Kreis Kaiserslautern Rothselberg: Friedrich Wilhelm Hebel war der „pfälzische Grimm“

1906 brachte Hebel die Sammlung pfälzischer Sagen heraus.
1906 brachte Hebel die Sammlung pfälzischer Sagen heraus.

Er ist nicht mit dem badischen Mundartdichter Johann Peter Hebel zu verwechseln. Friedrich Hebel stammte aus der Westpfalz und sammelte in mühevoller Arbeit hiesige Sagen, die er in mehreren Bänden veröffentlichte. Wie die Brüder Grimm erschloss er dadurch einen wesentlichen Bereich der Volkspoesie und erwies seiner pfälzischen Heimat einen wertvollen Dienst.

Friedrich Wilhelm Hebel, am 24. Februar 1875 in Rothselberg geboren, war der Sohn eines Bauern, der sich auch als Gastwirt betätigte. Er besuchte das Lehrerseminar in Kaiserslautern und unterrichtete danach in Dansenberg und Odenbach. Im Jahr 1897 kam er schließlich als Schulverweser in die Barbarossastadt und wurde 1923 zum Bezirksschulrat für den umliegenden Landkreis ernannt.

Hebel rief die Bevölkerung zur Unterstützung auf

Der literarisch und historisch interessierte Pädagoge empfand es als einen Mangel, dass er im Unterricht nicht stärker auf pfälzische Sagen zurückgreifen konnte. Wohl nicht zuletzt deshalb, machte er sich daran, die fantasievollen Geschichten aus der Region zu sammeln. Außerdem rief Hebel Lehrer und Pfarrer sowie die gesamte Bevölkerung dazu auf, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen. 1906 konnte Friedrich Wilhelm Hebel eine erste Sammlung pfälzischer Sagen vorlegen, die von seinen Landsleuten günstig aufgenommen wurde, sodass schon nach wenigen Monaten eine zweite Auflage folgen musste. Auch das Bayerische Kultusministerium empfahl das Buch mit den Pfälzer Sagen ausdrücklich für die Orts- und Schulbibliotheken.

300 Dichtungen im dritten Band

Schon im Folgejahr, 1908, erschien ein zweiter Band und 1912 folgte eine weitere Ausgabe, die anstelle der anfänglich niedergeschriebenen 150 nun fast 300 der volkstümlichen Dichtungen enthielt. Der Inhalt des Buches war nach mythischen und geschichtlichen Motiven gegliedert. Um auch wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, war die Sagensammlung Friedrich Wilhelm Hebels mit einem Quellenregister und einem Ortsverzeichnis versehen.

Sonderausgaben für den Unterricht

Daneben erschienen auch einige weniger umfangreiche Sonderausgaben, die für den Unterricht an Volks- und Mittelschulen geeignet waren. 1930 gab der Rothselberger Autor eine neue Folge Pfälzischer Sagen heraus, die von Adolf Kessler illustriert waren. Neben den „Pfälzischen Sagen“ veröffentlichte Hebel unter dem Titel „Pfälzer Humor in Sprache und Volkstum“ außerdem eine Sammlung von Redensarten, Sprichwörtern und Anekdoten.

Umfangreiches Wirken fand frühes Ende

Als rühriger Freund der Heimat war er Mitglied des Pfälzerwald-Vereins, Vorsitzender der Ortsgruppe Kaiserslautern des Literarischen Vereins und gehörte der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften an. Sein umfangreiches Wirken fand jedoch ein recht frühes Ende. Friedrich Wilhelm Hebel starb unglücklicherweise schon im Alter von gerade einmal 56 Jahren am 6. Juni 1931 in Kaiserslautern. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Waldfriedhof beigesetzt.

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