Wiesbach / Martinshöhe / Rosenkopf
Schäden durch verirrte Soldaten: Betroffene gehen von sechsstelliger Summe aus
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat an den Straßenbanketten auf der Landesstraße 465 zwischen Rosenkopf und Martinshöhe nur kleinere Schäden festgestellt, erklärt ein LBM-Sprecher. Die vom Martinshöher Ortsbürgermeister Peter Palm als „schwer“ bezeichneten Schäden seien eher dem Winter zuzuschreiben. Lange werden sich die Autofahrer aber nicht mehr mit den Schlaglöchern dort quälen müssen. Der komplette Abschnitt soll ab Frühjahr ausgebaut werden.
Schlimmer hat es wohl die Gemeinde Wiesbach getroffen. Hier hatte ein Großteil der Soldaten campiert. Vier- bis fünfachsige Militärfahrzeuge waren in die Äcker gefahren. Das Ausmaß der hierdurch verursachten Schäden sei enorm, beklagt Beigeordneter Markus Schmitt: „Die Amerikaner haben die ganzen Bankette und Felder kaputtgefahren.“ Auch die Abwassergräben auf den Feldwegen in der Verlängerung der Seßbachstraße müssten neu ausgefräst werden. Zudem seien Betonrohre unterhalb kaputt, weil große Fahrzeuge wohl seitlich abgerutscht sind.
„Das wird sechsstellig“
Der verursachte Gesamtschaden sei noch nicht zu beziffern. Wiesbach steht in diesem Zusammenhang vor der Herausforderung, nun Kostenvoranschläge erstellen zu müssen. Wie hoch die Schadenssumme nach einer genaueren Berechnung ausfällt, könne Schmitt aber noch nicht einschätzen. „Ich würde grob sagen, das wird sechsstellig; wenn man alle Schäden von Firmen ausbessern lassen muss.“ Die Ortsgemeinde plane, zur genaueren Begutachtung auch eine Drohne einzusetzen. Die Abwicklung der Schäden erfolgt nicht über den Verursacher. Zuständig ist nach Nato-Vereinbarungen die Schadensregulierungsstelle des Bundes, als Teil der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Die Schäden müssen innerhalb von drei Monaten geltend gemacht werden.
Die Frage der RHEINPFALZ, warum sich die Soldaten auf ein Gelände verirrt haben, das nicht für das Manöver vorgesehen war, beantwortet ein Sprecher der US-Armee nicht. Ihm zufolge hat das Feldbataillon seine Übung genau dort durchgeführt, wo sie auch genehmigt gewesen sei. Dabei seien unbeabsichtigt Schäden an Privateigentum verursacht worden. Der Sprecher sichert zu: „Wir bedauern diesen Vorfall und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für unsere Nachbarn im Gastland zutiefst. Unsere oberste Priorität ist es, dies wieder gut zu machen.“ Der Sprecher räumt ein, dass es rückblickend ein Fehler gewesen sei, hier zu üben. Man sei ausgewichen, weil der Terminkalender für das eigentliche Übungsgelände in Baumholder voll gewesen sei. Für die Zukunft werde man die Eignung von Geländen für Manöver genauer prüfen.
„Die Bundeswehr wäre in die Äcker nicht reingefahren“
An der Übung war das 95th Combat Sustainment Support Battalion beteiligt. Es ist für Logistik und Transport nach Europa und Afrika zuständig. Dass es in dem für die Übung untauglichen Gelände tätig war, stößt bei Schmitt, der Oberstabsfeldwebel bei der Bundeswehr ist, auf Unverständnis. Er bekundet gegenüber unserer Zeitung, dass sich die Bundeswehr angesichts der schwierigen Bodenverhältnisse aus dem nassen Gelände wieder zurückgezogen hätte. „Die Bundeswehr wäre in die Äcker nicht reingefahren, wenn die bemerkt hätte, dass da ein Lkw im Schlamm versinkt.“ Und die größten Schäden seien nun einmal durch die Bergung der amerikanischen Fahrzeuge entstanden, die man beim Abzug aus den Äckern ziehen musste. Das erkenne man an tiefen Furchen.