Hütschenhausen
Spesbach hat jetzt einen Biberwoog (mit Video-Verweis)
Was eine fleißige und äußerst „fachkundige“ Biberfamilie innerhalb von nur knapp drei Jahren südlich von Spesbach geschaffen hat, ist beinahe unglaublich: Aus einer einfachen Wiese mit ein paar Bäumen entstanden rund 15 Hektar (oder 15 Fußballfelder) wertvolles Feuchtbiotop – mit einigen größeren Woogen und vielen kleinen, flachen Wasserflächen. So berichtet es Paul Junker in der jüngsten Ausgabe seines Hütschenhausener Online-Magazins „Meine OrtsZeit“.
Seine Anfang nahm alles, als vor knapp 30 Jahren die Air Base Ramstein ausgebaut wurde und dafür an anderer Stelle ein ökologischer Ausgleich geschaffen werden musste. Es fügte sich, dass bei einer Flurbereinigung große Flächen links und rechts des Schwarzbachs bei Spesbach, einem Ortsteil von Hütschenhausen im Kreis Kaiserslautern, an die Bundesrepublik gegangen waren.
Schwarzbach renaturiert
Auf Teilen wurden Moorbirken- und Eichenwäldchen angelegt, wie Junker berichtet, auf einer Länge von rund 1,5 Kilometer wurde der Schwarzbach renaturiert. Zwei Landwirte kümmerten sich um die Pflege der Wiesen. Rund ein Vierteljahrhundert blieb das so – bis vor drei Jahren ein Biber mit Familie kam und sich ans Werk machte.
Zuerst baute er zwei Hauptdämme und staute damit den Schwarzbach an. Schnell stand das Wasser hoch genug, damit sich die Biberfamilie häuslich einrichten konnte. Mehrere Biberburgen wurden errichtet, deren Eingänge immer unter Wasser liegen, während die Wohnfläche selbst erhöht und geschützt auf dem Trockenen liegt.
Randbäume gefällt
Im zweiten und im nunmehr dritten Jahr wurde durch weiterer kleinerer und größerer Dämme der ganze Wiesenbereich geflutet. Sein Baumaterial beschaffte sich der Nager, indem er die Randbäume fällte, deren Rinde im Winter zudem als Grundnahrungsmittel diente.
Heute präsentiert sich der Bereich im Spesbacher Bruch fast wieder so wie das Moor in alter Zeit, ist sich Junker sicher. Alles steht mehr oder weniger unter Wasser, zu sehen sind hohes Binsengras, einige dünne Bäume und niedrige Sträucher. Auch die anliegenden Moorbirken und Eichen sind größtenteils überflutet. Unzugänglich für den Menschen, hat sich die Tierwelt den neuen Lebensraum schnell erobert.
Vogelkundler Alex Weis ist regelmäßig vor Ort und berichtet begeistert von seinen Entdeckungen, zu denen auch sehr seltene Vogelarten, wie die Knäkente und die Bekassine, gehörten. „Ein reiner Glücksfall, dass der gesamte Bereich Eigentum der Bundesrepublik ist“, sagt Ortsbürgermeister Achim Wätzold (CDU), „denn damit kann sich dieses neue, wertvolle Stück Natur ungestört entwickeln.“ Zudem sei die Gemeinde um eine Attraktion reicher.
Nach dem von Menschenhand angelegten Kranichwoog mit dem großen Aussichtsturm in Hütschenhausen nun also der in „Eigenleistung“ vom Biber geschaffene Woog in Spesbach, der „Biberwoog“. Und als hätte es die Biberfamilie so geplant: Er liegt direkt am Ostrand des ebenfalls vor drei Jahren geschaffenen Natura-2000-Erlebniswegs.
Ein Video zur Spesbacher Biberfamilie finden Sie hier.