Zweibrücken / Hütschenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Bayern und Pfalz: Historikerin Charlotte Glück geehrt

Jetzt hat sie ihre eigene Hofenfels-Medaille: Charlotte Glück (links) mit Ilse Aigner, der bayerischen Landtagspräsidentin und V
Jetzt hat sie ihre eigene Hofenfels-Medaille: Charlotte Glück (links) mit Ilse Aigner, der bayerischen Landtagspräsidentin und Vorsitzenden des Bunds der Pfalzfreunde in Bayern.

Mit Weitblick und Standhaftigkeit hat Charlotte Glück Geschichte bewahrt. Jetzt wird ihr Einsatz von Bayern mit der Hofenfels-Medaille gewürdigt.

Selten hat man sie so bewegt gesehen: Als Charlotte Glück, die „Mutter“ des Zweibrücker Stadtmuseums, am Mittwoch auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt eine ganz besondere Auszeichnung erhielt, musste die promovierte Historikerin mit den Tränen kämpfen. Der Bund der Pfalzfreunde in Bayern zeichnete Glück mit seiner Hofenfels-Medaille aus und würdigte damit ihre Verdienste um die gemeinsame Geschichte beider Regionen. Prominente frühere Geehrte sind beispielsweise Bernhard Vogel, Werner Schineller, Friedrich Kardinal Wetter und Adalbert Prinz von Bayern. Gestaltet wurde die Medaille einst von dem Pfälzer Bildhauer Otto Kallenbach.

Ob Johann Christian von Hofenfels posthum seine Hand im Spiel hatte? Schließlich hat er es auch der früheren Leiterin des Stadtmuseums zu verdanken, dass sein Gemälde und jenes seiner Ehefrau Friederike seit 2007 wieder im Residenzsaal des Stadtmuseums vereint sind. Die Stadt Homburg hatte das Gemälde Friederikes den Zweibrückern überlassen. Hofenfels ist es andererseits zu verdanken, dass es überhaupt einen Bund der Pfalzfreunde in Bayern gibt, ebenso wie den Landesverband der Pfälzer in Bayern. Denn nur durch das Engagement des unbestechlichen und standfesten „politischen Wandersmanns“ am Hof von Herzog Karl II. August wurde im 18. Jahrhundert zweimal verhindert, dass sich Österreich Bayern einverleibte – Voraussetzung erst für das Kurfürstentum Pfalzbayern und später für die Pfalz als dem achten bayerischen Regierungsbezirk.

Das besondere Band

Natürlich ist all das Geschichte. Und doch besteht da dieses besondere Band zwischen Bayern und Pfalz, Gott erhalt’s. Dieses besondere Band will gepflegt werden, und genau darum hat sich Charlotte Glück in den Augen des Bunds der Pfalzfreunde in Bayern verdient gemacht. Oder, wie es seine Vorsitzende, die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) auf dem Hambacher Schloss formulierte: Ihr Beruf sei Charlotte Glück zur Berufung geworden und umgekehrt, es seien Menschen wie sie, die das historische Bewusstsein bewahrten und außerdem ins Hier und Jetzt übertrügen. Das sorge auch für Halt und Orientierung in einer immer schwieriger werdenden Welt.

Ausgerechnet jene Auszeichnung, die sie nun erhielt, hatte Charlotte Glück 1993 in ihren ersten Tagen als Leiterin des Stadtmuseums Zweibrücken beschäftigt. Es ging es um die an den in Homburg-Limbach geborenen Kunsthistoriker Wilhelm Weber 1972 verliehene Hofenfels-Medaille, die heute im Stadtmuseum zu sehen ist. „Damals“, so Glück, „wusste ich wenig von Hofenfels, was sich stark geändert hat“ – zumal sie beide Westpfälzer seien, Hofenfels ein gebürtiger Kuseler, Glück eine Hütschenhausenerin, wo sie auch heute noch lebt.

Gewisse Ähnlichkeit

Dieses besondere Interesse und den besonderen Einsatz für die Westpfalz würdigte auch Lenelotte Möller. Als Präsidentin der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften war es ihr vorbehalten, die Laudatio auf ihre Historiker-Kollegin zu halten. Als solche bescheinigte sie Glück ähnliche Charaktereigenschaften wie Johann Christian von Hofenfels: Weitblick, diplomatisches Geschick, Unbestechlichkeit und Standhaftigkeit. „Auch die Bildungsarbeit eines Museums erfordert viele der Wesenszüge von Hofenfels.“ Charlotte Glück habe in Zweibrücken „aus einer Sammlung ein Museum gemacht, das überall Beachtung findet“. Sie habe Dinge möglich gemacht, die angesichts des Budgets und Personalschlüssel unmöglich erschienen, vor allem aber Geschichte für breite Schichten zugänglich gemacht. Ihre Begeisterung für Menschen, Zweibrücken und die Westpfalz sei beispiellos.

Bestätigt wurde das von Christoph Göbel, dem Vorsitzenden des Landesverbands der Pfälzer in Bayern mit Neustadter Wurzeln und aktuellem Landrat des Landkreises München. Er bezeichnete sowohl Hofenfels als auch Glück als Brückenbauer – zwischen Kulturen, Menschen und Regionen. Und er warb amüsant für die Bande zwischen Bayern und der Pfalz: „Zwar bin ich ein echter Zwockel, aber eben auch Pfälzer und stolz auf diese Verbundenheit.“

Mutter Renate auch dabei

Gefeiert wurde natürlich auch. Im voll besetzten Festsaal des Hambacher Schlosses trafen sich viele Weggefährten von Charlotte Glück, wie Museumskollegen und Vertreter der Zweibrücker Justiz. Dass Familie und Freunde aus Hütschenhausen mit von der Partie waren, versteht sich von selbst, allen voran ihre hochbetagte Mutter Renate. Und auch der Musiker Heiko Plank ist ein Bekannter der Geehrten. Mit seiner selbstgebauten achtsaitigen „plank“ sorgte er für elektro-akustische Rhythmen, die Ilse Aigner zur der Aussage verleiteten: „Wer schon mal Gitarre gespielt hat, weiß, dass da schon sechs Saiten zu viel sein können.“

Charlotte Glück blieb am Ende vor allem eines zu sagen: Seit Juli im Ruhestand, habe sie feststellen können, „dass meine Arbeit überregional wahrgenommen wurde“. Und dass sie bei ihrer Nachfolgerin Aline Maldener in guten Händen sei.

Ein aktuelles Interview mit Ilse Aigner lesen Sie hier.

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