Sembach
Niederländische Firma übernimmt Schorr GmbH: Standort bleibt, Hangar bleibt Herzstück
Sie sind Relikte des Kalten Kriegs: Die ehemaligen Flugzeughangars der Amerikaner, von denen es noch einige wenige im Gewerbepark Sembach gibt. Zwischen 1951 und 1995 war das Areal südlich des Ortes ein Militärflugplatz der United States Air Force. Heute werden nur noch die Gebäude der ehemaligen Heuberg-Siedlung im Norden Sembachs genutzt und von der Air Base Ramstein aus verwaltet.
In einem der riesigen, tonnenförmigen, grauen Kolosse aus Beton und Stahl befindet sich das Lager des Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik-Unternehmens Schorr GmbH. Um die Firma, die ursprünglich in Morlautern ansässig war, erweitern zu können, habe er im Jahr 2000 das 13.000 Quadratmeter große Gelände mit der Halle im Gewerbepark Sembach gekauft, erklärt Firmeninhaber Thomas Schorr. Rund 50.000 D-Mark hat er nach eigenen Angaben dabei allein für den 20 Meter breiten, 40 Meter langen und neun Meter hohen Hangar bezahlt, der in einem sehr guten Zustand gewesen sei. Ein paar Umbauten seien nötig gewesen, um die riesige Halle, an der jeder Lost-Place-Fan seine Freude haben dürfte, als Lager nutzen zu können. So wurde unter anderem das große zweiteilige Stahltor, das auf Schienen lief und die Halle verschloss, entfernt. Die komplette vordere Fassade der Halle wurde laut Schorr erneuert und mit einem neuen, leichteren Tor versehen. Eine alte stählerne Seitentür mit entsprechenden Wandmarkierungen und eine Seilwinde, mit der die riesigen Düsenjäger rückwärts in die Halle gezogen wurden, zeugen im Inneren von der ursprünglichen Nutzung. Dort, wo die US-Militärs die Maschinen parkten und warteten, stehen nun riesige Regale.
Platz in Morlautern wird zu klein
Das Unternehmen, das sich auf den Einbau von Wärmepumpen und die Installation von Bädern spezialisiert hat, geht auf den Spengler-Betrieb von Thomas Schorrs Großvaters zurück, der diesen im Jahr 1932 gründete. Sein Vater habe das Unternehmen dann in den 60er Jahren übernommen und nach und nach um die Sparten Heizung, Bäderinstallationen und Sanitär erweitert, so der Firmenchef. Im Lauf der Zeit sei der Platz in Morlautern – mitten im Wohngebiet – aber zu klein geworden. 2007 wurde ein Bürogebäude vor dem Hangar hochgezogen und die Firma zog dann komplett nach Sembach um, so Schorr.
Das Unternehmen hat drei Sparten: Neben dem klassischen Reparatur- und Wartungsgeschäft im Bereich Heizung und Sanitär bietet es den Einbau von Wärmeerzeugern wie Wärmepumpen sowie Gas-, Öl-, und Pelletkesseln an, außerdem die Installation von Bädern. Der Einbau von Wärmepumpen macht laut Schorr inzwischen rund 80 Prozent der Wärmeerzeuger aus.
Die Firma ist seit den 80er Jahren häufig auf US-Liegenschaften wie der Airbase Ramstein, Vogelweh Kaiserslautern oder Baumholder im Kreis Kusel tätig. Laut Schorr ist dies ein wichtiges Standbein für die Firma, die 2025 einen Umsatz von rund acht Millionen Euro erzielt hat. Bis zu 280 Wohneinheiten stattete das Unternehmen zuletzt bei einem Großprojekt im Raum Mannheim mit Bädern und Heizungen für einen Generalunternehmer aus, so der Firmenchef, der an der FH Trier Versorgungstechnik studiert hat.
Derzeit 50 Mitarbeiter in der Firma beschäftigt
Derzeit hat die Firma 50 Mitarbeiter, davon sind 13 in der Organisation und Bauleitung beschäftigt. Unter den Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) sind laut Schorr derzeit acht Azubis. Die Ausbildung für diesen Beruf dauere inzwischen dreieinhalb Jahre. Man könne alle Stellen besetzen. In jedem Lehrjahr bildet das Unternehmen zwei junge Menschen aus. „Denkt man an die 80er Jahre zurück, hat man früher allerdings mehr Auswahl gehabt“, so Schorr, der im Jahr 2000 in die Geschäftsführung eintrat. Viele junge Leute hätten in den vergangenen Jahren eher zu Abitur und Studium tendiert, was die Unternehmen zu spüren bekommen hätten. Das Handwerk sei lange verpönt gewesen. „Jetzt schlägt das Pendel allerdings wieder zurück und es interessieren sich wieder mehr Schüler für eine Ausbildung“, stellt der Firmeninhaber fest. Die Azubis könnten im Betrieb in alle Bereiche Einblick nehmen, das mache den Reiz ihres Unternehmens aus.
VDK-Gruppe übernimmt Schorr
Zu Beginn des Jahres ist die Schorr GmbH von der niederländischen VDK-Gruppe übernommen worden. Im Hinblick darauf, dass sein eigener Vater bereits im Alter von 65 Jahren verstorben sei und seine beiden Kinder kein Interesse hätten, die Firma einmal zu übernehmen, habe er bereits jetzt die Weichen für die Zukunft des Unternehmens stellen wollen, erläutert der 54-jährige Unternehmer die Gründe dafür. „Wir wollten einen Schritt machen, der uns langfristige Perspektiven bietet und gleichzeitig das bewahrt, was Schorr so besonders macht“, so der Firmenchef. Er bleibe ebenso wie seine Frau im Unternehmen aktiv. Für die Mitarbeiter und Kunden bleibe alles beim Alten, während man mit der VDK-Gruppe einen Partner bekomme, der dem Unternehmen strategisch und organisatorisch neue Möglichkeiten eröffne.
„Unternehmen wie Schorr bilden das Rückgrat des deutschen Marktes“, erklärt Frans van der Kolk, Gründer und CEO der VDK-Gruppe. Schorr werde auch in Zukunft als eigenständiges Unternehmen innerhalb der VDK-Gruppe agieren. Der Standort, das Team und die operativen Verantwortlichkeiten blieben unverändert.
Die VDK-Gruppe
Die VDK-Gruppe wurde 2013 von CEO Frans van der Kolk gegründet und ist eine niederländische integrierte Installations- und Serviceorganisation. Das Unternehmen bietet nach eigenen Abgaben multidisziplinäre Lösungen in den Bereichen Elektrotechnik, Klimatechnik, Infrastrukturtechnik, Sicherheitstechnik sowie Building Intelligence & IT an. Mit mehr als 7000 Mitarbeitenden realisiert und betreibt die Gruppe komplexe technische Anlagen unter anderem für Bildung, Gesundheitswesen, Einzelhandel, Wohnungsbau und öffentliche Auftraggeber. Die VDK-Gruppe umfasst über 150 operative Einheiten in den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Schweden, Österreich und der Schweiz.