Landstuhl RHEINPFALZ Plus Artikel Neustart gelungen: Schausteller sind mit Sickingen Maimarkt „sehr zufrieden“

Auch am letzten Tag war noch viel los auf dem Sickingen Maimarkt: Lang war die Schlange fürs Mittagessen, das schon zuvor per Bo
Auch am letzten Tag war noch viel los auf dem Sickingen Maimarkt: Lang war die Schlange fürs Mittagessen, das schon zuvor per Bon bezahlt worden war.

Ein voller Platz an allen fünf Kerwetagen: Geschätzt etwa 10.000 Gäste haben die Kassen der Schausteller auf dem neuen Sickingen Maimarkt in Landstuhl klingeln lassen.

Montag, 12.45 Uhr: In der Von-Richthofen-Straße beißen zwei Männer vorsichtig in ihre heiße Bratwurst, wenige Schritte dahinter folgt eine Familie, die an ihren Spießen mit Schoko-Früchten knabbert. Dass die Landstuhler Kerwe nicht weit ist, hört man an der Musik, die vom Festplatz herüberschallt. Auf der Bühne sorgt die Band „Hoselatz“ für gute Laune unter den zahlreichen Gästen, die das Wein- und Bierdorf bevölkern. Am Kerwemontag gibt es Mittagstisch und während am Getränkestand mal wenig los ist, hat sich am „Gourmettempel“ der Familie Nickel bereits eine lange Schlange gebildet: Mindestens 30 Leute stehen – ihre vorher gekauften Bons in der Hand – geduldig an und warten darauf, sich über den Winzerteller mit Schwenksteak oder den Pfälzer Teller mit Bratwurst und Leberknödel hermachen zu können. Beides wird auf einem Porzellanteller mit echtem Besteck serviert. „Da schmeckt es gleich viel besser“, ist man sich einig.

Mittagessen auf der Kerwe ist der Renner

„So viele Leute wie heute waren in den letzten 25 Jahren nicht mehr an Kerwemontag zum Mittagessen da“, meint Christopher Bretscher. Der Leiter der Finanzabteilung im Rathaus ist nicht der einzige Verwaltungsmann auf dem Kerweplatz, auch zahlreiche Mitarbeiter des Finanzamts und der Kreisverwaltung sind gekommen, dazu ganze Belegschaften von vielen Landstuhler Firmen – teils im Firmentrikot. Auch die Arbeiter der nahen Kaiserstraßen-Baustelle machen hier Mittag. Stadtbürgermeister Mattia De Fazio hatte ihnen die Bons geschenkt. „Wir haben 260 Bons fürs Mittagsessen verkauft“, freut er sich über den hohen Zuspruch und hofft: „Schön wär’s, wenn die Leute irgendwann sagen: An Kerwemontag schaffen wir nur noch den halben Tag und nehmen uns nachmittags frei, um zu feiern. Aber vielleicht kommt das ja noch.“

In der „Gourmethütte“ hat man am letzten Kerwetag noch mal alle Hände voll zu tun. Aber die Betreiber sind auch sehr zufrieden – mit dem Geschäft, aber auch mit der Kundschaft selbst, wie Bernd Nickel betont: „So nette Leute, so angenehme Kunden gibt es nicht überall.“ Dazu zählt er ausdrücklich auch die Amerikaner, die vor allem am Samstag „in Scharen“ auf den Kerweplatz geströmt seien. Englischsprachige Flyer, die De Fazio überall verteilen ließ, hatten sie über die Veranstaltung informiert.

Viele Amerikaner strömen zum Maimarkt

Die „gute Harmonie“ mit den Amerikanern hebt auch Andreas Göbel vom gleichnamigen traditionsreichen Wormser Schaustellerunternehmen hervor. Und dass die Landstuhler Bevölkerung „total hinter der Kerwe steht“: „Davon waren wir sehr angetan, denn das ist beileibe nicht überall so“, freut sich der Schausteller in vierter Generation, der auf dem Neuen Markt nicht nur mit Autoscooter und Riesenrad vertreten ist, sondern den Sickingen Maimarkt im Auftrag der Stadt zuvor als Ganzes auf die Beine gestellt hat: von den Beschickern über die Live-Musik bis hin zu Feuerwerk, Security und Technik. Dabei habe er die Kosten getragen, die dann über die Standgelder wieder hereinkämen, erläutert er das Vorgehen.

Göbel, dessen Familie bereits seit 1894 im Schaustellergewerbe tätig ist, weiß, worauf es ankommt, um einen Jahrmarkt erfolgreich zu machen: „Das Gesamtkonzept muss stimmen!“ Bei der Gastronomie müsse man darauf achten, dass für alle etwas dabei sei, auch für Vegetarier. Das breite Essensangebot, das in Landstuhl neben Klassikern wie Bratwurst, Steak und Burgern über Pasta und Flammkuchen bis zu diversen Süßwaren reicht, sei ein wichtiger Punkt, um die Besucher zufrieden zu stellen. Die Musik ein weiterer. „Bei den Bands hat die Mischung gestimmt. Jeder hat seine Nische gefunden“, ist Christian Diehl überzeugt, der für das musikalische Programm verantwortlich war. „Wir hatten Partymusik mit Schlager fürs eher etwas ältere Semester, am Samstagabend dann den DJ für die Jüngeren. Auch die Kolpingkapelle und die beiden US-Bands am Sonntag waren eine echte Bereicherung.“ Sie alle hätten für die richtige Kerwestimmung gesorgt.

„Schlechter Ruf als Kerwestandort“

„Die Schausteller sind sehr zufrieden“, zieht Andreas Göbel Bilanz. „Kein Vergleich zu den Vorjahren. Da war ja auf dem Friedhof in Chicago mehr los als hier“, scherzt er. Mit dem jetzigen „riesigen Ansturm“ habe auch er nicht gerechnet. Denn wegen der bislang geringen Besucherfrequenz habe Landstuhl einen schlechten Ruf als Kerwestandort, viele Schausteller hätten daher keine Lust, in die Sickingenstadt zu kommen. Doch dies könne sich nun ändern. „Wichtig war, dass das Wetter gleich beim ersten Mal gestimmt hat.“ So sei der anvisierte Neustart auf Anhieb gelungen. „Meist dauert es nämlich fünf, sechs Jahre, bis so eine Kerwe wieder läuft“, weiß Göbel aus Erfahrung und ist gerne bereit, auch im nächsten Jahr wieder die Organisation übernehmen.

Mit Andreas Göbel hat ein erfahrener Schausteller die Organisation der Kerwe übernommen. Christian Diehl (rechts) kümmerte sich
Mit Andreas Göbel hat ein erfahrener Schausteller die Organisation der Kerwe übernommen. Christian Diehl (rechts) kümmerte sich um das musikalische Programm.
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