Landtagswahl
Wahlkreis Kaiserslautern-Land: AfD im Aufwind, SPD im Sinkflug
Die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl lag im Wahlkreis (WK) 46, der die Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Ramstein-Miesenbach, Weilerbach und Landstuhl umfasst, mit 68,5 Prozent um drei Prozentpunkte höher als bei den Wahlen vor fünf Jahren. Mit 88,3 Prozent war die Wahlbeteiligung in Gerhardsbrunn, der kleinsten Kreisgemeinde, am höchsten. Die CDU fuhr dort mit 38,1 Prozent zugleich ihren höchsten Zweitstimmenanteil ein. Auf Platz zwei liegt Oberarnbach mit einer Wahlbeteiligung von 85,4 Prozent, wo ebenfalls die CDU bei den Landesstimmen die stärkste Kraft ist.
Insgesamt kam die CDU am Sonntag auf 30,2 Prozent und konnte bei den Zweitstimmen einen leichten Zugewinn von 1,4 Punkten verbuchen. Ebenso wie ihr Kandidat Marcus Klein, der 2021 mit 34,3 Prozent ins Mainzer Landesparlament gewählt worden war und sich nun mit 35 Prozent wieder das Direktmandat im Wahlkreis Kaiserslautern-Land sicherte. Wie die Partei holte auch Klein sein bestes Ergebnis in Gerhardsbrunn: 42,3 Prozent der Wähler gaben ihm dort ihre Stimme. Über 40 Prozent bekam der Steinwendener außerdem in Landstuhl, Niedermohr, Bann, Kottweiler-Schwanden und Queidersbach.
AfD wird zweitstärkste Kraft
Die höchsten Zugewinne bei der Landtagswahl hatte die Afd: Sie legte im Wahlkreis 46 bei den Zweitstimmen gegenüber dem Urnengang von 2021 um 15 Prozentpunkte zu und kam auf 25,8 Prozent. Damit wurde sie in Kaiserslautern-Land zweitstärkste Kraft. Blickt man auf die Einzelergebnisse in den vier Verbandsgemeinden des Wahlkreises, ist ihr dies in der VG Bruchmühlbach-Miesau (26,7 Prozent), der VG Ramstein-Miesenbach (26,1 Prozent) und der VG Landstuhl (26,3 Prozent) gelungen; lediglich in der VG Weilerbach reichte es nur für Platz drei (24,3 Prozent).
Stärkste Kraft auf Ortsgemeindeebene wurde die AfD zwar nur in zwei Kommunen: den beschaulichen Dörfern Langwieden (35,5 Prozent) und Mittelbrunn (32,8 Prozent). Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass etliche weitere Kommunen sehr nahe dran waren, sich auf den Seiten des Landeswahlleiters ebenfalls blau zu färben: In der Ortsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau lag die AfD mit 28,2 Prozent nur knapp hinter der SPD (29,6), mit 28,6 Prozent in Hauptstuhl knapp hinter der CDU (29,3), um nur zwei Beispiele zu nennen. Fast 30 Prozent der Wähler gaben der Alternative für Deutschland auch in der Sickingenstadt Landstuhl ihre Stimme. Weniger als 20 Prozent hatte sie lediglich in Lambsborn (17,0), Gerhardsbrunn (13,3) und Oberarnbach (14,9).
Auch der AfD-Direktkandidat profitiert
Die blaue Welle der Wählergunst kam auch Sven Simer zugute, der weder aus dem Landkreis stammt noch je politisch dort in Erscheinung getreten ist: Hatte der Afd-Kandidat Attila Sonal, der wie Simer in Kaiserslautern lebt, 2021 lediglich 9,6 Prozent erreicht, so gaben nun insgesamt 23,8 Prozent dem AfD-Bewerber aus Erfenbach ihre Stimme. In der VG Ramstein-Miesenbach kam Simer mit 23,0 Prozent auf Rang zwei, ebenso in der VG Landstuhl (24,6 Prozent). In der VG Bruchmühlbach-Miesau und der VG Weilerbach belegte er jeweils den dritten Platz, aber ebenfalls mit 25,8 und 22 Prozent. Sein bestes Einzelergebnis erzielte Simer mit 35,4 Prozent in Langwieden. Das war zugleich auch die einzige Ortsgemeinde, in der es der AfD-Mann bei den Direktkandidaten auf Platz eins schaffte. Auffällig ist, dass die allermeisten Wähler, die bei der Zweitstimme die AfD ankreuzten, vermutlich zugleich auch den Newcomer Simer als Direktkandidaten unterstützten.
