Bruchmühlbach-Miesau RHEINPFALZ Plus Artikel Pilotprojekt soll jungen Männern berufliche und schulische Perspektiven aufzeigen

In der jüngeren Vergangenheit habe sich gezeigt, dass Straßensozialarbeit auch außerhalb eines urbanen Umfelds wichtig ist, hieß
In der jüngeren Vergangenheit habe sich gezeigt, dass Straßensozialarbeit auch außerhalb eines urbanen Umfelds wichtig ist, hieß es bei der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats.

Männern zwischen 18 und 35 Jahren bei der Suche nach einer beruflichen oder schulischen Perspektive zu helfen, ist das Ziel eines Pilotprojektes, das im Juni beginnen soll.

Straßensozialarbeiter werden ab Juni die Orte in der Verbandsgemeinde (VG) Bruchmühlbach-Miesau besuchen, um junge Männer in ihrem gewohnten sozialen Umfeld zu helfen, eine neue Perspektive für ihr Leben zu finden. Das von der Europäischen Union geförderte Pilotprojekt wurde in der jüngsten Sitzung des VG-Rats von den Streetworkern Jeanette Geßner, Johannes Metzinger und Jonas Berg vorgestellt.

Probleme oft nicht so offenkundig wie in der Stadt

Es läuft unter dem Titel „S(ch)ichtwesel“ bei der Arbeiterwohlfahrt in Kaiserslautern (Awo), bei der auch die Straßensozialarbeiter beschäftigt sind, die in den kommenden Monaten in der VG unterwegs sein werden. Normalerweise finde Straßensozialarbeit in einem urbanen Umfeld statt – beispielsweise in einer Großstadt wie Kaiserslautern, sagen die drei Streetworker. Allerdings gebe es auch im ländlichen Raum ähnliche Probleme wie in der Stadt – auch wenn sie in den Dörfern oftmals nicht so offenkundig seien. Die Transformation des „S(ch)ichtwesel“-Projekts in den ländlichen Raum habe also durchaus eine Art Laborcharakter. Man wolle herausfinden, ob die in der Stadt erfolgreichen Angebote auf „das flache Land“ übertragen werden können.

Die Streetworker wollen bei ihren Besuchen in den Ortsgemeinden zunächst versuchen, das soziale Umfeld vor Ort kennenzulernen. „Unser Angebot beruht auf Freiwilligkeit. Personen, die Hilfe in Anspruch nehmen wollen, müssen von sich aus auf uns zukommen, damit wir ihnen helfen können“, betonen die Streetworker. In der VG Bruchmühlbach-Miesau wollen sie feste Zeiten etablieren, in denen sie vor Ort sind und diese bekanntmachen, um dem durch die Initiative angesprochenen Personenkreis die Möglichkeit zu einer zwanglosen Kontaktaufnahme zu bieten.

Unterstützung bei der Wohnungssuche

„S(ch)ichtWechsel“ nutze die Methode der Straßensozialarbeit, um die jungen Männer direkt an ihren gewohnten Aufenthaltsorten anzusprechen und ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Bewusst habe man die VG Bruchmühlbach-Miesau für das Pilotprojekt ausgewählt – unter anderem wegen der guten Anbindungen von und nach Kaiserslautern durch den ÖPNV, wo sich neben dem Büro der AWO auch die für die Menschen in der VG zuständigen Behörden und Anlaufstellen befinden. „Wir können die an einer Hilfe interessierten Personen bei den Behördengängen begleiten. Wir kennen alle Anlaufstellen und deren Mitarbeiter und können so als Türöffner im wahrsten Wortsinn fungieren“, sagen die drei Streetworker.

Ziel sei es, eine stabile Basis für die Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu schaffen, und den jungen Männern eine echte Alternative zu ihrem bisherigen Leben zu bieten. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts sei die Unterstützung bei der Wohnungssuche, um den jungen Männern ein sicheres Zuhause zu bieten. Gleichzeitig erhielten die Teilnehmer eine sozialpädagogische Begleitung, die ihnen helfe, ihre Lebenssituation zu stabilisieren und neue Perspektiven zu entwickeln. Dies umfasse die Vermittlung in Qualifizierungs-, Ausbildungs- oder Beschäftigungsmöglichkeiten und trage aktiv zur langfristigen Integration in den Arbeitsmarkt bei.

„Wir können auch Ansprechpartner vermitteln“

Auf Nachfrage aus dem Rat erklärten die Straßensozialarbeiter, dass das Projekt durch das Programm „Win-Win – Durch Kooperation zur Integration“ der Europäischen Union gefördert wird, die auch die Zielgruppe definiert habe. „Das bedeutet allerdings nicht, dass wir junge Frauen oder Menschen, die keine EU-Bürger sind, wegschicken, wenn sie uns um Unterstützung bitten. Wir können auch ihnen Ansprechpartner vermitteln, die weiterhelfen können“, so Geßner, Metzinger und Berg.

Die Ratsmitglieder begrüßten, dass das Projekt in der VG durchgeführt wird, zumal sich in Bruchmühlbach-Miesau gerade in der jüngeren Vergangenheit gezeigt habe, wie wichtig Straßensozialarbeit auch außerhalb eines urbanen Umfelds sei.

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