Katzweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Pfälzerin die Dorfmühle Katzweiler wiederbeleben will

Die sanierungsbedürftige Dorfmühle in Katzweiler soll ein Projekt im „Achtsamland“ von Claudia Rhein werden. Der Bereich mit der
Die sanierungsbedürftige Dorfmühle in Katzweiler soll ein Projekt im »Achtsamland« von Claudia Rhein werden. Der Bereich mit der Mühlentechnik ist besonders marode.

Der alten Dorfmühle in Katzweiler könnte ein zweites Leben geschenkt werden. Die Gemeinschaft „Achtsamland“ möchte sie sanieren und nutzen. Noch fehlen Kapitalgeber.

Seit vielen Jahren schlummert die alte Dorfmühle in Katzweiler in einem Dornröschenschlaf. Bis März 1994 hatte sie der letzte Müller, Bauer Paul Henn, noch zum Schroten von Hafer und Gerste genutzt. Der Landwirt gab dann bald seinen Hof mit Kühen, Schweinen und Hühnern auf, 2011 starb er. Seine Ehefrau Elfriede wohnte noch bis September 2023 in der Mühle. Jetzt will die Familie, die seit 1756 Eigentümerin ist, den sanierungsbedürftigen Gebäudekomplex einschließlich sechs Hektar Wiese drumherum verkaufen. Der erste Interessent sei wieder abgesprungen, nachdem er sich mit den Denkmalschützern nicht habe einigen können, erzählt Klaus Henn, der Sohn von Paul und Elfriede Henn.

Davon hat Claudia Rhein im Spätsommer 2025 Wind bekommen. Die Selfmade-Frau sieht keine Probleme mit den Behörden. Sie will das historische Anwesen mit dem imposanten Wasserrad, das mit einem Durchmesser von 8,40 Metern laut Henn das größte der Pfalz ist, sanft wieder zum Leben erwecken. Errichtet wurde die Mühle im Jahr 1681 an einer Stelle, an der schon seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts welche standen. In dem Dorf soll sie nach Rheins Vorstellung „ein Ort werden, an dem Arbeit, Natur und Würde zusammengehören“, ein Anlaufpunkt für Wanderer und Radler. Sie ist bereits eine Station auf dem Mühlenrundwanderweg zwischen Pfeifermühle und Katzweiler.

Das Wasserrad der Dorfmühle Katzweiler ist laut Claudia Rhein das größte der Pfalz.
Das Wasserrad der Dorfmühle Katzweiler ist laut Claudia Rhein das größte der Pfalz.

Vor rund zehn Jahren hat die gebürtige Ludwigshafenerin, die heute in Löllbach im Landkreis Bad Kreuznach lebt, die Projektgemeinschaft „Achtsamland“ aus der Taufe gehoben. Es handelt sich um ein Konzept für regionale Wertschöpfung, das ökologische Landwirtschaft mit naturverbundenem und friedlichem Miteinander in einer christlich verwurzelten Wertegemeinschaft vereint.

Rhein erklärt, sie wolle damit dem Trend der schnelllebigen Gesellschaft und dem Streben nach Superlativen ein Projekt mit gesunder, nachhaltiger Entwicklung entgegensetzen – mit dem Ziel der Unabhängigkeit. Solches werde gerade in Zeiten von Kriegen, Demokratiezerstörung und Wirtschaftsflauten immer wichtiger.

Laufendes Projekt: Aufbau eines Hofs mit Käserei

Am Welschrötherhof, gelegen im Kirner Land, baut die zweifache Mutter und dreifache Oma gerade eine Käserei auf. „Im September wird sie fertig sein“, zeigt sie sich zuversichtlich. Jersey-Kühe und Ziegen sollen die Milch geben. Der Hof liegt rund 13 Kilometer von Meisenheim entfernt. Rhein hat ihn vor etwa zwei Jahren gekauft. Dort könnten auch Seminare abgehalten werden, bei denen unter anderem das Wissen Hildegards von Bingen vermittelt wird, erzählt sie.