Hohe Verluste bei der SPD
Aus welchem Wählerreservoir hat die AfD geschöpft? Das ist letztlich schwer zu sagen, aber vieles spricht für die SPD. Für sie war die Landtagswahl ein Debakel: 2021 hatten die Genossen im Wahlkreis Kaiserslautern-Land noch mit 36,7 Prozent der Stimmen klar die Nase vorn vor CDU (28,8) und AfD (10,8). Jetzt stürzten sie auf 24,9 Prozent ab – ein Minus von 11,8 Prozent. Die höchste Zustimmung gab es in den eher roten Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau und Weilerbach, wo sie auf 29,8 und 29,5 Prozent der Stimmen kamen. In der VG Landstuhl setzten 22,2 Prozent ihr Kreuz bei der SPD, in der VG Ramstein-Miesenbach 22,3 Prozent. Doch in allen vier Verbandsgemeinden waren die Verluste im Vergleich zu 2021 enorm und lagen zwischen 10,6 Prozent (Bruchmühlbach-Miesau ) und 12,7 Prozent (Weilerbach).
Den Schwund der Wählergunst bekam auch SPD- Direktkandidat Daniel Schäffner schmerzhaft zu spüren: Er schaffte es in den Verbandsgemeinden Weilerbach (34,4) und Bruchmühlbach-Miesau (32,6) zwar auf Platz eins, wurde aber letztlich von der deutlich höheren Zustimmung für Marcus Klein in dessen Hochburgen überflügelt. Sein bestes Ergebnis erzielte Schäffner im roten Lambsborn mit 45,6 Prozent, dicht gefolgt von seiner Heimatgemeinde Mackenbach, wo ihm 41,5 Prozent der Wähler ihre Stimme gaben.
Ebenfalls zu den Wahlverlierern gehören die Freien Wähler (FW), die um 1,6 Punkte auf 4,9 Prozent absanken. Ihr Direktkandidat „Bauer Bernd“ Schellhaas erhielt 7,1 Prozent und damit deutlich weniger Stimmen als Landwirt David Nau, der 2021 als Bewerber noch 11,9 Prozent erzielen konnte.
FDP hinter Tierschutzpartei
Die FDP ist im WK 46 weit abgeschlagen: Vor fünf Jahren konnten die Liberalen bei den Landesstimmen immerhin noch 3,8 Prozent erringen. Jetzt rutschten sie um 2,4 Prozentpunkte ab. Mit 1,4 Prozent reiht sich die FDP nun in die Riege der Kleinstparteien ein und liegt im WK 46 hinter der Tierschutzpartei, die 1,7 Prozent bekam. In keiner Gemeinde kam die FDP bei der Zweitstimme über zwei Prozent, außer in Lambsborn und in Eulenbis (2,4). Der Direktkandidat der FDP, Moritz Neumann, wohnt in Lambsborn und konnte dort seinen Heimvorteil nutzen: Dort erzielte die FDP 3,3 Prozent der Landesstimmen. Für Neumann votierten 5,8 Prozent. Ihr schlechtestes Ergebnis erzielte die Partei in Erzenhausen mit 0,7 Prozent für die Landesstimme und 0,5 Prozent für die Wahlkreisstimme und in Oberarnbach. Dort kam die FDP jeweils auf 0,7 Prozent bei Erst- und Zweitstimme.
Ginge es nach den Wählern im WK 46, dann hätten auch die Grünen den Einzug in den Landtag verpasst: Nur 4,8 Prozent gaben der Partei ihre Stimme. Einen eigenen Kandidaten hatten sie nicht aufgestellt.