Weilerbach
Pfälzer Dübel weltweit im Einsatz: So geht MKT mit den aktuellen Krisen um
Der Ausdruck der Grünen Wiese, der für unbebaute Gewerbeflächen am Ortsrand gerne benutzt wird, kann im Weilerbacher Gebiet Auf dem Immel wörtlich genommen werden. Denn es sind tatsächlich grüne Rasenflächen und Felder, zwischen denen das neue und moderne Werk der Firma MKT (Metall-Kunststoff-Technik) thront. Eröffnet wurde das neue Gebäude erst vor sieben Monaten, ziemlich genau gegenüber dem bisherigen Standort. Produziert und gearbeitet wird seither in beiden Werken, jetzt mit wesentlich mehr Platz. Das Ergebnis der Produktion: Dübel. Allerdings keine haushaltsüblichen Plastikdübel, die man aus dem Baumarkt kennt. Die Firma produziert Dübel für die Baubranche, die beispielsweise verwendet werden, wenn schwere Betonplatten befestigt werden müssen.
150 Millionen Dübel im Jahr
Sie sind auch nicht aus Plastik, sondern in der Regel aus Metall, funktionieren aber nach einem ähnlichen Prinzip, wie die gängigen Schraubdübel – nur eben in anderen Dimensionen. „Dübel sind wie kleine Maschinen“, sagt Geschäftsführer Stefan Weustenhagen. Sie haben ganz viele unterschiedliche Eigenschaften, die man ihnen von außen nicht ansehe. In den großen Produktionshallen unter den Verwaltungsräumen im neuen Gebäude werden die Rohteile gefertigt.
Aus Stahl, der als Spule aufgewickelt angeliefert wird, werden nach dem Prozess des Drahtziehens kurze Metallstifte geschnitten und in Dübelform gebracht. Etwa 10.000 Tonnen roher Stahl werden so jährlich zu rund 150 Millionen Dübeln verarbeitet. Sie kosten zwischen zehn Cent und hundert Euro pro Stück. Das Unternehmen machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 83 Millionen Euro.
Produktion in beiden Werken
Während die Mitarbeiter bei MKT für das Stahlziehen – ein Prozess, bei dem der aufgewickelte Stahldraht bis auf ein Tausendstel Millimeter auf die richtigen Maße gebracht und begradigt wird – eigene Maschinen haben, übernimmt das Verzinken der Rohteile ein externer Betrieb. Von dort gehen die jetzt silberglänzenden und vor allem durch das Zink vor Korrosion geschützten Dübelteile aber nicht zurück in ihre ursprüngliche Produktionshalle.
Sie landen im alten Werk, einmal diagonal die Straße entlang, in dessen Hallen die Endmontage stattfindet und der Dübel unter anderem mit Muttern und Markierungen ausgestattet und schließlich auch verpackt und gelagert wird. Teile der Verwaltung sitzen ebenfalls noch am alten Standort, andere sind in das neue Gebäude umgezogen.
Testen und forschen mit Dübeln und Beton
Und auch die Produktionsentwicklung ist noch im ursprünglichen Gebäude untergebracht. Zwei Mitarbeiter haben gerade in einen feinen Riss in einer Betonplatte mehrere MKT-Dübel geschlagen, um zu testen, wie sich die Produkte unter diesen Gegebenheiten verhalten. Hat eine Brücke Risse, müssen die Dübel an dieser Stelle schließlich auch halten und dürfen nicht nach und nach herausrutschen, erklärt Weustenhagen.
Außer in Brücken werden die Dübel auch in Hochhäusern, Tunneln oder beispielsweise Lärmschutzwänden benutzt. Verbaut wurden und werden sie aktuell in Projekten wie Stuttgart 21 oder dem Fehmarnbelttunnel zwischen Deutschland und Dänemark. Während etwa 50 Prozent der Produkte an deutsche Abnehmer gehen, exportiert MKT die andere Hälfte ins Ausland – etwa 25 Prozent davon innerhalb der EU, die anderen weltweit. In der Lagerhalle stehen unter anderem Kisten bereit, die nach Irland, Indien, Finnland, Italien und Dubai gehen sollen. Wobei bei letzteren noch nicht klar ist, ob sie wirklich verschickt werden können.
Auswirkungen durch den Iran-Krieg
Die Auswirkungen der weltweiten Krisen und Konflikte und aktuell besonders des Kriegs zwischen dem Iran und den USA und Israel spürt auch das Weilerbacher Unternehmen. Die Baubranche in Deutschland sei eher am Stagnieren, weltweit sehe es nicht viel besser aus. Vor allem einzelne Märkte seien noch am Wachsen gewesen, so auch die Region rund um Dubai und die Arabischen Emirate – zumindest vor dem Krieg. In der Krisenregion habe das Unternehmen viele Kunden, die die Ware jetzt entweder einlagerten oder zurückschickten.
Zeitgleich seien die gestiegenen Energiekosten ein Problem und wie eine Einladung für viele Dienstleister, ihre Preise zu erhöhen. „Wenn hier bald eine Lösung gefunden wird, könnten wir alle noch mit einem blauen Auge davonkommen, ansonsten wird der Inflation Tür und Tor geöffnet“, so Weustenhagen.
„Wir stehen auf einer gesunden Basis“
Trotz dieser erschwerten Bedingungen bleibt der Firmenchef positiv . „Wir stehen auf einer gesunden Basis“, sagt er. Auch das neue Gebäude mit Leben zu füllen, mache Spaß; er sei froh, dass das Projekt hier in Weilerbach umgesetzt werden konnte. Und das, obwohl Weustenhagen am Wirtschaftsstandort Deutschland und der EU Verbesserungspotenzial sieht. Viele Gesetze, die EU-weit erlassen und gut gemeint seien, werden schlecht umgesetzt und machten Unternehmen das Leben schwer.
Andere Vorgaben bedeuteten einen enormen bürokratischen Aufwand. Hier fehle ihm in Deutschland teilweise der Blick auf die Produktionen und die Wertschätzung gegenüber den Unternehmen, die sich für diesen Standort entscheiden – so wie MKT. „Wir haben tolle Mitarbeiter, tolle Maschinen, ein tolles Werk, das transferieren wir nicht einfach nach China“, bekräftigt Weustenhagen.
