Kusel Für Firmen: „Pro Fachkraft Westpfalz“

Der Landkreis will sich aktiv bei einem Modellprojekt einbringen, das in der Stadtverwaltung Pirmasens entwickelt wurde und in der gesamten Region Schule machen soll. Es firmiert unter dem Titel „Pro Fachkraft Westpfalz“ und soll der regionalen Wirtschaft dabei helfen, Fachkräfte zu gewinnen und an sich zu binden. Mark Schlick hat es gestern im Wirtschaftsbeirat vorgestellt.
Die Westpfalz sei umringt von Metropolregionen (Rhein-Main, Rhein-Neckar, Großregion Saar-Lor-Lux), die vor allem mit ihren Großbetrieben natürlich Fachkräfte aus der Region absaugten. Hinzu komme der demografische Wandel, von dem die Westpfalz stärker betroffen ist als die meisten umliegenden Regionen. Dieser sorge zusätzlich für einen natürlichen Fachkräftemangel. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Pirmasens, die Schlick leitet, hat daher mit Unterstützung des Landes ein Modellprojekt gestartet, damit sich speziell kleinere und mittlere Betriebe als gute Arbeitgeber zertifizieren lassen können, um so mehr Aufmerksamkeit bei potenziellen neuen Mitarbeitern zu gewinnen. Denn an dieser Aufmerksamkeit mangele es häufig, sagte Schlick. Bei einer Untersuchung im Rahmen des Modellprojekts habe man beispielsweise festgestellt, dass bei FH-Studenten in Pirmasens und Zweibrücken oder bei den Berufsschülern selbst große Pirmasenser Unternehmen wie das Logistikunternehmen PSB oder Kömmerling-Chemie kaum bekannt seien. Dabei sei doch gerade das die Gruppe, aus der später Fachkräfte für genau diese Unternehmen werden könnten. Folge der Unkenntnisse über das, was die regionale Wirtschaft an Chancen biete: Die jungen Menschen wanderten vielfach ab. Mit dem Projekt „Pro Fachkraft“ sollen sich nun Unternehmen unabhängig zertifizieren lassen können, um so potenzielle neue Mitarbeiter auf sich aufmerksam zu machen. Dabei sind im Verlaufe des Prozesses sowohl Befragungen der Führungsebene und eines Teils der Belegschaft vorgesehen wie auch Interviews mit Studierenden und Schülern in den Abschlussklassen. Am Ende des Prozesses, der auch eine Defizitanalyse enthält, soll das jeweilige Unternehmen zwei Jahre lang mit dem Signet „Pro Fachkraft Westpfalz“ für sich werben dürfen. Das Verfahren sei auch für kleine Unternehmen – ab etwa 20 Mitarbeitern – geeignet und nicht allzu teuer. Für Firmen bis 100 Mitarbeiter soll das 3600 Euro kosten. Pirmasens, so betonte Schlick, sei hier nur der Vorreiter. Nach der inzwischen abgeschlossenen Testphase mit mehreren Pirmasenser Unternehmen soll diese Idee nun in die gesamte Westpfalz exportiert werden, um möglichst viele Unternehmen (und Verwaltungen) dafür zu begeistern. Aus dem Landkreis Kusel habe bislang KOB konkret Interesse angemeldet. Landrat Winfried Hirschberger nannte das Projekt eine gute Sache, weil es auch die Westpfalz-Identifizierung stärke. Er versprach, für die Initiative zu werben und sie durch die Wirtschaftsförderung der Kreisverwaltung unterstützen zu lassen. Die West- oder Hinterpfalz habe sich viel zu lange unter Wert verkauft, weil sie über sehr lange Zeit Grenzregion gewesen sei. „Wir müssen das jetzt anders betrachten: Bei der Öffnung nach Westeuropa sind wir nicht hinten, sondern ganz vorne.“ Der Wirtschaftsbeirat hatte sich zuvor die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Windhof angeschaut, wo kommende Woche das erste Unterkunftsgebäude in Dienst gestellt und ab Donnerstag mit Flüchtlingen belegt werden soll. Nicht nur der Landrat betonte dort, man solle die Parolen speziell in den sozialen Netzwerken über angebliche Vorfälle in der Kuseler Afa nicht ernst nehmen. Hier werde die Unwahrheit verbreitet, in der Kuseler Einrichtung laufe bis dato alles sehr gut und friedlich. Dass es keineswegs dauernd zu Tumulten bei der Kleiderausgabe kommt, wie interessierte Kreise gerne verbreiten, davon konnten sich die Beiratsmitglieder bei einer ungeplanten Visite an der Kleiderkammer überzeugen. Dort standen mehr als 30 Flüchtlinge und warteten friedlich auf Einlass. Die Sitzung des Wirtschaftsbeirats nutzte außerdem Jürgen Prams, um den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft vorzustellen, der sich das Netzwerken für und mit Unternehmen auf die Fahnen geschrieben hat und verstärkt im Raum Kusel aktiv werden will. (wop)