Kusel Der Jobmotor sitzt in Kaiserslautern

91-77714453.jpg

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Kusel hat im vergangenen Jahr im Schnitt bei 4,7 Prozent gelegen. Das ist die niedrigste Quote seit Jahrzehnten. Diese und weitere Zahlen hat Hans-Joachim Omlor, Chef der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens, gestern in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ genannt. Es sei „ein sehr gutes Jahr“ auf dem Arbeitsmarkt gewesen – sowohl in der gesamten Westpfalz als auch speziell im Kreis Kusel.

Drei Faktoren kennzeichnen eine solche Bewertung. Punkt eins ist eine wachsende Beschäftigung. Vor allem dank des Jobmotors Kaiserslautern – unter anderem durch die Neueröffnungen Mall, Ikea und Vapiano – sei die Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in der Westpfalz um 1,6 Prozent gestiegen (in Kaiserslautern-Stadt sogar um 3,6 Prozent). Zwar ist die Zahl der Arbeitsplätze innerhalb des Kreises Kusel minimal gefallen gegenüber 2014; dennoch gingen trotz der Demografie nochmals 219 Kreisbürger mehr einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach – insgesamt nun 26.402. Weniger Jobs, aber mehr Beschäftigte? Die Diskrepanz ist schnell aufgeklärt beim Blick auf die Auspendlerzahlen. Mitte vergangenen Jahres – aktuellere Statistiken gibt es nicht – machten sich 17.848 Kreisbürger allmorgendlich auf zur Fahrt über die Kreisgrenzen. Das sind für die traditionell sehr mobilen Kuseler nochmals 305 mehr als im Jahr zuvor. Der Jobmotor Kaiserslautern-Stadt zeigt sich auch hier: Die Zahl der Pendler aus dem Kreis nach Kaiserslautern stieg um 61 – insgesamt nun 3590. „Wenn in Kaiserslautern neue Jobs entstehen, hilft das auch den Kuselern. Die Menschen richten sich dort ein, wo sie sich wohlfühlen, und pendeln dorthin, wo sie einen Job entsprechend ihrer Qualifikation erhalten. Kreisgrenzen sind ihnen dabei nicht wichtig“, betont Omlor, der schon seit Jahren predigt, den Arbeitsmarkt nicht kleinteilig zu betrachten. Führend für die Pendler ist übrigens immer noch der Saarpfalz-Kreis mit 4137. Allerdings sind das 43 weniger als zwölf Monate zuvor. Punkt zwei für die gute Bewertung: die wachsende Anzahl an Stellenangeboten. In der gesamten Westpfalz registrierte die Arbeitsagentur hier einen Zuwachs um zehn Prozent auf insgesamt 12.088 Jobangebote. In Kusel waren es sogar 30,6 Prozent mehr auf nun 799. Selbst jetzt im Winter, traditionell die schwächste Jahreszeit auf dem Arbeitsmarkt, seien immer noch überdurchschnittlich viele offene Stellen gemeldet, sagt Omlor. Das wiederum gibt Hoffnung auf ein ebenso gutes Jahr 2016. Punkt drei: die sinkende Arbeitslosigkeit mit dem Rekordwert für den Kreis Kusel. Hinzu kommt: Konjunkturbedingte Kurzarbeit gibt es fast gar keine mehr; Gleiches gilt für das Insolvenzgeld. „Wir haben im vergangenen Jahr für die gesamte Westpfalz etwa genauso viel Kurzarbeitergeld gezahlt wie während der Wirtschaftskrise 2008/2009 an einem einzigen Tag.“ All das zeigt die gute Wirtschaftslage und ihre Wirkung auf den Arbeitsmarkt. Omlors Fazit: „Der Markt war ruhig und ist gewachsen.“ Für den Kreis Kusel sind aber noch ein paar andere Faktoren bemerkenswert. So ist die Anzahl von Mini-Jobs um 4,4 Prozent gesunken – bundesweit hatte der Rückgang 1,7 Prozent betragen. Omlor ist zwar noch vorsichtig in seiner Einschätzung, glaubt aber, dass sich hier erste Auswirkungen des Mindestlohns zeigen. Und die sind beileibe nicht schlecht: „Denn zugleich mit dem Abbau der Mini-Jobs sind neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstanden.“ Man könne annehmen, dass viele frühere Mini-Jobs in reguläre Jobs umgewandelt worden seien. Gut hat sich die Situation auch bei den Langzeitarbeitslosen (ein Jahr und länger ohne Beschäftigung) entwickelt. Deren Zahl ist um 5,1 Prozent auf 576 gefallen. Als Schwerpunkt nimmt die Arbeitsagentur die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten mit ins neue Jahr. Deren Zahl ging zwar ebenfalls zurück – um 2,3 Prozent auf 147 –, aber nicht in dem Maße, wie sich die Agentur das erhofft hatte. Zweites großes Thema 2016: die Qualifizierung und Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Seit vergangener Woche hat die Agentur auf dem Windhof einen Mitarbeiter – ein Syrer, der seit zwölf Jahren in Deutschland lebt –, der die Qualifikationen der Flüchtlinge erfasst und regelmäßig Informationsveranstaltungen und Beratungsgespräche anbietet. Zuspruch bisher zu den freiwilligen Angeboten: sehr gut. (wop)

x