Kreis Kaiserslautern
Wie man Einbrechern die Lust verdirbt – Tipps von der Polizei
Vermummte Einbrecher dringen nachts ins Haus ein, während die Bewohner schlafen, reißen diese aus ihren Betten und zwingen sie mit brutaler Gewalt dazu, Geld und Wertgegenstände auszuhändigen. Jeder kennt solch alptraumhafte Berichte aus Sendungen wie Aktenzeichen XY und viele Zuschauer fürchten sich davor, selbst zum Opfer zu werden. Diese Angst kann Patrick Busch den Menschen ein Stück weit nehmen: „Natürlich gibt es hin und wieder solche schlimmen Fälle, wie sie in Aktenzeichen XY gezeigt werden. Aber sie sind die absolute Ausnahme“, weiß der Polizeibeamte aus Erfahrung, denn er fuhr früher selbst Streife und kennt den Alltag: „Die allermeisten Einbrüche hier bei uns spielen sich ganz anders ab“, betont er. „Und man kann einiges tun, um sein Haus soweit zu schützen, dass Einbrechern schnell die Lust vergeht.“ Wie das funktioniert, hat der Präventionsberater des Polizeipräsidiums Westpfalz der RHEINPFALZ beim Rundgang durchs Haus eines Ehepaars aus Queidersbach erläutert, das am zweiten Weihnachtsfeiertag von Einbrechern heimgesucht und bestohlen worden ist.
Welcher Tätertyp ist derzeit bei uns in der Region am häufigsten aktiv?
„Aus den Statistiken wissen wir, dass es sich in der Westpfalz meist um Gelegenheitseinbrecher handelt“, berichtet Patrick Busch. Organisierte Profis – oft aus dem Ausland –, die früher auch in der Region ihr Unwesen trieben, hätten sich inzwischen auf andere „Betätigungsfelder“ verlegt: etwa Internet- oder telefonische Betrugsmaschen wie Enkeltrick & Co. „Das ist viel lukrativer“, sagt der Polizeioberkommissar. Der typische Einbrecher sei heutzutage hingegen meist aus der Region und nutze günstige Gelegenheiten, um Beute zu machen. „Oft handelt es sich um Beschaffungskriminalität. Die Täter sind drogen-, alkohol- oder spielsüchtig und daher aus auf schnelles Geld.“ Meist seien die Täter allein oder in kleinen Gruppen aktiv, um nicht mit mehreren Komplizen teilen zu müssen.
Was ist ihre bevorzugte Beute?
„Ganz klar: Bargeld und Goldschmuck, der sich leicht verticken lässt, um schnell Mittel für die Suchtbefriedigung zu bekommen.“ Auch wertvolle Münz- oder Uhrensammlungen stünden schon mal im Fokus der Täter. Technische Geräte, früher eine beliebte Beute, blieben jedoch meist unberührt, so die Erfahrung der Polizei. „Die meisten Hightech-Geräte sind heute durch Individualnummern identifizierbar und zudem oft mit GPS-Trackern ausgestattet. Daher ist den meisten Tätern, die ja oft schon polizeibekannt sind, das Risiko zu groß, damit in Verbindung gebracht und überführt zu werden. Finden sie kein Bargeld oder keinen Schmuck, verlassen Einbrecher zuweilen das Haus sogar ganz ohne Beute – und die Besitzer wundern sich, dass teures Hightech verschont wurde.“
Wann schlagen die Täter am liebsten zu?
In der dunklen Jahreszeit von Oktober bis März. „Und da meist morgens, wenn die Leute auf der Arbeit sind, oder zwischen 16 und 21 Uhr, wenn viele ihren Hobbys frönen.“ Nächtliche Einbrüche seien dagegen selten. „Denn da sind die Leute ja zu Hause.“ Die Täter wollten die Bewohner auf keinen Fall antreffen. Gewalt spiele bei Einbrüchen keine Rolle. „Nur in 0,4 Prozent der Fälle kommt es zu Gewalt“, stellt Busch klar. In der Regel dann, wenn die Einbrecher an der Flucht gehindert würden. „Die Täter sind nicht auf Gewalt aus. Diese erhöht das Strafmaß, sollten sie erwischt werden. Und da sie meist in irgendeiner Form süchtig sind, haben sie große Angst, gefasst zu werden. Daher sollte man bei einem Zusammentreffen niemals selbst aktiv werden und nur schnell die Polizei verständigen.“
Was ergibt sich aus diesem Täterprofil an Präventionsmaßnahmen?
