Hütschenhausen
Paul Junker legt wachsendes Online-Archiv für Hütschenhausen an
Manch einem, der frisch im Ruhestand ist, droht durch die plötzlich viele Freizeit Langeweile und ein emotionales Loch. Nicht so bei Paul Junker, einst Hütschenhausens Ortsbürgermeister und zuletzt im Berufsleben bis Dezember 2017 Landrat des Kreises Kaiserslautern. „Immer wieder Neues erleben erweitert den Horizont und hält fit“, ist sein Credo. Sein neuestes Projekt ist die von ihm initiierte und betriebene Internetseite meineortszeit.de – im Namen angelehnt an das gedruckte Magazin der CDU für Hütschenhausen, Spesbach und Katzenbach, das Junker verantwortet.
„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Diese gern zitierte Aussage August Bebels liegt so ganz auf der Linie Junkers. Sein Projekt hat er unter den Leitgedanken „Zukunft braucht Herkunft“ gestellt. „Es sind in der Vergangenheit so viele historisch wertvolle Dokumente verloren gegangen“, stellt er fest. Das noch Vorhandene zu bewahren, den Bürgern seiner Heimatgemeinde und auch allen Interessenten von außerhalb ein jederzeit zugängliches Archiv aufzubauen, sieht er als eine wichtige Aufgabe an.
Dabei erhofft er sich eine rege Beteiligung aus den Reihen der Bürgerschaft. „Wer selbst noch Fotos, Dokumente, alte Zeitungen oder weitere Informationen zu einzelnen Bildern hat“, so sein Aufruf an alle Bürger der drei früher selbstständigen Gemeinden Hütschenhausen, Spesbach und Katzenbach, „kann diese gern an mail@meineortszeit.de schicken. So wollen wir mit dazu beitragen, dass nicht noch mehr historisch wertvolle Fotografien und Dokumente im Laufe der Zeit einfach so verloren gehen“.
Es gibt immer wieder Neues zu entdecken
Einiges ist ihm bereits zugespielt worden. Da die Seite fortlaufend ergänzt und erweitert wird, gibt es für den Betrachter auch immer wieder Neues aus früherer Zeit zu entdecken. „Dorfleben“, „Dorfansichten“, „Feste und Feiern“, „Historische Dokumente“, „Auswanderer“, „Alte Postkarten“ und „Historische Landkarten“ sind die Rubriken.
Zu sehen ist etwa ein alter Film aus den 1930er Jahren, der den Abriss der 1747 errichteten „Sieben-Bauern-Kirche“ und die Grundsteinlegung sowie den Aufbau einer neuen Kirche in Hütschenhausen zeigt. Unter der Rubrik „Historische Dokumente“ gibt es eine Zusammenstellung krimineller Delikte, die in den Jahren 1829 bis 1924 in den damals selbstständigen Gemeinden Hütschenhausen, Spesbach und Katzenbach verübt worden sind. Manfred Bußemer, der Verfasser dieser Dokumentation, beschreibt den Inhalt als „Berichte über spannende, manchmal auch sehr bedrückende, teilweise aber auch für den heutigen Leser ganz lustig erscheinende Kriminalfälle und ihre Be- und Verhandlungen vor den verschiedenen Gerichten“.
Fotos zeugen vom früher oft harten Leben
Dass im Laufe der Zeit immer wieder neue, alte Dokumente oder Fotos auftauchen und das virtuelle Archiv ständig wächst, macht den Reiz von meineortszeit.de aus. Dies verleitet dazu, immer wieder mal vorbeizuschauen und Dinge aus der Ortsgeschichte zu erfahren, die man vorher nicht wusste oder kannte. Zu finden sind Luftaufnahmen der Royal Air Force vom September 1944, alte Kerwereden und ganz viele alte Fotos, die vom früher oftmals harten Leben zeugen – etwa beim „Dickworzele ausmachen“, Torfstechen und „Duwwakblätter sortieren“. Dokumentiert sind auch teilweise beklemmende Schicksale von 60 Familien, die im 19. Jahrhundert nach USA, Kanada oder Brasilien ausgewandert sind.
Wer wusste schon, dass es in Hütschenhausen vor 150 Jahren einen gut organisierten Junggesellen-Club gab? Viel ist dazu jedoch nicht bekannt. Denn häufig kommt es vor, wie in diesem Fall, dass Fotos auftauchen, jedoch nähere Angaben dazu fehlen. Junker bittet, ihn zu kontaktieren, sollte jemand abgebildete Personen erkennen oder Hintergründe zu abgebildeten Ereignissen kennen.