Kreis Kaiserslautern Ohne Handarbeit geht gar nichts

Sie will hofiert, gepflegt und mit viel Handarbeit bedient werden, sonst wird das nichts mit der Kartoffel. An diesem Grundsatz kann selbst eine beeindruckende moderne Maschinerie nicht rütteln. Mit dieser Erkenntnis und vielen leckeren Kartoffelgerichten im Bauch verlassen die Besucher das erste Kartoffelfest der Familie Gortner in Lambsborn.
Groß, rot und mächtig steht er da, der Kartoffelvollernter. „Der schafft schon was weg“, beschreibt Hausherr Karl Gortner die Leistung der beeindruckenden Erntemaschine. Für dieses Jahr hat sie allerdings nun Feierabend: Die Kartoffeln im gesamten Umland bis weit ins Saarland hinein sind aus der Erde. Im Einsatz war der Vollernter nicht nur bei Gortners. „Wir fahren damit auch für andere Bauern“, stellt der Lambsborner klar, dass sich solch ein Gerät für einen Landwirt allein nicht rechnet. Läuft alles gut, holt die Erntemaschine, auf der drei bis sechs Personen manuell mithelfen, am Tag die Kartoffeln aus drei Hektar Land ein. In der Westpfalz läuft es jedoch nie gut: Hier gibt es den sandigen Boden ohne Steine und ohne dicke Gluten einfach nicht, der andernorts die Arbeit erleichtert und für eine schnelle Ernte sorgt. In der Region ist dagegen ein Hektar am Tag realistisch. Aber auch das ist viel, staunt Besucher Helmut Ries. „Mit der Hacke und den Händen hab’ ich seinerzeit die Kartoffeln geerntet“, erinnert sich der 86-jährige Saarländer an längst vergangene Tage. Er ist extra nach Lambsborn gekommen, „weil die Kartoffel doch zum Leben gehört“. Die ersten Knollen im Jahr erntet auch der Landwirt noch immer mit der Hand. „Die Frühkartoffeln haben ja noch keine richtige Schale, da gehen wir nicht mit der Maschine dran“, berichtet Gortner von der Arbeit. Überhaupt verlangt die Kartoffel viel nach den Händen des Bauern. Ohne Handarbeit läuft da nichts. Vom Acker geht es auf den Hof, in großen Holzkisten wird der Erdapfel erst einmal zwischengelagert. Dann heißt es abwarten. Das geübte Auge des Anbauers sieht nach ein paar Tagen, ob die Kartoffel das Zeug hat, im Keller über den Winter zu kommen. Wenn ja, wird sie auf dem Weg dorthin noch ein bisschen gerüttelt und gebürstet, damit der letzte Sand abfällt. Gleichzeitig wird Dick von Dünn getrennt. „Kartoffeln, die der Supermarkt abnimmt, dürfen nicht zu dick sein“, ist beim Rundgang zu hören. Nicht zu dick und nicht zu klein. Die Kartoffel fragt allerdings wenig nach der Norm, sie wächst, wie es ihr passt. Also wird sortiert. Eingelagert wird sie dunkel, mit viel Feuchtigkeit und Belüftung. So mag es die Knolle. „Bei Temperaturen unter drei Grad fängt sie an, süß zu schmecken, über sechs Grad beginnt sie zu keimen. Fehlt hingegen die Feuchte, wird sie schrumpelig. Und wenn es zu hell ist, wird sie grün“, erläutert Kartoffelmann Gortner, was bei der empfindlichen Knolle alles zu beachten ist. Nun geht auch so manchem Besucher im dunklen Kartoffellager ein Licht auf: Darum lässt sich die Knolle daheim einfach nicht lagern. Für den Verkauf kommt die Kartoffel aus dem Lager aufs Band der Packmaschine. Sieht professionell aus. Sieben Waagestellen sortieren die anrollenden Früchte bis auf zehn Gramm genau in die bereitstehenden Säcke. „Der Kunde bekommt also, was er bezahlt“, stellt ein Besucher fest. Der bekommt noch mehr, kann sich eine Dame nicht zurückhalten. „Eine gute Kartoffel verlangt weder nach dem Fleisch noch nach der Soße“, schwärmt sie von den kulinarischen Qualitäten des Erdapfels. Aber offensichtlich ist auch Obst ihr Ding: Nach dem Rundgang verspeist sie erst einmal genüsslich ein Stück Kartoffel-Apfelkuchen. Bei anderen weckt die köstliche Kartoffelsuppe die Geister. Wer ein klein wenig am Kartoffelschnaps genippt hat, sehnt sich noch nach was zum Beißen: Die Entscheidung fällt für die Kartoffel vom Grill. Witzig, normalerweise drehen sich in solch einer Vorrichtung das Spanferkel oder das halbe Hähnchen. In Lambsborn wird hingegen die Kartoffel über der offenen Glut gedreht. Schmeckt wunderbar. Irgendwie hat der ältere Saarländer recht: Die Kartoffel gehört zwar für unsereins nicht mehr täglich zum Leben, aber ohne würde uns etwas Entscheidendes fehlen.