Kreis Kaiserslautern
Sparkurs der Kirche: Diese Gebäude im Landkreis sind betroffen
Nie war das Sprichwort darüber, die Kirche im Dorf zu lassen, wohl passender – denn genau das, eine Kirche im Dorf zu haben, wird für einige Orte im Landkreis Kaiserslautern bald nicht mehr selbstverständlich sein. Zuletzt wurde aus Mehlbach bekannt, dass die protestantische Kirchengemeinde dort überlegt, ihre Kirche und das Gemeindehaus an die Verbandsgemeinde zu verkaufen. Die hatte bereits Pläne vorgestellt, die Gebäude möglicherweise zur Grundschule umzufunktionieren.
Hintergrund war ein Beschluss der evangelischen Landeskirche von 2021, der besagt, dass die einzelnen Kirchenbezirke bis 2030 30 Prozent ihrer Unterhaltskosten für Gebäude einsparen sollen. „Wir können uns die bestehende Gebäudeinfrastruktur leider nicht mehr leisten, sondern müssen schauen, welche Gebäude wir in Zukunft noch benötigen“, sagt Richard Hackländer. Er ist Dekan des Kirchenbezirks Kaiserslautern, zu dem unter anderem die protestantische Paul-Gerhardt-Gemeinde gehört, die Mitglieder aus Hochspeyer, Fischbach und Waldleiningen vereint. Das Jugendhaus und das Gemeindehaus in Hochspeyer würden noch dieses Jahr verkauft werden, so Hackländer. In einem Nebengebäude der Kirche, das 2026 fertiggestellt werden soll, würden künftig ein kleiner Gruppenraum, ein Pfarrbüro und Toiletten untergebracht werden, so Hackländer weiter.
Pfarrhaus vermietet, Gemeindehaus verkauft
Im Kirchenbezirk Homburg, zu dem auch einige Kirchengemeinden im Landkreis Kaiserslautern gehören, beschäftige man sich bereits seit 2022 mit den Gebäudekosten. Die Presbyter – also Mitglieder der Kirchenleitung – sollten ihre Gebäude dabei in drei Kategorien unterteilen: Die, die weiter in der Gemeinde bleiben, die die künftig gemeinsam mit Vereinen oder Institutionen genutzt und finanziert werden sollen und die, die nicht mehr finanziert werden können. „Aufgrund ihrer finanziell prekären Situation haben einige Kirchengemeinden manche Gebäude auch in Kategorie drei eingestuft, da sie keine Möglichkeit mehr sahen, diese in Zukunft noch unterhalten zu können“, berichtet Pfarrerin Bärbel Ganster-Johnson in ihrer Funktion als stellvertretende Dekanin des Bezirks. Beispielhaft nennt sie die Kirchengemeinde Bruchmühlbach, die ihr Pfarrhaus vermietet hat. Das Gemeindezentrum sei per Mietkauf, also zunächst vermietet und zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis verkauft worden.
Kindergärten an die Kommune übergeben
Im Kirchenbezirk an Alsenz und Lauter, zu dem auch die Gemeinde Katzweiler-Mehlbach gehört, habe man beschlossen, auch das Pfarrhaus der Kirchengemeinde zu vermieten oder zu verkaufen, sobald der jetzige Pfarrer in Rente gehe. Mit der Gemeinde in Olsbrücken habe man eine Einigung gefunden, um die Pfarrer künftig dort unterzubringen, sagt Andreas Wilking, Vorsitzender des Projektteams Gebäude 2030 im Bezirk und Vorsitzender des Presbyteriums in Katzweiler-Mehlbach.
Auch hier arbeite man mit verschiedenen Kategorien: In Mehlingen strebe man an, die Gebäudeträgerschaft des evangelischen Kindergartens an die Kommune zu übergeben, die dann auch die Kosten trage. „Das wird gerade noch verhandelt. Wenn wir hier keinen Kompromiss finden würden, wären wir vielleicht gezwungen, den Kindergarten aufzugeben“, so Wilking. Ähnlich sehe es auch mit den Kindergärten in Rodenbach und Erfenbach aus, auch hier plane man die Übergabe an die Kommunen. „In Otterbach ist das schon vor Jahren passiert. Die Entwicklung ging auch schon vor dem Gebäude 2030-Beschluss dorthin“, so Wilking.
Für Gemeindemitglieder schwere Entscheidung
In eine zweite Kategorie würden Gebäude fallen, in die man nicht mehr investieren würde und an denen man nur noch notwendige Instandhaltungsreparaturen unternimmt. In Schneckenhausen wolle man den Kirchenturm aufgeben, der habe zwar einen historischen Wert, aber keine Funktion mehr. Lösungen müssten auch gemeinsam mit den Orten gefunden werden. In Katzweiler beispielsweise gehöre das Schlagwerk im Glockenturm zur Anzeige der Uhrzeit der Kommune, das Geläut wiederum der Kirche.
Zuletzt gebe es noch die Option, mit den Gebäuden Einnahmen zu generieren, um die Kosten zu decken. In Alsenborn sei das Gemeindehaus tagsüber an eine Altenhilfe vermietet worden. In Olsbrücken werde eine Etage von einer Kindergartengruppe genutzt.
Beim Thema Vermieten und Verkaufen müsse man auch erstmal Interessenten finden, gibt Wilking zu bedenken. Bei Gemeindehäusern sei das einfacher, bei Kirchen deutlich schwieriger. Mit der Idee, die Mehlbacher Kirche zur Schule zu machen, sei die VG auf sie zugekommen, so Wilking. Der Wunsch der Kirchengemeinde sei es, ihre Gebäude auch nach dem Verkauf und dem Umbau noch mitnutzen zu können. „Natürlich tut so eine Entscheidung weh“, gibt Wilking zu. Gerade unter den jüngeren Gemeindemitgliedern fänden einige die Idee mit der Schule gut. Für viele der Älteren sei es schwerer. „Da sind Menschen, die die Kirche teilweise mitaufgebaut haben, die haben dann natürlich noch mal einen anderen Bezug dazu“, so Wilking.