Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Zentralabitur ohne Effekt? Schulen in der Region und Ministerium sehen stabile Abiturnoten

Ist der höchste Schulabschluss heute leichter zu bekommen?
Ist der höchste Schulabschluss heute leichter zu bekommen?

Der Abi-Durchschnitt in Rheinland-Pfalz bewegt sich nur leicht nach oben. Was Schulen und Ministerium berichten – und welchen Einfluss das Zentralabitur hat.

In den vergangenen Wochen haben junge Menschen landauf, landab über ihren Abiturprüfungen gebrütet. Ein Anlass, um mal nachzufragen, wie sich die Zeugnisdurchschnitte im Lauf der Zeit entwickelt haben. Ist es richtig, dass im Gegensatz zu früher immer öfter Spitzenwerte bei Abiturnoten erreicht werden? Oder trügt dieser Eindruck? Ulrich Gerecke, Pressesprecher des Mainzer Bildungsministeriums, sagt dazu: „Allgemein lässt sich feststellen, dass die Abiturnoten relativ konstant geblieben sind. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Zeugnisdurchschnitt allenfalls minimal verbessert.“ Es reicht schon, in der Statistik zehn Jahre zurückzuschauen, um diesen Trend zu erkennen. 2024 lag der Mittelwert bei 2,44, im Jahr davor zwar bei 2,40 und 2022 bei 2,38, aber von 2014 auf 2021 hatte er sich von 2,54 auf 2,48 verbessert.

Zu beobachten ist, dass Rheinland-Pfalz im Bundesländervergleich stets den drittletzten Platz einnimmt, schlechtere Abiture werden nur in Niedersachsen und Schleswig-Holstein geschrieben. Die Traumnote 1,0 wurde allerdings in jüngster Zeit öfter erreicht als früher – und das trotz sinkender Schülerzahlen. 2016 hatten sich landesweit noch 19.079 Jungen und Mädchen zu den Abi-Prüfungen angemeldet, 2024 waren es nur noch 15.390.

Zentralabitur hat keinen Einfluss

Als Ursache der Tendenz zu leicht besseren Durchschnitten beim höchsten deutschen Bildungsabschluss sieht Gerecke verschiedene Faktoren. „Zum Beispiel kann die veränderte Gewichtung von Facharbeiten eine Rolle spielen“, sagt er. Auch könnte die Einführung von Zulassungsbeschränkungen an den Universitäten möglicherweise zu einer erhöhten Leistungsbereitschaft, insbesondere bei den guten und sehr guten Schülern geführt haben.

Kein Einfluss auf die Noten habe sich dadurch ergeben, dass seit 2017 in Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch sowie seit 2025 in den Naturwissenschaften ein Zentralabitur mit Prüfungsaufgaben vom Land gestellt werden. Dazu sagt Martin Burkart, der Oberstufenleiter des Sickingen-Gymnasiums in Landstuhl: „Hier fehlen uns bislang Erfahrungen, es lässt sich noch kein verallgemeinerbares Urteil fällen.“ Sein Amtskollege vom Reichswald-Gymnasium Ramstein-Miesenbach, Jan-Christof Schmidt, schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir können den Einfluss zentraler Elemente auf den Schwierigkeitsgrad weder bestätigen noch verneinen.“ Die Rektorin der Bettina-von-Arnim-IGS in Otterberg, Claudia Kirch, betont, dass die Schüler durch Einführung der zentralen Aufgaben mehr Auswahl hätten, was sie bearbeiten möchten. Zu den Noten erklärt Kirch: „Die haben in etwa gleichbleibendes Niveau.“ Von der Integrierten Gesamtschule Am Nanstein in Landstuhl ist von der dortigen MSS-Leiterin Ulrike Sommerlad zu hören: „Wir können keine Entwicklung nach unten oder oben erkennen, auch nicht bei den Spitzenergebnissen.“ Letztere lägen je nach Jahrgang zwischen 1,2 und 1,4. Insgesamt hätten etwa zehn Prozent der Absolventen eine Eins vor dem Komma. Schmidt vom Reichswald-Gymnasium sagt ebenfalls: „Wir beobachten keine signifikanten Änderungen bei den Notendurchschnitten und den Spitzenwerten.“

Einser-Schüler sind jahrgangsabhängig

Anders ist die Beobachtung am Sickingen-Gymnasium. Burkart erzählt: „Der Abiturnotendurchschnitt hat sich in den vergangenen zehn Jahren tendenziell verbessert.“ So habe der Anteil aus der Kategorie „sehr gut“ (1,0 bis 1,5) 2016 bei zehn Prozent gelegen und 2024 bei 18 Prozent. Allerdings sei dieser Wert im vergangenen Jahr wieder auf elf Prozent gefallen. Worauf diese Veränderungen zurückzuführen sind, kann der Oberstufenleiter nicht sagen und stellt klar: „Der Anteil der Spitzenwerte hängt auch immer ein bisschen vom Jahrgang selbst ab.“ Es sei sogar mal vorgekommen, dass fünf Absolventen die Traumnote 1,0 erzielt haben.

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