Landstuhl / Berlin RHEINPFALZ Plus Artikel Prinzenpaar besucht Bundeskanzler

Zeit für ein kurzes Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz hatten die Fastnachter aus der Pfalz beim Treffen am Stehtisch.
Zeit für ein kurzes Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz hatten die Fastnachter aus der Pfalz beim Treffen am Stehtisch.

Einen närrischen Tag im Bundeskanzleramt gibt es nicht oft. Oder vielleicht doch? Wer weiß das schon? Am vergangenen Donnerstag war es ganz sicher so. Bundeskanzler Olaf Scholz empfing einige Fastnachter – auch das Prinzenpaar des Carneval- und Unterhaltungsvereins Landstuhl.

„Die Reise nach Berlin hat sich trotz allen Stresses, trotz allen Aufwands gelohnt,“ sagt Stephan Frosch. Er und seine Frau Sandra – alias Stephan I. und Sandra I. am Hofe derer zu Sickingen, Herren über Burg Nanstein und all ihrer Ländereien, kurz das Prinzenpaar des Carneval- und Unterhaltungsvereins (CUV) Landstuhl – vertraten am vergangenen Donnerstag das Land Rheinland-Pfalz beim Empfang der Karnevalsdelegationen im Bundeskanzleramt. „Der Bundeskanzler war bei dem Empfang richtig gut drauf“, erzählt Frosch. Klar, er habe eingeräumt, dass ihm als Hamburger die Fastnacht nicht so nahe sei, „sogar für ihn eher schwierig“. Aber dafür habe sich Olaf Scholz dann doch recht fröhlich und offen gezeigt.

Anstrengende Anreise

Aber der Reihe nach: Donnerstag gegen 2 Uhr Friseurbesuch der Prinzessin in Landstuhl. Um 4 Uhr Start mit dem Auto nach Mannheim. Um 6 Uhr Abfahrt des Zuges. Kein Streik, kein Schneechaos hält die Bahn auf. Dann doch ein ungeplanter Stopp. Mit einer Stunde Verspätung kommen die Hoheiten und ihre Begleiter, darunter der Präsident der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalsvereine, Jürgen Lesmeister, der Vizepräsident der Pfalz, Andreas Müss, und der Bezirksvorsitzende Westpfalz, Peter Schwiewager in Berlin an. In Mannheim steigen die Vertreter aus Nord- und Mittelbaden zu. An Schlafen – wie eigentlich vorgesehen – ist nicht mehr zu denken. Die Elf aus Baden und der Pfalz haben riesigen Spaß und unterhalten sich prima. Die Fahrt vergeht wie im Flug.

In Berlin heißt es Gepäck und die wertvollen Kleidersäcke mit den Kostümen schnappen, ins Hotel fahren und umziehen. Mit dem Taxi rauscht die Delegation zum Kanzleramt. „Zur Probe“, sagt der Prinz. „Treppe rauf, Treppe runter.“ Um etwa 15.30/15.45 Uhr – „ich hab’ da jetzt nicht auf die Handy-Uhr geguckt“ – kommt Bundeskanzler Scholz in Begleitung des Präsidenten des Bundes Deutscher Karneval (BDK), Klaus-Ludwig Feß. Die beiden halten je eine Rede. Der Kanzler heißt die etwa 100 Narren, die aus allen Bundesländern angereist sind, willkommen, sagt, dass er sich freue, sie hier zu treffen. Die bunte Gruppe setzt sich aus einigen Prinzenpaaren sowie vielen Einzelpersonen als Symbolfiguren zusammen.

Gespräche am Stehtisch

Ausdrücklich lobt der Kanzler die Fastnachter „für die Brauchtumspflege und die gute Jugendarbeit“. Ähnlich äußert sich Feß. Natürlich bekommt Scholz den Ehrenorden des BDK. Zum obligatorischen Gruppenfoto müssen sich alle auf der Treppe drapieren. Olaf Scholz schüttelt jedem die Hand. An Stehtischen –jeder Delegation wird einer zugewiesen – dürfen sich die Narren platzieren. Mit Vertretern jedes Bundeslandes spricht Scholz nun für ein paar Minuten. Die Pfälzer thematisieren den FCK. Den kennt der Kanzler aus seiner Zeit als Hamburger Bürgermeister. Auch über die Kanzlerbilder, die Ahnengalerie, verlieren sie ein paar Worte. Das Prinzenpaar erfährt, dass das Bild von Kanzlerin Merkel immer noch nicht da hänge, weil sie noch Zeit brauche. Im Rathaus in Hamburg finden sich dagegen nur die verstorbenen Bürgermeister, informiert Scholz. Er ist wirklich sehr locker, lächelt immer, aber nicht aufgesetzt, ist Froschs Eindruck. Jede Menge Fotos werden geschossen.

Weiter geht es zum nächsten Empfang im Bundestag. Unterwegs sprechen zahlreiche Passanten die närrische Gruppe an. Sie wollen wissen, was die so lustig Angekleideten hier machen und vorhaben. Am Ziel werden sie von einer 15-köpfigen parteiübergreifenden Parlamentariergruppe „Fasching – Fasnacht – Karneval“ begrüßt; diese hat sich erst vergangenes Jahr gegründet. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und der Vorsitzende der Gruppe, der saarländische Abgeordnete Markus Uhl, sprechen kurz. Wieder folgt ein Fotoshooting. Ein Abgeordneter aus Baden nimmt die Pfälzer mit auf eine „private Führung“ durch den Reichstag bis hoch zur Kuppel. Frosch: „Wirklich klasse.“

Mit den bayerischen Kollegen ins Hofbräuhaus

Außer Brezeln haben die Badener und Pfälzer nichts zu essen bekommen. Und weil sie nach einem so langen Tag richtig hungrig sind, machen sie sich mit den bayerischen Kollegen auf ins Hofbräuhaus – in Berlin. Eine richtig zünftige Gaudi steht an. Die Froschs lernen an diesem Abend, dass vielerorts Fastnacht ganz anders gefeiert wird als hier in der Region.

Auf den 24-Stunden-Tag folgt eine weitere kurze Nacht. Dann geht es zurück nach Landstuhl. Am Abend steht das Prinzenpaar bei den Freunden in Miesau auf der Bühne, am Samstag beim KC Rot-Weiß Kaiserslautern und am Sonntag bei der Kinder- und Jugend-Wefa in Pirmasens. „Der Samstag ist heftig gewesen“, bekennt Frosch lachend. Etwas Ausruhen und am kommenden Wochenende wieder Krone und Uniform richten und repräsentieren – auch im eigenen Hause.

„Überall werden wir jetzt gefragt, wie’s in Berlin war“, erzählt Frosch glücklich und stolz. Immerhin sind er und seine Frau nach 44 Jahren Vereinsbestehen die ersten Landstuhler, die nach Berlin fahren durften – „und wahrscheinlich vorläufig auch die einzigen“.

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