Otterberg
Waldbrandbekämpfung in Rheinland-Pfalz: Getestet wird in Otterberg
Fünf Tage lang sind über 200 Feuerwehrleute im Einsatz, 2,8 Hektar, also 28.000 Quadratmeter brennen, davon 18.000 Quadratmeter Wald, die zerstört oder schwer geschädigt werden. Der Waldbrand am Hambacher Schloss 2022 ist der bis dahin größte in Rheinland-Pfalz. Auch wenn Brände dieser Art in der Region noch eine Ausnahme sind, zeigen die Prognosen, dass die Gefahr durch die fortschreitende Klimakrise und die dadurch zunehmende Trockenheit in Zukunft ansteigen wird. „Dafür wollen wir uns wappnen, denn unsere Wälder sind schützenswert“, sagt Tobias Adam, Leiter des Forstamts Otterberg. Auf dem Weg dorthin soll sein Forstamt eine ganz besondere Rolle spielen. Als „Reallabor“ soll in Otterberg, zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, ausprobiert und getestet werden, was gerade im Projekt Witafff entwickelt wird. Mit vollem Namen heißt das im Januar gestartete Projekt: Wissenstransfer durch Aus- und Fortbildung für Forst und Feuerwehr, was auch schon den Kern der Sache beschreibt.
Länderübergreifend arbeiten
Ziel soll es sein, zu ermitteln, wie Wissen zu Waldbränden – zur Prävention und Bekämpfung – bestmöglich an Feuerwehrleute und Forstpersonal weitergegeben werden kann. Während des Projektzeitraums, der bis mindestens September 2027 angesetzt ist, sollen Workshops, Übungen und Seminare entwickelt werden. Außerdem gehe es darum, beide Instanzen noch besser miteinander zu verzahnen. Beispielsweise sollen beide Akteure lernen, wie der jeweils andere organisiert ist. „Auch, dass man sich schon mal gesehen hat und kennt, bevor man in der angespannten Atmosphäre eines Einsatzes zusammentrifft“, beschreibt Steffen Hartig, der bei Landesforsten Rheinland-Pfalz für das Projekt zuständig ist, eines der Ziele.
Insgesamt sind es drei Partner mit jeweils eigenem Schwerpunkt, die bei Witafff zusammenarbeiten. „Das Schöne ist, dass wir nicht bei Null anfangen müssen“, so Adam. Als Grundlage dient ihnen unter anderem die Wissenssammlung auf der Website vegetationsbraende.de, deren Inhalte von den anderen beiden Witafff-Projektpartnern zusammengetragen wurden. Einer davon ist die Feuerwehr Frankfurt am Main, die ihre Expertise im praktischen Umgang mit Waldbränden mitbringt und ein Konzept für die Fortbildung der Feuerwehrleute entwickeln soll. Komplettiert wird das Team durch die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg, die innerhalb des Projekts für die Entwicklung von Inhalten für das Studium und die Ausbildung im Bereich Forstwirtschaft zuständig ist. „Wir arbeiten hier länderübergreifend zusammen, diese Schwarmintelligenz nutzen zu können, ist toll“, sagt Adam.
Übungen mit Feuerwehr und Forstamt
Zusammengetragen werden die Erkenntnisse von Feuerwehr und Hochschule jetzt im Forstamt Otterberg, wo die Ausbildungskonzepte getestet werden sollen. „Die Region hier ist repräsentativ für Rheinland-Pfalz“, sagt Adam, auf die Wälder rund um Otterberg bezogen. Zunächst solle in mehreren Schritten unter Einbezug der Mitarbeiter von Forst und Feuerwehr durch Umfragen und Workshops der Aus- und Weiterbildungsbedarf ermittelt werden. „Im letzten Schritt wollen wir die Module dann in die Praxis bekommen und sie ausprobieren“, sagt Hartig. Bei der Feuerwehr könnte das zum Beispiel eine Übung sein, bei der es darum geht, schnell zu einem bestimmten Punkt im Wald zu kommen und sich dort zu orientieren. Für den Forst sind beispielsweise Themen relevant wie die Frage, wie die Zufahrt zu einem Löschwasserreservoir aussehen muss, damit die Feuerwehr es gut anfahren kann.
Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Ergebnisse werden unter anderem an das erst 2025 gegründete rheinland-pfälzische Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz in Koblenz und an das Waldbildungszentrum in Hachenburg weitergegeben. Ziel ist es, die erarbeiteten Ausbildungsformate künftig landesweit in Forstämtern und Feuerwehren zu nutzen.
Die Auftaktveranstaltung zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg ist für den 20. April geplant.