Zwei Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Saniert und umgebaut wird die Immobilie mit Freiwilligen. „Wir bieten Workshops inklusive Verpflegung an, bei denen die Teilnehmer jede Menge lernen und sich ausprobieren können. Gemeinsam wird gestaltet – und das macht allen großen Spaß“, erzählt die 59-Jährige. Die Leute – auch Senioren sind darunter – werden über Plattformen wie „Work and Travel“ oder „Wwoof“ gefunden. Bezahlt werde lediglich der anleitende Handwerker, erklärt Rhein. Eine enge Zusammenarbeit bestehe mit Waldemar Eider, einem Experten für Lehmbau.

Große Schäden an der Mühle in Katzweiler

Sehr viel zu tun ist in der Dorfmühle Katzweiler, wo das nächste Standbein im „Achtsamland“ entwickelt werden soll. Das Dach ist zerstört. Klaus Henn erzählt, dass im März 2024 eine riesige Eiche darauf gekracht ist. Es ist bis heute nur notdürftig mit einer Plane abgedeckt. Der darunter liegende Bereich mit der Mühlentechnik ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Je länger dieser Zustand mit eindringender Feuchtigkeit noch anhalte, desto aufwendiger werde die Sanierung. Das Wohnhaus muss laut Rhein entkernt werden. Die Elektrik, die Wasserleitungen und der Kanal müssen erneuert werden.

Zur Dorfmühle Katzweiler gehören sechs Hektar Grünland und verschiedene Gebäude dazu.
Zur Dorfmühle Katzweiler gehören sechs Hektar Grünland und verschiedene Gebäude dazu.

Eine Photovoltaikanlage und eine Wärmepumpe sollen installiert werden. Geplant ist ein Biohof mit zehn Arbeitsplätzen in Stall und im Hofladen, in der Weiterverarbeitung von angeliefertem Fisch und Gemüse sowie in einer Molkerei. Entstehen sollen auch Wohn- und Veranstaltungsräume sowie ein Café. Acht Ferienappartements von jeweils 20 bis 30 Quadratmetern sollen eingerichtet werden.

„Auf Fördergelder wollen wir nicht setzen“

„Wir haben einen Wirtschaftsplan geschrieben. Die Mühle wird sich selbst tragen“, ist die 59-Jährige überzeugt. Als Mitstreiter nennt sie Mathias Braun, der als Projektmanager tätig ist, den Fischwirt Ralf Schöndorf und Achim Stillert, der im Bereich Resonanz-Marketing selbstständig ist. Sie selbst habe sich autodidaktisch alles beigebracht, was sie zum Führen eines Bio-Hofes benötige, sagt Rhein. Auch im Lehmbau sei sie fit.

Bei zwei Infoveranstaltungen hat sie nach eigenen Angaben etwa zehn Unterstützer für ihre Ideen gefunden – allerdings keine, die sich mit viel Geld beteiligen können oder wollen. „Viele gucken erst einmal, ob es klappt“, weiß sie. Mit Idealisten allein könne das Großprojekt allerdings nicht gestemmt werden. Deshalb sucht Rhein Menschen, die bereit sind, gegen entsprechende Rendite Kapital zu geben. Ziel sei es, 50 Prozent an Eigenmitteln zusammenzubekommen, bevor ein Kredit aufgenommen wird, um die Dorfmühle zu kaufen. Deshalb sind zwei Info-Termine im Juni geplant.

Betriebs- und Immobiliengesellschaften sollen gegründet werden. „Auf Fördergelder wollen wir nicht setzen“, betont Rhein. Vielmehr will sie auf ein Netzwerk und Partner setzen. Rhein ist selbst Vorsitzende des Vereins „Lebe einfach“ und Geschäftsführerin der E.I.L.A.-Stiftung – die Abkürzung steht für European Innovations Life Academy. „Ich glaube an die Kraft der Gemeinschaft“, bekräftigt sie.

Termine

Interessierte Kapitalgeber aus der Region können sich über die Projektidee informieren in der Dorfmühle Katzweiler, Bachstraße 22, am Freitag, 12. Juni, 15 Uhr, und am Mittwoch, 17. Juni, 18 Uhr. Nähere Infos gibt es im Netz unter achtsamland.de.

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