Kreis Kaiserslautern Schule des Gehörtwerdens

Enkenbach-Alsenborn. Im Sommer 2014 hat sie die Leitung der Hans-Zulliger-Schule in Enkenbach übernommen, Ende des Jahres wurde Silke Steig-Flick offiziell zur kommissarischen Rektorin ernannt. Eine verantwortungsvolle Position, der sie mit hoher Motivation und Leidenschaft, aber auch mit Respekt begegnet.
Anklopfen entfällt, die Tür zu ihrem Büro steht offen. Ein sichtbares Zeichen ihres Kurses, der auf Transparenz, Kommunikation und ein gutes Miteinander setzt. „Jeder, der ein Anliegen hat, kann zu mir kommen. Da möchte ich nicht nur ein offenes Ohr, sondern auch eine offene Tür haben“, sagt Silke Steig-Flick. Das Angebot nehmen viele an. Kollegen, Mitarbeiter, Schüler. „Manchen Kindern liegt etwas auf der Seele, über das sie reden wollen. Andere brauchen ein bisschen Ansprache oder ein Zeichen der Zuwendung.“ 75 Schüler besuchen die Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Sie alle haben eines gemeinsam: kognitive Defizite, die ihnen das Lernen schwer machen. „Umso wichtiger ist es, sie individuell und gezielt zu fördern. Jeden nach seinen persönlichen Fähigkeiten. Deshalb nehmen wir jedes Kind so an, wie es ist und holen es da ab, wo es steht“, erklärt die frisch gebackene Schulleiterin. Das Rüstzeug für diese Aufgabe hat sie sich auf den verschiedenen Stationen ihrer Laufbahn angeeignet. Geboren in Bad Sobernheim, umgezogen nach Köln, kommt sie als Zehnjährige nach Mackenbach. In Kaiserslautern besucht sie das Hohenstaufen-Gymnasium. Schon vor dem Abitur 1995 steht für Steig-Flick fest, dass sie einmal mit beeinträchtigten Kindern arbeiten möchte. Der Berufswunsch führt sie nach Landau, wo sie das Studium der Sonderschulpädagogik aufnimmt. Ihr Referendariat absolviert sie in Neuwied, kehrt nach dem zweiten Staatsexamen wieder in die Pfalz zurück und tritt 2002 in Kusel ihre erste Stelle an. An der Jakob-Muth-Schule, einer Förderschule für lern- und sprachbeeinträchtigte Kinder, sammelt sie Erfahrungen in förderpädagogischer Arbeit. Die kommen ihr zugute, als sie fünf Jahre später an die Weilerbacher Grundschule wechselt. In der Schwerpunktschule macht sie die Bekanntschaft mit dem inklusiven Konzept. „Das lässt sich nicht ohne enge Kooperation des Kollegiums umsetzen. Man muss sich gegenseitig über den Lernstand der Kinder auf dem Laufenden halten, enge Absprachen treffen, um nächste Schritte planen zu können“, sagt die 40-Jährige. „Diese Art der Zusammenarbeit hat mich geprägt und eine gute Teamspielerin aus mir gemacht.“ Bereits in Weilerbach wirkt sie in der Schulleitung mit und gewinnt einen Eindruck von den Anforderungen. Doch während dort die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt ist, lastet sie nun allein auf ihr. „Das ist eine Herausforderung, aber ich habe sie gern angenommen. Sie macht mir Freude, keine Angst. Da ich sowohl an einer Förder- als auch einer Schwerpunktschule tätig war, habe ich beide Formen kennengelernt. Das hat mich weitergebracht und ist nun eine gute Basis. Außerdem habe ich hier in Enkenbach eine gut strukturierte Schule vorgefunden.“ Darin sieht Steig-Flick eine ideale Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Schule, zusammen mit den Kollegen und Mitarbeitern. „Es ist ein gutes Team, auf das ich mich verlassen kann. Wir pflegen eine intensive Zusammenarbeit, um die Schüler bestmöglich unterstützen zu können.“ An einer Förderschule sei der Lehrer-Schüler-Kontakt besonders wichtig und meist enger als gewöhnlich: „Es braucht viel Aufmerksamkeit, um die Bedürfnisse der Kinder zu erkennen, und eine gute Vertrauensbasis, damit sie sich mit ihren Problemen an uns wenden. Dafür nehmen wir uns die Zeit, die nötig ist.“ Dem kommt das Angebot der Ganztagsschule entgegen, das derzeit 71 Schüler nutzen. Aber auch Hausbesuche und Elternabende sind an der Tagesordnung. „Es ist unerlässlich, die Eltern mit ins Boot zu nehmen und sich mit ihnen auszutauschen“, sagt die verheiratete Mutter eines Sohnes. Überzeugt von der Wichtigkeit der Förderschulen, will sie sich für deren Erhalt stark machen „und den Regelschulen Beratung bieten“, beschreibt Steig-Flick zwei der Ziele, die sich gesteckt hat.