Mehlingen Ruf nach besserem Service der Sparkasse bei Gesprächsrunde beim kfd-Mittagstisch
Zwischen Knödel und Bananentiramisu fand ein reger Austausch statt, der ansatzweise zu Lösungen führte. „Ich musste schön öfter älteren Menschen am Geldautomaten zur Hand gehen. Sie stehen hilflos und mit Tränen in den Augen davor. Das ist menschenunwürdig“, berichtete Rechtsanwältin Bärbel Glas. Für zehn hilfsbedürftige Bürger übernehme Gabriela Klein aus Sembach regelmäßig die Bankgeschäfte. Gabriele Heinz von den Mehlinger KFD-Frauen kennt diese und andere Fälle und hat kurzerhand Unterschriften gesammelt – 615 sind zusammengekommen. „Wir akzeptieren die Entscheidung des Sparkassenvorstandes nicht“, sagt Heinz zur Schließung der Mehlinger Sparkassenfiliale im vergangenen Herbst. Wo Personal Kunden betreute, warten jetzt nur noch ein Terminal, ein Kontoauszugsdrucker und ein Geldautomat. Um der Sparkasse mitzuteilen, warum dies kein akzeptables Angebot ist, hat Heinz den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Hartmut Rohden von der Sparkasse Kaiserslautern zum KFD-Mittagstisch eingeladen.
Fühlen sich als Kunde nicht wertgeschätzt
Gabriele Heinz verweist auf die vielen älteren Menschen auf dem Land, die weder über die nötige Technik noch über die Fertigkeiten verfügen, um Online-Banking zu praktizieren. Aber auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Lese- und Schreibschwäche oder mit Migrationshintergrund seien auf persönliche Hilfestellung angewiesen. Deshalb sei wenigstens einmal pro Woche eine Sprechstunde in der Filiale nötig. Immer wieder kommen laute Einwürfe der Teilnehmer: man fühle sich auf dem Land abgehängt und als Kunde nicht wertgeschätzt. Die meisten unterstellen der Sparkasse einen gegen Null tendierenden Service. Es gehe nur um Kosteneinsparung. „Wenn es aus betriebswirtschaftlichen Gründen wäre, hätten wir vor zehn Jahren schon viele kleine Filialen schließen müssen. Wir haben schlichtweg kein Personal“, betont Rohden mehrmals. Die heutige Generation habe kein Interesse am Einsatz in einer „Ein-Mann-Filiale“. Unabhängig davon mangele es grundsätzlich an Bewerbern für eine Ausbildung bei der Sparkasse.
Von Rechtsanwältin Glas und Digitalbotschafter Werner Hamm kommen bezüglich der Sparkasse Mehlingen Vorschläge – beispielsweise eine Klappe zum Einwurf von Überweisungen und ein Mitarbeiter, der die Filialen rotierend anfährt. Aufgrund versicherungstechnischer Vorgaben und verschiedener an Dienstleister vergebener Aufgaben könne manch einfach Anmutendes nicht umgesetzt werden, erläutert Rohden. Er präsentiert kleine Lösungen: Freiumschläge für portofreie Überweisungszusendung per Post und kostenlose Bargeldzusendung über den Postweg. Fazit einiger Seniorinnen am Tisch: „Es ännert sich eh nix.“