einer Übergabestation und zahlt dafür einen Festpreis.

Wasserverbrauch geht zurück

Müller erklärt, dass hauptsächlich Einsparungen zu dem konstant niedrigen Wasserpreis geführt hätten. Er lobt vor allem den Werksleiter Titus Müller-Skrypski, der Elektroingenieur ist und „vieles austüftelt“, wie Müller es ausdrückt. So habe man Stromkosten eingespart, indem die Hochbehälter in der Zeit des Niedrig-Strompreises befüllt werden. Auch neue Pumpen würden helfen, Kosten einzusparen. Auf der anderen Seite geht der Wasserverbrauch zurück. Grund ist die sinkende Einwohnerzahl, außerdem benötigen moderne Wasch- und Spülmaschinen weniger. Das zeigt sich darin, dass der Verband früher eine halbe Million Kubikmeter mehr pro Jahr verkauft hat. Der Preis ist übrigens für alle gleich, der Wasserzweckverband versteht sich auch als Solidargemeinschaft. „Warum soll Schönenberg-Kübelberg weniger zahlen als Welchweiler, nur weil die dort keine Quellen haben?“, fragt Müller.

Nitratbelastung im grünen Bereich

Doch der Preis allein ist nicht alles. Auch die Qualität muss stimmen. Auch da gibt der Vorsteher Entwarnung. Die Nitratbelastung sei seit Jahren gleichbleibend, liege beim Brunnen Elschbach bei 22 Milligramm, bei den Schönenberg-Kübelberger Brunnen bei 36 Milligramm. Der Grenzwert beträgt 50 Milligramm. Grund ist laut Müller nicht nur, dass im Einzugsgebiet die landwirtschaftliche Nutzung nicht so intensiv ist. Der Zweckverband hat auch in den vergangenen Jahren rund 70 Hektar Fläche in Wasserschutzzonen erworben. Mehr als 20 Hektar Wald wurden angepflanzt. Und dort, wo der Wasserzweckverband nicht Eigentümer ist, wurden mit den Landwirten Verträge abgeschlossen. So kann der Verband mitbestimmen und zahlt den Bauern einen Ausgleich, wenn sie die Flächen nicht mehr intensiv nutzen. Das wird vom Land gefördert. Jedes Jahr finden Nitratuntersuchungen statt, der Wasserversorger gibt den Landwirten Düngeempfehlungen. Doch: „Wir können nicht alles beeinflussen“, weiß Müller, der „mit Herzblut“ Verbandsvorsteher ist.

Wasser aus Sandsteingebieten ist sauer

Zur Aufbereitung kommt das Grundwasser in einen Filterkessel. Dies ist nötig, weil Wasser aus Sandsteingebieten sauer ist. Wenn es durch Kalkgestein gefiltert wird, wird lediglich der pH-Wert ins Gleichgewicht gebracht. Sonst sei keine Behandlung nötig. „Wenn Nitrat entfernt werden müsste, das wäre extrem teuer“, weiß Müller.

Vor Jahren Bromacil in Wasser gefunden

Wie teuer Verschmutzungen des Grundwassers werden, das zeigte sich vor Jahren, als das Unkrautvernichtungsmittel Bromacil in einem Brunnen auftauchte (wir berichteten mehrfach). Der Wasserzweckverband musste 2007 für einen Millionenbetrag vier Kessel mit Aktivkohle bauen, um die Rückstände zu entfernen. Und streitet bis heute mit der Bahn, die laut Müller unzweifelhaft Verursacher ist. Denn mit Bromacil wurden früher die Bahnstrecken frei von Bewuchs gehalten, der Spritzzug machte Station im Bahnhof Schönenberg-Kübelberg. Der Rechtsstreit wegen der Kosten dauert an, mehrere Gutachten wurden angefertigt, jetzt laufen Vergleichsverhandlungen.

Reichlich Grundwasser vorhanden

Angst zu haben, dass das Grundwasser einmal alle ist, braucht übrigens keiner. „Die Wasserbildung ist enorm“, weiß der Verbandsvorsteher. Denn von Natur aus ist in der Westpfälzischen Moorniederung reichlich Grundwasser vorhanden.

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