Bruchmühlbach-Miesau
Torben Wagner engagiert sich in der V-Partei3 für Tierwohl und Klimaschutz
Mit einer Katzenmama und ihrem Kitten, also ihrem Jungen, fing alles an. „Die beiden sind uns zugelaufen und gehören seither zur Familie“, erzählt Torben Wagner, der mit seinem Partner in Miesau lebt. Schon zeitlebens habe er alle Tiere gemocht. „Vielleicht mit Ausnahme von Spinnen“, fügt der 45-Jährige augenzwinkernd hinzu. „Aber als Freya und ihre Tochter Loki bei uns eingezogen sind, hat das nochmal was verändert.“ Er habe angefangen, über den Unterschied zwischen Haus- und Nutztieren nachzudenken – und keinen gefunden. Daher zog der Jurist, der bei einem Arbeitgeberverband in Saarbrücken arbeitet, seine Konsequenzen, gab Schnitzel und Steak auf und wurde Vegetarier. „Inzwischen bin ich Veganer, weil auch hinter Milch und Eiern großes Tierleid steckt und ich das mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren konnte.“
Abschied von den Grünen
Doch die Umstellung im Privaten war Torben Wagner nicht genug, er wollte auch politisch etwas tun, um nachhaltig Verbesserungen für Tier und Umwelt zu bewirken. Von Haus aus Grüner – ein Jahr lang führte er sogar einst den Lauterer Kreisverband –, begann sich der Miesauer über deren Ziele hinaus zu orientieren und suchte eine neue politische Heimat. „Bei der Europawahl habe ich den Wahlomat benutzt und habe danach zum allerersten Mal V-Partei3 gewählt.“ Wie 0,1 Prozent der Europäer. „Das Ergebnis war schon etwas enttäuschend“, räumt er verschmitzt grinsend ein.
Zunächst blieb Wagner daraufhin erstmal weiter den Grünen treu. „Doch als man sich im Mainzer Landtag auch in der grünen Fraktion über die von den Freien Wählern vorgeschlagene Katzenschutzverordnung samt Kastrationspflicht für Katzen mit Miau-Rufen lustig gemacht hat, habe ich mich endgültig verabschiedet und bin in die V-Partei3 eingetreten.“
V-Partei3? Wagner lacht. „Ja, die wenigsten können mit dem Namen was anfangen – aber das möchte ich ändern, denn ich denke, dass wir mit unserem Programm all jenen eine politische Heimat geben, die bei anderen Parteien wichtige wertorientierte Inhalte vermissen, die wir gerade als lobbyunabhängige Partei deutlich ansprechen.“
Ganzheitliches Leitbild
Die Gruppierung gibt es schon fast zehn Jahre: Bei einer Veggie-Messe sei die „Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer“ 2016 gegründet worden. Inzwischen hätten sich die drei Vs aber geändert, weil sich die Partei thematisch breiter aufgestellt habe: „Veränderung, Vielfalt, Vegan – Wir lieben das Leben“ sei heute das Motto, das für ein ganzheitliches Leitbild stehe. Dabei gehe es um die globalen Zusammenhänge und Auswirkungen des Wachstums, des Konsums und Essverhaltens. „Unsere Partei will die Ursachen und Wirkungen vieler menschengemachter Probleme deutlich machen und zu Veränderungen in Gesellschaft und Politik beitragen.“ Es gehe darum, die Menschen als Verbraucher zu schützen, Tiere zu achten, Klima und Natur zu erhalten und die Ursachen von Hunger, Krieg und Flucht auf der Welt zu erkennen und zu beseitigen. „Wir setzen uns für eine Agrarwende ein, die Tierleid beendet, die Umwelt schützt und gesunde Ernährung fördert“, sagt er.
Torben Wagner ist seit Herbst 2024 Landesvorsitzender der V-Partei3 und möchte mit einer eigenen Liste bei der Landtagswahl 2026 antreten. Auch wenn er erst wenige Mitstreiter hat (die Partei hat 48 Mitglieder), sieht der Miesauer durchaus Wählerpotenzial: „Zwei Prozent der Bevölkerung sind Veganer, zehn Prozent Vegetarier und immerhin 30 Prozent Flexitarier, die ihren Fleischkonsum zurückgefahren haben.“ Gerade die Veganer würden politisch bislang nicht vertreten. Auch jenseits dieser Gruppe zeigten Skandale der Fleischindustrie, dass Tierleid viele Menschen tief bewege, glaubt Wagner, dass die Partei durchaus auf Interesse stoßen könnte. „Jetzt müssen wir in einem ersten Schritt allerdings erst einmal bekannter werden.“ Denn für die Landtagswahl gelte es, bis Januar 2026 immerhin 2080 Unterschriften zu sammeln, um als Liste bei der Wahl überhaupt zugelassen zu werden.
Für weniger Fleisch
Mit Blick auf den neuen Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der von Beruf Metzgermeister ist, sieht sich Wagner bestätigt, dass es Gruppierungen wie der V-Partei3 bedürfe: „Laut einem Bericht des ,Spiegel‘ hält Rainer sinkende Fleischpreise für möglich und lehnt eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch, wie von seinem grünen Vorgänger Cem Özdemir vorgeschlagen, ab. Diese Haltung ignoriert die dringende Notwendigkeit, den Fleischkonsum zu reduzieren und die Tierhaltung nachhaltiger zu gestalten“, findet Wagner.
Er sei kein Dogmatiker, der die Moralkeule schwinge, betont der 45-Jährige. „Mit Zwang erreicht man nichts. Ich will die Menschen vielmehr überzeugen.“ Jeder müsse aber für sich entscheiden: „Ich empfinde meine vegane Lebensweise nicht als Verzicht. Im Gegenteil, es hat mir gut getan.“ Sein Lebensgefährte esse dagegen noch immer Fleisch, fügt er an. „Und unsere beiden Katzen sowieso.“