Olsbrücken / Frankelbach
Rettung für den alten Bahnhof in Sicht?
Seit 2014 darf sich der Olsbrücker Bahnhof mit dem Prädikat „Wanderbahnhof“ schmücken – als erster im Landkreis Kaiserslautern und damals achter in Rheinland-Pfalz. Er erhielt die begehrte Plakette, weil er einen idealen Startpunkt für verschiedene Wandertouren durch das Pfälzer Bergland bietet, so etwa für den Premiumwanderweg „Teufelstour“, die dort beginnt. Doch Ausflüglern wie Pendlern bietet sich beim Aussteigen aus der Lautertalbahn in Olsbrücken kein schöner Anblick.
Von weitem wirkt der mehrstöckige Sandsteinbau im typischen Stil der Gründerzeit zwar durchaus schmuck und repräsentativ. Doch wer näher tritt, kann den zunehmenden Verfall des historischen Bahnhofsgebäudes nicht übersehen: Viele Scheiben sind zerschlagen, Fenster notdürftig zugenagelt, Müll liegt herum. Und ein Blick ins Innere offenbart, wie schlimm es um das Gebäude steht. „Von außen ist das Bahnhofsgebäude noch gut erhalten, aber tatsächlich ist es in einem katastrophalen Zustand“, berichtet auf RHEINPFALZ-Anfrage Verbandsbürgermeister Harald Westrich, der im Januar eine Begehung veranlasst hat. Dabei habe sich gezeigt, wie marode das leerstehende Gebäude ist: „Die Eisenträger der Kellerdecke sind weitgehend durchgerostet, so dass derzeit unklar ist, ob diese Decke erhalten werden könnte. Die Kellerwände sind feucht.“ Im Obergeschoss habe man zwar angefangen zu renovieren, „aber leider völlig unsachgemäß“.
Derzeit noch in privater Hand
Trotzdem würde Westrich das rund 140 Jahre alte Gebäude gerne retten, wie er betont. „Doch das ist eine knifflige Angelegenheit.“ Noch ist der Bahnhof, der seit der Privatisierung der Bahngebäude durch die DB schon mehrere Besitzer hatte, in privater Hand. Aber der derzeitige Eigentümer wolle verkaufen, nachdem sein Plan, dort ein Café einzurichten, gescheitert sei. Sich mit ihm über einen angemessenen Preis einig zu werden, sei eine Sache. „Das Hauptproblem ist die Finanzierung der dringend erforderlichen Sanierung.“ Laut einer Schätzung der Verbandsgemeinde liegen die Kosten dafür „irgendwo zwischen 750.000 und 900.000 Euro“, sagt Westrich. Außerdem stehe der Bau unter Denkmalschutz, was neben den üblichen Überraschungen beim Sanieren alter Gebäude weitere Kostensteigerungen mit sich bringen und das ganze Projekt in Frage stellen könne.
Ein Kuriosum macht die Sache zudem nicht einfacher: Obwohl am Haltepunkt das Schild „Bahnhof Olsbrücken“ prangt, steht das historische Bahnhofsgebäude gar nicht auf Olsbrücker, sondern vielmehr auf Frankelbacher Gemarkung. „Die Lauter ist die Gemarkungsgrenze“, erläutert der Frankelbacher Ortsbürgermeister Hans-Peter Spohn, dass alle Gebäude jenseits des Flusses zu seiner Kommune gehören, obwohl diese eineinhalb Kilometer vom Bahnhof entfernt liegt. Als der Bahnhof 1883 gebaut wurde, habe die Bahngesellschaft den Haltepunkt auf Frankelbacher Gemarkung in der Gewanne „Ried“ festgelegt, obwohl dies weder im Sinne des damaligen Olsbrücker noch des Frankelbacher Gemeinderats gewesen sei. Letzterer habe die Haltestelle in der Nähe des Grubenhofes sehen wollen, dies sei den Olsbrücker Ratsmitgliedern hingegen zu weit vorgekommen, gibt Spohn wieder, was sein Amtsvorgänger Reiner Claus vor Jahren bei historischen Recherchen herausgefunden hat. „Ganz früher hieß der Bahnhaltepunkt auch Frankelbach/Olsbrücken“, berichtet Spohn.
Ohne Fördermittel geht nichts
Obgleich der Bahnhof ein ganzes Stück von der Ortslage entfernt ist, fühlt sich der Frankelbacher Ortschef dennoch zuständig und ist ganz auf der Linie von Harald Westrich: Wie dieser hält auch er den Bahnhof für „ein tolles Gebäude“, das er „auf jeden Fall“ gerne erhalten und einer neuen Nutzung zuführen würde. „Ohne ganz viele Fördermittel ist das aber nicht möglich“, wissen sowohl Westrich als auch Spohn. Die besten Chancen, an finanzielle Unterstützung zu kommen, habe die Ortsgemeinde, wenn sie das Gebäude kaufen und die VG dann in die Sanierung einsteigen würde. „Gegenüber dem VG-Rat wäre eine Investition von maximal 250.000 Euro begründbar“, sagt Westrich. Der Rest müsste an Fördermitteln kommen. Im besten Falle könnten Zuschüsse in Höhe von 90 Prozent fließen. Etwa aus dem Leader- oder dem Dorferneuerungsprogramm sowie privaten Spenden. „Demnächst findet ein Treffen statt, in dem wir gemeinsam überlegen wollen, wie wir zu einer Lösung kommen“, sagen die beiden Bürgermeister.
Was nach der Sanierung mit dem Bahnhof passieren soll, dafür gibt es auch bereits eine Idee: Gegenüber plane ein junges Paar auf einem privaten Grundstück den Bau eines Cafés. „Das Erdgeschoss des Bahnhofs könnte dann zu einer Begegnungsstätte oder einem Veranstaltungsraum werden, der angemietet werden kann.“ Im Obergeschoss könnten – eventuell touristisch genutzte – Wohnräume entstehen. Und der historische Schuppen neben dem Bahnhof könnte als Toilettenanlage dienen. „Bislang gibt es keine Toilette am Bahnhof. Und entlang der ganzen Teufelstour auch keine richtige Einkehrmöglichkeit für die Wanderer“, sagt Spohn. Dieses „echte Manko“ könne mit dem neuen Café und einer Sanierung des Bahnhofs beseitigt werden: „Dann könnten die Wanderer vor der Tour hier einen Kaffee trinken und vor der Heimreise eventuell nochmal zum Essen einkehren“, blickt der Ortsbürgermeister in die Zukunft.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz
Der Knackpunkt sei aber eben die Finanzierung. Und der Denkmalschutz. Letzterer zeigt sich auf RHEINPFALZ-Anfrage zumindest entgegenkommend: „Der Erhalt des Gebäudes liegt vielen Bürgern am Herzen und wir würden alle gerne wieder eine Nutzung in dem ehemaligen Bahnhofgebäude sehen“, so die Denkmalpflegerin der Lauterer Kreisverwaltung Annette Diederich und fügt an: „Selbstverständlich stehen wir in engem Austausch mit den Beteiligten, um eine Sanierung des Gebäudes zu ermöglichen.“
Denkmalgeschützt sind laut Kreisverwaltung im Landkreis im Übrigen noch die Bahnhöfe in Schopp und Frankenstein. Während ersterer gerade saniert werde, befindet sich der Frankensteiner ebenfalls in Privatbesitz und werde zum Verkauf angeboten. Auch er ist alles andere als ein Aushängeschild für die Gemeinde und steht seit mehr als 15 Jahren leer.