Hütschenhausen Post in den Himmel: Was es mit dem Briefkasten am Hütschenhausener Friedhof auf sich hat

Übergabe des Himmelsbriefkasten vom Hospizverein Kaiserslautern an die Ortsgemeinde Hütschenhausen (von links): Initiator Timo S
Übergabe des Himmelsbriefkasten vom Hospizverein Kaiserslautern an die Ortsgemeinde Hütschenhausen (von links): Initiator Timo Schneider, Monika Feddeck, Monika Weiß (beide Hospizverein), Ortsbürgermeister Achim Wätzold und die Geschäftsführerin des Hospizvereins, Franziska Emrich.

Er bietet Hinterbliebenen eine besondere Möglichkeit der Trauerbewältigung: In Hütschenhausen hängt nun der erste Himmelsbriefkasten im Kreis. Was hinter dem Angebot steckt.

Die Idee für diese spezielle Form, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten, sei während der Corona-Zeit entstanden, sagte die Geschäftsführerin des Hospizvereins Kaiserslautern, Franziska Emrich, am Freitag bei der Übergabe des Briefkastens an die Ortsgemeinde. Sie erinnerte daran, dass während der Pandemie viele Menschen nicht die Gelegenheit hatten, sich von verstorbenen Angehörigen oder Freunden zu verabschieden. Der Briefkasten ermögliche den Trauernden, Dinge loszuwerden, die sie woanders nicht sagen oder zeigen könnten – beispielsweise durch Briefe und Gedichte, aber auch nur mit einzelnen Worten, Fotos oder selbstgemalten Bildern. Schließlich trauere jeder Mensch anders, erläuterte Emrich.

Daher sei es sinnvoll, verschiedene Wege anzubieten, wie Hinterbliebene mit ihrem Schmerz umgehen könnten. Grundsätzlich seien Rituale sehr wichtig in der Trauerarbeit. Was die Verfasser dem Briefkasten anvertrauen, bekomme niemand sonst zu Gesicht, betonte die Vorsitzende. Der Inhalt werde nach der regelmäßigen Leerung in einer verschlossenen Box verstaut – einmal pro Jahr würden die Briefe, Karten, Bilder und Fotos in einer Zeremonie verbrannt, die Asche anschließend im Wald verstreut.

Initiative von Ratsmitglied Timo Schneider

Bislang gab es die Himmelsbriefkästen ausschließlich in der Stadt: auf dem Hauptfriedhof am Eingang und auf der Sternenwiese sowie am Andachtsplatz im Ruheforst. Ein weiterer hängt am Sitz des Hospizvereins, Post hierfür kann an den Hertelsbrunnenring 22 in 67657 Kaiserslautern versandt werden.

Das Hütschenhausener Ratsmitglied Timo Schneider hatte vor einiger Zeit von der Existenz dieser Briefkästen aus der RHEINPFALZ erfahren. Er nahm daraufhin mit dem Hospizverein Kontakt auf und fragte, ob ein solches Exemplar auch für den Friedhof Hütschenhausen zu bekommen wäre – mit Erfolg. Ortsbürgermeister Achim Wätzold bezeichnete den Himmelsbriefkasten als schöne Möglichkeit der Trauerbewältigung und des Abschiednehmens. Er verwies darauf, dass es auf dem Friedhof im Ortsteil Spesbach mit dem Trauerkasten ein ähnliches Angebot gebe. Dort könnten geschriebene Worte hineingehängt werden. In der Ortsgemeinde bestünden somit nun zwei Optionen, seiner Trauer auf diese Weise Ausdruck zu verleihen.

x