Queidersbach
Versteckte Kunst auf der Sickinger Höhe: Die „Bankhäuser“ von Claus Bury
Wer auf der L472 oberhalb von Queidersbach Richtung Weselberg fährt, sieht rechter Hand mitten im Feld plötzlich seltsame Giebel aufragen. Ein verlassenes Gehöft, die Ruine einer Scheune? Mitnichten: Es ist Kunst. Hier auf dem Plateau des Haselbergs hat der Frankfurter Bildhauer Claus Bury 2018 – inspiriert von den Türmen der Finanzwelt in seiner Heimatstadt – mitten im Nichts seine vier „Bankhäuser“ errichtet, die zwar nur wenige Meter lang sind, aber dennoch wie ein archaisches Monument für die Ewigkeit wirken.
Bury wurde bekannt durch seine imposanten architektonischen Skulpturen im öffentlichen Raum. Sein bisher größtes Werk ist der 81 Meter lange und 28 Meter hohe Bitterfelder Bogen, eine Stahlskulptur, die als Aussichtsplattform dient.
60 Tonnen Sandstein aus dem Schweinstal
Sein Kunstwerk auf dem Queidersbacher Haselberg fällt freilich ungleich kleiner aus. Doch es waren immerhin insgesamt 60 Tonnen Sandstein aus dem Schweinstaler Steinbruch Picard, aus denen der Künstler vier mächtige Steinbänke mit dreieckigen Rückenlehnen gefertigt hat. Die Lehnen, die an Hausgiebel erinnern, haben unterhalb der Spitze ein Loch, das das kindliche Gemüt zum Hindurchschauen animiert. Ausgerichtet nach den Himmelsrichtungen stehen die „Bankhäuser“ im Geviert und bilden so eine Art kleinen Innenhof, in dem man sich gegenüber sitzen kann. Zugleich haben sie aber auch auf ihrer Rückseite eine Sitzfläche. Von hier kann der Besucher einen 360-Grad-Rundumblick über die herrlichen Weiten der Sickinger Höhe genießen, die nur von den riesigen Windrädern am Horizont unterbrochen werden. Nachts hat der fast mystische Ort mitten auf der grünen Wiese bestimmt einen ganz besonderen Zauber, denn hier fühlt man sich dem (Sternen-)Himmel ganz nah.
Kein Schild weist auf das Kunstwerk hin
Doch der Platz ist nur etwas für Eingeweihte. Die meisten Autofahrer werden wohl achtlos daran vorbeifahren. Oder sie bemerken zwar die seltsamen Giebel, wissen aber nichts damit anzufangen. Denn nirgends weist eine Tafel auf das Werk des bekannten Künstlers hin. Zwar gibt es an der Landesstraße von Queidersbach nach Weselberg, gleich oben am Rand der Sickinger Höhe, einen kleinen Parkplatz. Doch die Schilder dort betreffen nur den Radweg, der hier vorbeiführt. Wer die „Bankhäuser“ aus der Nähe sehen möchte, muss sich den Weg dahin selbst suchen – was gar nicht so leicht ist, da diese vom Parkplatz aus nicht zu sehen sind.
Über Feldwege tasten wir uns an sie heran. Doch das letzte Stück geht nur noch querfeldein: bei trockenem Wetter kein Problem, festes Schuhwerk vorausgesetzt. Aber bei Regen wartet auf den Wanderer eine Rutschpartie durchs aufgeweichte, schlammige Erdreich. Danach sollte man angesichts verspritzter Hosenbeine nicht mehr allzu viel vorhaben.
Was die Ortsgemeinde plant
Doch warum gibt es fast sieben Jahre nach Einweihung des Kunstwerks weder eine Beschilderung noch einen Weg, der ganz hinauf zu diesem schönen Plätzchen führt und dem interessierten Wanderer unabhängig vom Wetter einen schönen Spaziergang ohne Schlammschlacht ermöglicht? Das hat die RHEINPFALZ nach ihrem Ausflug auf den Haselberg den Ortsbürgermeister der „staatlich anerkannten Touristikgemeinde“ Queidersbach gefragt (die die „Bankhäuser“ des bekannten Künstlers bislang auch nicht auf ihrer Homepage erwähnt). Gemeindeoberhaupt Harald Vierling gibt sogleich zu, „dass eine bessere Vermarktung durchaus angebracht wäre“. „Natürlich ist es sehr unglücklich, dass der Weg immer noch nicht ausgezeichnet ist.“ Aber auf der Sickinger Höhe gebe es „viele kleine Parzellen mit entsprechend vielen Eigentümern“, erklärt er.
Doch Harald Vierling macht zugleich Hoffnung, dass sich bald etwas ändert: „Im Rahmen der Auszeichnung unserer drei Rundwanderwege – dem historischen Waldmühltal-Weg, dem Panorama-Weg sowie dem Gabelsbach-Sickinger-Höhe-Weg – soll endlich auch der Weg zu den Bankhäusern auf dem Haselberg ausgewiesen werden.“ Der insgesamt rund 800 Meter lange, offizielle Weg zu dem Skulpturen-Ensemble verläuft nach Vierlings Angaben vom Parkplatz an der Landesstraße bergauf „etwa 90 Meter in nordwestlicher Richtung, von dort 90 Grad nach links etwa 400 Meter in südwestlicher Richtung, nun 90 Grad nach rechts etwa 120 Meter in nordwestlicher Richtung, dann 90 Grad nach links. Und nach weiteren 170 Metern in südwestlicher Richtung hat man dann die Bankhäuser erreicht.“
Wem das zu kompliziert ist, wartet am besten die Beschilderung ab.
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