Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Die alte Dampflok geht auf ihre letzte Reise – ein Gewinn fürs Lautertal

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Ein stählerner Koloss geht am Sonntag auf seine letzte Reise: Die historische Dampflok zieht um von Kaiserslautern nach Otterbach. Ein Gewinn für die Lautertalgemeinde.

Wer erinnert sich nicht an Lukas, den Lokführer, der gemeinsam mit Jim Knopf auf Lok Emma im Michael-Ende-Roman durchs Lummerland tuckerte? Als Kind habe ich in den 1970er Jahren vor allem die Adaption mit Marionetten der Augsburger Puppenkiste geliebt. Sie beflügelte meine Fantasie, zumal es im Keller meines Elternhauses eine große Modelleisenbahn mit diversen Dampfloks gab. Diese Anlage mit Bergen, Tunneln, kleinen Dörfern und Bahnhöfen gehörte zwar nominell mir, aber nur auf dem Papier: Am Trafo, sprich am Schalthebel, saß fast ausschließlich mein Vater. Ich durfte pfeifen – und er steuerte daraufhin die Fahrzeuge durch die von meiner Mutter in mühevoller Kleinarbeit liebevoll gestaltete Landschaft.

Ja, in so manchem großen Mannsbild schlummert halt ein kleiner Lokführer. Daher dürfte die Aktion, die am Wochenende über die Bühne geht, vor allem Männerherzen höherschlagen lassen: Die mächtige historische Dampflok, die nun schon seit 2003 am früheren Ausbesserungswerk in Kaiserslautern steht, zieht am Sonntag um in ihr neues Domizil im Lautertal. Am jetzigen Standort in der Pariser Straße mag sie vielleicht den ein oder anderen bewundernden Blick von all den wartenden Autofahrern an der Waschanlage der Lebenshilfe auf sich gezogen haben. Aber richtig groß raus kam sie dort nie.

Dem Zahn der Zeit ausgesetzt

Im Gegenteil: Die schwarze Dampflok mit dem roten Fahrwerk sah zwar von weitem schön aus, war dort aber dem Zahn der Zeit und den Unbilden der Witterung schutzlos ausgesetzt, die mit den Jahren mächtig an dem imposanten Gefährt genagt haben. Rost und abblätternder Lack zeugen davon. Passionierten Eisenbahnfans blutete ob des langsamen Verfalls das Herz. Der Förderverein „Dampflok am Stellwerk“ gründete sich und verfolgte seit 2023 den Plan, die Lok samt Tender nach Otterbach ans dortige Stellwerkmuseum zu verfrachten.

Jetzt ist es tatsächlich endlich soweit: Im Morgengrauen geht das Gespann auf seine letzte Reise. Hoffentlich klappt alles! Denn es ist beileibe kein leichtes Unterfangen, den Koloss ins Lautertal zu transportieren: Die Lokomotive aus dem Jahre 1943, die einst für die Deutsche Reichsbahn durch die Lande dampfte, ist 4,50 Meter hoch und bringt allein rund 80 Tonnen auf die Waage. Der Tender aus dem Jahre 1939 wiegt noch einmal rund 60 Tonnen. Von der Tragfähigkeit bis zur Durchfahrtshöhe der Brücken galt es da vieles zu bedenken. Doch nach langer Planung wurde eine Route gefunden, auf der ein Spezialunternehmen aus Zweibrücken am Sonntagmorgen mit seiner schweren Last gen Otterbach unterwegs sein wird. Wer das ungewöhnliche Spektakel beobachten will, muss allerdings früh aus den Federn: Um 6 Uhr soll es losgehen.

Künftig bestimmt ein Touristenmagnet

In Otterbach ist schon alles für die Lok gerichtet: Auf einem eigens verlegten Schienenstrang wird sie ihr neues Domizil und sicherlich viel mehr Beachtung als bisher finden. Denn die Dampflokfreunde werden dafür sorgen, dass der stählerne Koloss von Fachleuten restauriert wird. Danach ist sie bestimmt ein echtes Schmuckstück – ein Hingucker und eine tolle touristische Aufwertung für das Otterbacher Stellwerkmuseum und die Lautertalgemeinde insgesamt. So mancher auswärtige Wanderer, der in der Lautertalbahn vorbeituckert, wird sich vielleicht bei ihrem Anblick wie ich an Lukas aus Lummerland erinnern und den kleinen Lokführer in sich wiederentdecken. Was liegt da näher, als auszusteigen und die Lok zu erkunden? Und wenn erst der Bachbahn-Radweg fertig ist, wird das an der Strecke liegende Ensemble bestimmt für viele Zwischenstopps sorgen.

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