Eingekreist
Wochenendkolumne: Von Fans des Sommerreifens bis hin zum kleinen Streber
Der Klimawandel sorgt zwar auch in der einst klimatisch eher rauen Westpfalz für immer wärmere Durchschnittstemperaturen, aber das heißt beileibe nicht, dass der Winter nicht ab und an die Muskeln spielen lässt. Am vergangenen Wochenende waren draußen im Freien rote Ohren vorprogrammiert. Doch während Petrus uns am Sonntag mit eisigem, aber wunderschönem Kaiserwetter verwöhnte, zeigte er sich am Montag von seiner unangenehmen Seite: Der im Vorfeld angekündigte Eisregen blieb zwar zum Glück aus, doch Schneefall und glatte Straßen machten den Autofahrern vielerorts ebenfalls schwer zu schaffen. Zahlreiche Unfälle mit Blechschäden und Leichtverletzten waren die Folge.
Ja, der erste Schnee der Saison hat es immer in sich, weil sich die Autofahrer erst mal an rutschige Untergründe gewöhnen müssen. Früher hatte man dazu viel öfter Gelegenheit, da die Winter noch viel härter ausfielen und Schnee nichts Außergewöhnliches war.
Obwohl die weiße Pracht heute seltener die Landschaft verzuckert, ist das noch kein Grund, mit Sommerreifen durch die Gegend zu kutschieren. Aber es passiert immer wieder, dass Autofahrer mit den falschen Schlappen unterwegs sind, obwohl dies bei Schnee und Eis ja eigentlich verboten ist! Wenn dann noch mangelnde Praxis und zu flottes Fahren dazu kommen, ist es schnell passiert – wie man am Montag mal wieder gesehen hat. Zum Schaden am Auto – und der möglichen Gefahr für Leib und Leben – kommt für die Fans des Sommerreifens dann im Falle eines Unfalls noch 125 Euro Strafe plus Bearbeitungsgebühr dazu. Ein teurer „Spaß“!
Bleifüße aufgepasst!
Apropos Strafen: In den vergangenen zwei Jahren hatten all jene, die gern auch mal etwas schneller unterwegs sind, fast überall im Landkreis freie Bahn, denn das Landesamt für Mess- und Eichwesen hatte Ende April 2021 die Nutzung eines bestimmten, oftmals eingesetzten Blitzer-Typs untersagt, weil es mit diesem Apparat unter bestimmten Bedingungen Abweichungen zwischen der tatsächlich gefahrenen und der gemessenen Geschwindigkeit gab. Doch Bleifüße aufgepasst, die Verbandsgemeinden haben inzwischen nachgerüstet! Bruchmühlbach-Miesau, Otterbach-Otterberg oder Ramstein-Miesenbach haben schon länger ein neues Radar. Und nach zwei blitzerfreien Jahren ist es jetzt auch in der VG Weilerbach vorbei mit (allzu) freier Fahrt für freie Bürger. Ein neues Gerät macht nun auch hier Jagd auf Temposünder.
Wie der Weilerbacher Verbandsbürgermeister Ralf Schwarm berichtet, soll es sogar Leute geben, die die Radarfallen vermisst haben. Wenn vor der eigenen Haustür oder vor der Schule der Kinder gerast wird, ist die Forderung schnell da, dass hier doch mal öfter kontrolliert werden sollte. Wobei es dann kurioserweise nicht selten gerade Anwohner und Eltern sind, die geblitzt dann werden ...
Freilich freut sich niemand über ein Knöllchen oder gar ein Fahrverbot. Schnell ist da bei den Betroffenen von Wegelagerei und Abkassieren die Rede. Dass die Verbandsgemeinden dies bestreiten und beteuern, der Einsatz der teuren Kontrollgeräte sei gerade mal so kostendeckend, wird niemanden trösten, der erwischt wurde und nun löhnen darf.
Doch Rasen ist kein Kavaliersdelikt. Nach Angaben der Polizei passieren die meisten schweren Unfälle nicht weil gebechert wurde, sondern weil die Fahrer zu schnell durch die Gegend gebraust sind. Insofern sind Tempokontrollen – gerade an Gefahrenpunkten – eigentlich nichts Schlechtes, steigern sie doch die Disziplin.
Alles für den Smiley
Trotzdem sind mir als Autofahrerin (die auch schon öfter zahlen musste) die sanktionslosen Geschwindigkeitsmesstafeln, die es vielerorts gibt, viel sympathischer. Denn die meisten Menschen sind ja nicht per se schlecht, sondern ganz im Gegenteil: Vielen von uns wohnt doch ein kleiner Streber inne, der seiner Umwelt eigentlich gerne gefallen möchte. Dieses innere Bedürfnis ist, so glaube ich, das Erfolgsrezept dieser simplen, aber wirkungsvollen Tafeln: Wenn darauf der traurige rote Smiley mit heruntergezogenen Mundwinkeln aufleuchtet, gehen wir doch automatisch vom Gas. Denn wir wollen ihn, den grünen Strahlemann, weil er uns auch ein gutes Gefühl gibt! Die Smiley-Tafeln setzen – im Gegensatz zur Radarfalle – auf das Prinzip Belohnung. Und seltsamerweise funktioniert’s. Bei mir selbst und ganz vielen anderen. Ein freundliches Lächeln tut halt jedem gut.