Hütschenhausen
Streng geschützter Rotmilan abgeschossen?
Entdeckt wurde der tote Vogel am Freitag von einem Anwohner in einem Garten in der Landstuhler Straße, teilt der frühere Landrat Paul Junker im Auftrag der Ortsgemeinde mit. „Der Rotmilan wurde vermutlich im Flug erschossen. Und das offenkundig mitten in der Ortslage.“ Ortsbürgermeister Matthias Mahl habe daraufhin die Untere Naturschutzbehörde informiert, denn „der Rotmilan ist wirklich sehr, sehr selten“.
Dass es sich tatsächlich um ein Exemplar dieser streng geschützten Art handelte, bestätigte der von der Naturschutzbehörde hinzugezogene Ornithologe des Naturschutzbunds (Nabu), Alexander Weis aus Bruchmühlbach-Miesau. Und er sah sich den Kadaver auch eingehend an: „Der tote Vogel hatte im Nacken ein etwa 1,5 Zentimeter großes Einschussloch. Dass das Projektil den Körper komplett durchschlagen hat, sah man erst, wenn man den Vogel umdrehte“, berichtet Weis gegenüber der RHEINPFALZ von den massiven Verletzungen, die das Tier durch den Austritt des Geschosses an Brust und Bauch erlitten habe. „Für mich steht auf jeden Fall fest, dass der Vogel abgeschossen wurde. Verletzungen durch Katzen oder andere Tiere würden anders aussehen.“
Anzeige gegen Unbekannt
Ob das Tier im Flug oder im Sitzen getroffen worden ist, kann Weis nicht sagen. Er selbst habe im Bruch bei Spesbach vor einer Woche etwa 20 Rotmilane beim Durchzug beobachtet. „Viele der Vögel sind Kurzstreckenzieher und überwintern im westlichen Mittelmeerraum.“ Weis hat die Tiere im Jahr 2006 beim Durchzug gezählt und kam damals auf 149 Vögel. Aktuellere Zahlen liegen ihm nicht vor.
„Aber Rotmilane sind schon selten“, sagt der Ornithologe. Im Nachschlagewerk „Die Vögel im Raum Kaiserslautern“ von Peter Ramachers aus dem Jahr 2011 werden laut Weis zwölf bis 16 Brutreviere im Kreis Kaiserslautern aufgeführt. Laut Nabu steht die Art zwar nicht auf der Roten Liste, aber auf der Vorwarnliste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. „Es gibt keine andere Vogelart, von der ein so großer Anteil des Weltbestandes in Deutschland brütet“, stellt der Nabu heraus, warum es hierzulande besonders wichtig ist, diese markante Greifvogelart mit dem gegabelten Schwanz zu schützen.
Nach dem Fund des Kadavers hat der Hütschenhausener Ortsbürgermeister Matthias Mahl, selbst von Beruf Polizist, Anzeige gegen unbekannt erstattet, berichtet Ex-Landrat Paul Junker. Die Kriminalpolizei Kaiserslautern habe darauf hin Ermittlungen aufgenommen.
Die Polizei ist skeptisch
Das bestätigt auf RHEINPFALZ-Anfrage Christiane Lautenschläger, Sprecherin des Polizeipräsidiums Westpfalz: „Beamte von K4 waren am 6. Dezember vor Ort und haben sich den toten Vogel angesehen.“ Im Gegensatz zu Alexander Weis kamen sie jedoch zu dem Schluss, dass das „Verletzungsbild eher nicht für eine Schussverletzung spricht, weder mit Schrot noch mit einem einzelnen Geschoss“. Nach Angaben der Präsidiumssprecherin wurden nach dieser ersten Betrachtung des Kadavers auch Jäger befragt: „Diese gaben übereinstimmend an, dass so eine große Verletzung nicht mit üblicher Jagdmunition verursacht werden kann.“ Geschosse oder deren Teile seien im Kadaver nicht gefunden worden. Vor Ort habe auch niemand einen Schuss gehört. Daher ist es nach Ansicht der Polizei auch denkbar, dass der aus anderen Gründen verendete Vogel von Tieren zum Fundort geschleppt wurde. Weitere Fälle von Schüssen auf Greifvögel seien aus dem Raum Hütschenhausen in der Vergangenheit nicht bekannt geworden, fügt die Polizei an.
Und wenn es sich doch um einen Schuss gehandelt haben sollte – was blüht dem Täter, wenn er erwischt wird? „Das Töten einer streng geschützten Tierart wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet“, lautet die Auskunft der Polizei.
Naturschutzbehörde und Gemeinde möchten dem Vorfall auf den Grund gehen und bitten Anwohner, vor allem im Bereich zwischen Landstuhler Straße und Weidenstraße, sich bei Polizei oder Ortsbürgermeister zu melden, falls sie Verdächtiges bemerkt haben, das mit dem Tod des Milans in Verbindung stehen könnte.