„Bei der Sicherung des Hauses kommt es drauf an, die Schwachstellen zu erkennen und nachzurüsten. Oft sind es viele Kleinigkeiten, die dem Täter das Gefühl geben, nicht sicher vor Entdeckung zu sein“, nennt Patrick Busch die Leitlinie. Daher gelte es vor allem, dunkle Ecken auszuleuchten sowie Fenster, Türen und Terrassentüren gerade in diesen neuralgischen Bereichen gut zu sichern. Das Bundeskriminalamt empfehle für Einfamilienhäuser RC2-Fenster (Resistance class 2) mit Pilzkopf-Sicherung, abschließbarem Griff und dreifach verglaster Scheibe mit innenliegender Folie, die ein Durchschlagen der Scheibe und ein Durchgreifen verhindere. Eine günstige Alternative seien auch aufschraubbare Nachrüstbolzen, die den Fensterrahmen an mehreren Punkten vor einem Aufhebeln schützen. „Die meisten Einbrecher geben nach zwei bis drei Minuten auf.“ Handelsübliche Fenster seien hingegen bereits in 15 bis 30 Sekunden aufgehebelt. Auf dem Markt seien zudem abschließbare Griffe mit Alarmfunktion. Empfehlenswert in dunklen Ecken seien auch Rollläden mit Hochdrückschutz. „Durchgeschnittene Rollläden kommen so gut wie nicht mehr vor“, sagt der 43-Jährige.
Was ist mit dunklen, von Nachbarn nicht einsehbaren Ecken?
Busch empfiehlt für solche Bereiche Kameras mit Licht, Alarm und Ansprechfunktion, die aufs Handy aufgeschaltet werden können. „Sie leuchten bei Bewegung nicht nur den Bereich aus, sondern können auch einen schrillen Ton abgeben. Zudem kann man den Eindringling übers Handy direkt ansprechen.“ Viele solcher Kameras funktionierten mit Solarstrom und ohne Kabel. Sie sollten hoch genug aufgehängt werden, damit sie nicht demoliert werden können.
Was ist mit der Haustür?
Empfehlenswert seien Türen mit Sicherheitsschlüsseln, die ohne Berechtigungskarte nicht nachgemacht werden könnten. Doch wenn die Haustür von der Straße gut einsehbar und beleuchtet sei, versuchten die wenigsten Einbrecher hier einzudringen. Doch manche klingelten, um sicher zu sein, dass niemand daheim ist. Für diesen Fall rät Busch zu einer Video-Türklingel: Der Hausbesitzer könne übers Handy sehen, wer da klingelt und diesen auch ansprechen. Die Video-Türklingel gebe es auch mit aufladbarem Akku, sodass kein Stromkabel verlegt werden müsse.
Einbrecher kundschaften vor ihren Beutezügen häufig ihre potenziellen Opfer aus. Welche Rolle spielt dabei der Onlinedienst Google Street View?
Google Street View bietet Tätern mannigfaltige Möglichkeiten, ein Wohngebiet nach möglichst „einfachen“ Objekten auszukundschaften, sagt Busch und rät dazu, zu schauen, ob das eigene Haus auch über den Dienst per Internet einsehbar ist. „Wenn ja, kann der Hauseigentümer bei Google Street View unter ,Problem melden‘ mit wenigen Klicks einer Veröffentlichung seiner Daten widersprechen.“
Wo findet man Firmen, die sich mit der Sicherung von Häusern wirklich auskennen?
Das Landeskriminalamt (LKA) hat auf der Seite www.k-einbruch.de eine Liste mit Fachbetrieben, die vom LKA zertifiziert wurden.
Was sollte man auf keinen Fall tun?
Fenster gekippt lassen und Haustüren nicht abschließen. „Das sieht man an den Einbruchsspuren und es gilt bei den Versicherungen als grobe Fahrlässigkeit. Sie zahlen dann nicht“, weiß Busch und weist darauf hin, dass die Polizei verpflichtet sei, dies bei der Beweissicherung zu dokumentieren. Außerdem solle man Leitern wegschließen oder anketten, damit sie nicht als Aufstiegshilfe genutzt werden könnten. „Und natürlich möglichst wenig Bargeld im Hause horten.“
Und wenn es trotzdem zu einem Einbruch kommt?
„Dann ist es gut, der Polizei eine ausgefüllte Checkliste mit den Wertgegenständen aushändigen zu können“, rät Busch. Auch Fotografien der entwendeten Sachen können hilfreich sein. Die Liste findet sich zum Ausdrucken ebenfalls auf der Seite www.k-einbruch.de.
Können nur Einbruchsopfer die Beratung der Polizei in Anspruch nehmen?
„Nein, wir kommen zu jedem ins Haus, der Interesse hat und mit uns einen Termin vereinbart“, betont Patrick Busch. Der Polizeioberkommissar ist zusammen mit einem Kollegen für die ganze Westpfalz zuständig. Derzeit beträgt die Wartezeit auf einen Termin etwa vier Wochen. Die Beratung ist kostenlos. „Wir wollen nichts verkaufen und nennen auch keine Firmen, sondern geben nur ganz unverbindlich Tipps, was man alles machen kann“, betont er seine Unabhängigkeit von Unternehmen und räumt ein, dass das Aufrüsten durchaus ins Geld gehen könne. „Man muss sein Haus ja aber nicht gleich zu Fort Knox machen“, wirbt er dafür, wenigstens die Schwachpunkte besser zu sichern. „Das Schlechteste, was man machen kann, ist gar nichts zu machen.“
Info
Ein Termin mit den Einbruchsberatern kann beim Polizeipräsidium Westpfalz unter Telefon 0631 369 111 52 oder 369 111 57 sowie per E-Mail an ppwestpfalz.zentralepraevention@polizei.rlp.de
vereinbart werden.