Kreis Kaiserslautern Reelle Arbeit fürs virtuelle Kraftwerk

Bevor sie überhaupt selbst richtig wirken durfte, musste sie über die getane Arbeit auf ihrer Stelle schon einen Bericht schreiben: Lisa Rothe ist seit Mitte März neue Klimaschutzmanagerin der Ortsgemeinde Enkenbach-Alsenborn. Die 26-Jährige hat die Nachfolge von Jan Bödeker übernommen, der zum Jahreswechsel zur Energieagentur Kaiserslautern wechselte.

Der Klimaschutzmanager ist Teil des „Masterplans 100 Prozent Umweltschutz“ des Bundesumweltministeriums. Die Gemeinde Enkenbach-Alsenborn hatte sich mit verschiedenen Ideen zum Klimaschutz und zur Energieeinsparung für dieses Förderprogramm beworben. Sie war im Mai 2012 mit 18 weiteren Städten, Kommunen und Landkreisen als Pioniergemeinde ausgewählt worden. Über einen Zeitraum von vier Jahren werden Projekte mit dem Ziel gefördert, eine Senkung des Kohlendioxidausstoßes um 95 Prozent bis 2050 zu erreichen. Die 80-prozentige Finanzierung eines Klimaschutzmanagers im Projektzeitraum gehört dazu. Dass der bisherige Klimaschutzmanager recht überraschend ging, war für die Gemeinde Enkenbach-Alsenborn Pech, für Lisa Rothe aus Neunkirchen im Saarland ein Glücksfall: Sie hat im August 2013 ihr Studium der Umwelt- und Betriebswirtschaft am Campus Birkenfeld der Uni Trier abgeschlossen und war – inzwischen als Praktikantin beim Umweltzentrum der Handwerkskammer Saarbrücken – auf der Suche nach einer festen Stelle. „Die in Enkenbach-Alsenborn war meine Wunschstelle“, sagt sie. Dass dies nicht nur dahergeredet ist, beweist die Tatsache, dass sie sofort eine Wohnung in der Gemeinde suchte und in Alsenborn fand. „Jeden Tag mit dem Auto 75 Kilometer hin und 75 Kilometer zurück zu fahren, passt ja nun wirklich nicht zur Stelle einer Klimaschutzmanagerin“, zeigt sie sich konsequent. Nun kann sie mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen: „Und außerdem will ich die Stimmung im Ort mitbekommen.“ Ganz offenbar hat die Gemeinde die richtige Wahl getroffen: Lisa Rothe ist eine Person, die den Klimaschutz nicht nur abarbeitet, sondern lebt. Viel Zeit zum geruhsamen Einarbeiten hatte sie jedoch nicht. „Mitte April musste der jährliche Zwischenbericht zum Masterplan abgegeben werden“, berichtet sie von ihrem Arbeitseinstieg. „Das war eine meiner ersten großen Aufgaben.“ Unterstützung bekam – und bekommt sie hier und dort – von ihrem Vorgänger. Auch bei Projekten, die er begonnen hat – wie dem Fotowettbewerb zum Thema Umweltschutz vom vergangenen Jahr – steht er helfend zur Seite: Wenn am Montagabend die Sieger prämiert werden, ist Bödeker noch einmal im Enkenbacher Rathaus. Welche der damals geplanten „Leuchtturmprojekte“ im Rahmen des Masterplans realisierbar und sinnvoll sind, sollen Machbarkeitsstudien zeigen. Bereits verworfen wurde die Idee eines Wasserspeicherkraftwerks. Eine Vorstudie hat laut Rothe ergeben, dass der nötige Höhenunterschied für ein rentables Werk auf Enkenbach-Alsenborner Gemarkung nicht zu finden ist. Für drei andere Pläne werden in den nächsten Monaten die Machbarkeitsstudien ausgeschrieben: Elektromobilität, Mini-Blockheizkraftwerke in Mietobjekten und Batteriespeicher. „Ein Elektroauto soll für die Verwaltungsmitarbeiter und eins als Dienstfahrzeug fürs Biomasseheizkraftwerk angeschafft werden“, führt Rothe aus. Ob weitere Wagen für die Bevölkerung dazukommen, wie ursprünglich überlegt, sei offen. Die zweite Studie soll zeigen, ob Mini-Blockheizkraftwerke in Mietshäusern Sinn machen. „Eine Energie-Contracting-Gesellschaft soll gegründet werden“, gibt Rothe die Pläne wieder. Wer der Dienstleister oder der Investor sein wird, das ist derzeit die Frage. Die dritte Studie befasst sich mit Batteriespeichern, einer recht neuen Technik. Die Ortsgemeinde produziert zwar schon genügend Strom für die Einwohner, doch zu einigen Zeiten wird zu viel nachgefragt, nachts hingegen besteht ein Stromüberschuss. „Die Spitzen abzudecken ist das Ziel“, sagt Lisa Rothe, „das ist ein Schritt zum virtuellen Kraftwerk.“ Da die Gemeinde ein eigenes Netz hat, sei die Regelung recht einfach. Bereits in den nächsten Wochen sollen „Smart Grids“ in zehn Testhaushalte und die Kita einziehen: Im ersten Schritt messen die kleinen klugen Geräte nur den Verbrauch von Haushaltsgeräten wie Wasch- und Spülmaschine; im nächsten sollen sie sich dann einschalten, wenn viel Strom bereit steht und er billig ist. Auch um die Energieeffizienz in den kommunalen Gebäuden muss Rothe sich kümmern. Laut Erneuerbarer Energie- und Einsparverordnung muss das oberste Geschoss von öffentlichen Bauten gedämmt sein: „In der Gemeinde gibt es noch rund zehn mit Dämmbedarf.“ Die Arbeiten darin möchte sie gern den Bürgern zugänglich machen und diese damit selbst zum Sanieren anregen. Auch das Solardachkataster (die RHEINPFALZ berichtete) läuft weiter. Auf der digitalen Karte können die Hausbesitzer erkennen, ob ihr Dach Potenzial für Solarpanels hat und wie groß es ist. „Momentan haben wir in Enkenbach-Alsenborn eine Auslastung von neun Prozent“ – gar nicht so schlecht, urteilt sie. Die 26-Jährige ist voll in ihrem Metier. Doch im Mai 2016 endet der Masterplan; ob sie darüber hinaus weiterbeschäftigt wird, dafür kann sie auch selbst etwas tun: „Vielleicht sind weitere Förderprogramme oder eine Anschlussförderung für die Stelle des Klimaschutzmanagers möglich.“ Dass der Klimaschutz nicht zum 30. April 2016 in Enkenbach-Alsenborn endet, liegt also auch in ihrem ganz persönlichen Interesse. Obwohl man nicht in Frage stellt, dass sie sich auch ohne Aussicht auf Weiterbeschäftigung für die Umwelt einsetzt.

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