Enkenbach-Alsenborn
Wie Datenspürhunde bei der Polizeiarbeit helfen
Zwei schwarze Ledersofas, ein kleiner Couchtisch, Stereoanlage und Schrank. Kein Teppich, keine Kissen oder Deko, dafür mehrere Kameras oben an den Wänden: So sieht ein „Wohnzimmer“ im Schieß- und Einsatzzentrum der Polizeischule Enkenbach-Alsenborn aus. Hier trainiert Hundeführerin Carmen Wohde mit dem fünfjährigen Malinois-Mix Jack einen Einsatz. Das Tier soll die in dem Raum zuvor versteckten Datenträger finden.
Bevor es losgeht, hat Wohde dem Tier ein Halsband angezogen. „Das ist das Signal für ihn, dass die Arbeit beginnt“, erläutert die Polizistin. Auf ihren Befehl hin sucht der Hund jeden Winkel des Zimmers ab und wedelt dabei eifrig mit dem Schwanz. Ein Zeigestock dient der Hundeführerin dabei als eine verlängerte Hand, erklärt Alexandra Jakel, Ausbildungsleiterin der zentralen Diensthundeausbildung der Polizeischule. Wohde zeigt dem Vierbeiner, wo er suchen soll. Wird Jack den in der Sofaritze verstecken USB-Stick finden?
Wird der Hund fündig, „friert er ein“.
Er findet ihn und auch das Minitelefon, das im Schrank versteckt ist. Hat das Tier den Geruch des Datenträgers aufgenommen, „friert es ein“, so der Fachbegriff. Tatsächlich bleibt Jack sekundenlang absolut reglos vor der Schranktür, hinter dem ein winziges Mobiltelefon liegt, stehen. Letzteres werde bevorzugt in Haftanstalten benutzt, weil es sich wegen seiner geringen Größe dort gut verstecken ließe, so Jakel. Hundeführerin Wohde drückt auf einen Clicker: Das schnalzende Geräusch ist für die Spürnase die Rückmeldung dafür, dass er den Gegenstand gefunden hat und sein Job damit erledigt ist. Jack löst sich aus seiner Erstarrung. Sofort gibt es für ihn seine Belohnung, sein Lieblingsspielzeug, eine Leder-Wurst, mit der er freudig herumspringt. Trainiert werde zu Beginn mit Rohlingen, damit die Tiere den Geruch nicht mit den Plastikteilen, die an Handy und Computer sind, verwechselten, so Jakel.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung nutzen auch Straftäter immer häufiger Notebooks, Mobiltelefone, USB-Sticks oder Speicherkarten, um mitunter schwere Straftaten damit zu begehen, so der rheinland-pfälzische Innenminister Michael Ebling (SPD), der das Projekt am Dienstagnachmittag an der Polizeischule vorstellt. „Bei Durchsuchungen spürten unsere Hunde schon in mehreren Fällen Datenträger mit wichtigem Beweismaterial auf, die sonst nicht gefunden worden wären.“ Weil das Pilotprojekt somit ein „voller Erfolg“ sei, sollen noch weitere fünf Datenträgerspürhunde ausgebildet werden, kündigt der Minister an. Das Diensthundewesen sei weiterentwickelt worden, zuständig für die Aus- und Fortbildung der Hunde ist laut Innenministerium künftig die Hochschule der Polizei. Das Wohl des Tieres habe dabei eine zentrale Bedeutung. Neben dem Ausbildungsstandort Enkenbach-Alsenborn wurde ein zweiter in Wittlich-Wengerohr eröffnet.
Verspielte Tiere sind besonders geeignet
Im Gegensatz zur Bundeswehr und zu anderen Bundesländern züchtet die Polizei Rheinland-Pfalz keine eigenen Diensthunde, informiert der Oliver Marzlin, der für die Ausbildung der Polizeihunde zuständig ist. Geeignet seien Tiere, die gerne spielten, eigene Motivation mitbrächten, aber auch ihre Impulse kontrollieren könnten. Das zeigt sich auch bei einer Übung, die Polizei-Hundeführer Jörg Rodermund mit seinem belgischen Schäferhund Leon durchführt. Im freien Gelände stellt der neunjährige Rüde eine flüchtige Person, die von einem Helfer in Schutzkleidung und einem sogenannten Hetzarm dargestellt wird. „Er darf nicht beißen, sondern soll sich und seinen Hundeführer schützen“, erklärt Marzlin, was von dem Tier erwartet wird.
Nicht zuletzt seien alle Diensthunde der Polizei Rheinland Pfalz nicht nur Spürhunde, sondern auch zu Schutz- und Fährtenhunden ausgebildet, unterstreicht Ebling, dass die Tiere eine duale Ausbildung durchlaufen. „Sie sind bei Einsätzen mit gewaltbereiten Personen eine wertvolle Unterstützung: Sie wirkten deeskalierend, bringen Störer unter Kontrolle und spüren versteckte Täter auf.“