Kusel Kusel: Die allermeisten Flüchtlinge können nicht bleiben

Seit September 2015 ist in der ehemaligen Kuseler Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung.
Seit September 2015 ist in der ehemaligen Kuseler Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung.

Die Zahl der Flüchtlinge in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) in Kusel schwankt stark. Nach Angaben von Leiter Martin Ziemer sind derzeit rund 450 Personen auf dem Windhof untergebracht. Die allermeisten, rund 85 Prozent, haben eine negative Bleibeperspektive.

Ziemer leitet die Afa seit ihrer Öffnung im September 2015. Er berichtet, dass das Hauptherkunftsland der Bewohner momentan der Sudan ist. Die zweite große Gruppe in der für 700 Flüchtlinge ausgerichteten Kuseler Afa bildeten Türken, die vor dem Erdogan-Regime geflüchtet seien. Nach wie vor, aber längst nicht mehr in der Zahl wie vor zwei Jahren, kämen Syrer an, bildeten aktuell die drittgrößte Gruppe, gefolgt von Irakern und Nigerianern. Während fast alle Sudanesen negativ beschieden würden – die meisten gelangen über Italien nach Deutschland und müssen deshalb dorthin zurück –, erhielten insbesondere Syrer meist positive Bescheide, weiß Ziemer. Bei dem überwiegenden Teil der Flüchtlinge handele es sich um alleinreisende, junge Männer, die eine gefährliche Flucht über das Mittelmeer körperlich auch schafften. Auf rund sechs Monate schätzt Ziemer die durchschnittliche Verweildauer der Flüchtlinge in der Kuseler Afa. Positiv hebt er hervor, dass die Bearbeitungsdauer bei der „Verteilung“ in die Kommunen mittlerweile rascher vonstattengehe. Etwa 90 Arbeitsplätzen sind auf dem Windhof besetzt. Darunter sind rund 20 Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Die sogenannten Entscheider behandeln laut Ziemer allerdings nur noch Fälle, die nichts mit Kusel zu tun haben. Weil die allermeisten Afa-Bewohner negative Bleibebescheide erhielten, breite sich mitunter eine gewisse Perspektivlosigkeit aus. „Das schlägt sich auf die Stimmung nieder“, räumt Ziemer unumwunden ein. Seit einigen Monaten werde direkt aus der Afa abgeschoben, berichtet der Leiter – und zwar „fast jede Nacht“. Daniel Pfeiffer ist für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Leiter des Sozialen Dienstes auf dem Windhof tätig. Flüchtlinge, die in Deutschland keine Bleibeperspektive haben, weist er auf die Möglichkeit der freiwilligen Rückführung hin. Das DRK, mit 18 Mitarbeitern in der Afa präsent, kümmert sich unter anderem um die medizinische Betreuung, eine Kindertagesstätte und das Objektmanagement. Pfeiffer koordiniert zudem die Ehrenamtlichen, deren festen Stamm er auf 20 Personen schätzt. Zu den Angeboten gehören Deutschkurse und kreative Tätigkeiten ebenso wie Sportveranstaltungen. Der Kuseler Afa wird von außerhalb ein überaus positives Image zugesprochen, das wissen Pfeiffer und Ziemer. Der Leiter führt dies unter anderem auf „gute Konzepte und strukturierte Zusammenarbeit zwischen ADD und DRK“ zurück. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ist die für die Afa zuständige Behörde. Auch wenn die Anzahl der Flüchtlinge nach Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr unter 8000 lag – 2016 waren es doppelt so viele, 2015 sogar 53.000 –, die Arbeit in der Aufnahmeeinrichtung ist für Ziemer weiterhin keine Routine: „Wir sind hier mit viel Herzblut dabei.“ Vielleicht ist das ein Grund, warum manche „Ehemalige“, die längst woanders wohnen, weiterhin Kontakt zum Windhof pflegen. „Sie kommen als Übersetzer, vermitteln Kontakte und Praktika“, schildert Ziemer. Und wenn er nach ein paar Monaten von früheren Afa-Bewohnern auf der Straße in perfektem Deutsch begrüßt wird, dann weiß er, dass die Bemühungen fruchten.

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