Landstuhl
Nardini-Klinikum: Schlanke Verwaltung und familiäre Strukturen
Viele Krankenhäuser beklagen eine unzureichende finanzielle Ausstattung. Wie steht das Nardini-Klinikum wirtschaftlich da?
„Seit 2012 schreiben wir schwarze Zahlen oder legen zumindest ausgeglichene Ergebnisse vor“, sagt der Kaufmännische Direktor des Nardini-Klinikums, Christian Finkler. Die Einnahmen setzen sich aus den Fallpauschalen für die Patientenversorgung und den Klinikbetrieb sowie aus Landeszuschüssen für Investitionen zusammen. Um aber Gebäude, Medizintechnik und sonstige Ausstattung auf einem guten Stand halten zu können, „müssen wir Gewinne erwirtschaften“, betont Finkler. Das geschehe, indem in den patientenfernen Bereichen wie etwa Küche, Verwaltung, Einkauf oder auch Energieverbrauch ständig geschaut werde, wie sich die Abläufe optimieren und dadurch Kosten sparen lassen. „Außerdem haben wir dadurch, dass wir ein Verbundkrankenhaus der Schwerpunktversorgung mit zwei Standorten sind, eine sehr schlanke Struktur“, betont Finkler. Das wirke sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus, fügt Pflegedirektor Thomas Frank hinzu.
2022 wurden vom Nardini-Klinikum rund 97,5 Millionen Euro erlöst, dem standen Aufwendungen von gut 99,1 Millionen Euro gegenüber – also ein Verlust von rund 1,6 Millionen Euro. „Allerdings muss auch das neutrale Ergebnis berücksichtigt werden“, sagt der Kaufmännische Direktor. Darin wird der Ausgleich für das Pflegebudget des Vorjahres mit betrachtet. Wird beides verrechnet, steht für 2022 unterm Strich ein Jahresüberschuss von gut 1,3 Millionen Euro.
Wie sieht es personell aus, Stichwort Fachkräftemangel?
Der Stellenplan in der Pflege sei übererfüllt, teilt Pflegedirektor Jens Lehnhardt mit. Auch Funktions- und medizinisch-technischer Dienst – in anderen Häusern oftmals Problemfelder – seien gut besetzt. „Wir bilden auch in diesem Bereich selbst aus“, nennt Lehnhardt einen Grund für die komfortable Situation in Landstuhl und Zweibrücken. Zuletzt seien 98 Prozent der Auszubildenden übernommen worden. Dass es bislang immer genügend Bewerber gab, führt der Pflegedirektor darauf zurück, dass es sich um ein familiäres Unternehmen handele, in dem alle Bereiche gut zusammenarbeiteten. Halten könne die Klinik ihre Pflegenden, weil „fast alle dort eingesetzt werden, wo sie hinwollen“. Daher gebe es eine sehr geringe Fluktuation, ergänzt Finkler.
Beide verweisen zudem auf die Möglichkeit, erst einmal eine einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer zu absolvieren. Diese sei sowohl für den Auszubildenden als auch für das Klinikum eine gute Gelegenheit, zu erkennen, ob ein Pflegeberuf das Richtige für denjenigen ist.
Nicht nur in der Pflege, auch bei den Ärzten herrsche kein Mangel, sagt Wolfgang Hoffmann. Der promovierte Internist mit Schwerpunkt Kardiologie, der seit Anfang 2024 der Ärztliche Direktor des Nardini-Klinikums ist, nennt dafür einen Grund: Wer zum Beispiel im Bereich Chirurgie seinen Facharzt machen wolle, müsse dafür einen Operationskatalog erfüllen. Diesen abzuarbeiten gelinge in einem relativ kleinen Haus wie dem in Landstuhl schneller, als etwa in einem Universitätsklinikum, in dem viele gleichzeitig danach strebten. Die Fallzahlen seien zwar auf einigen Gebieten geringer, „aber wir sehen hier trotzdem alle Krankheitsbilder“.
Wohin geht die Entwicklung des Krankenhauses? Wird es eine stärkere Spezialisierung geben?
„Es wird nicht ohne Spezialisierung gehen, aber auch nicht ohne eine Basisversorgung in der Fläche“, hält Hoffmann fest. Gerade in einer Region wie der Westpfalz, in der es nicht alle paar Kilometer ein anderes Krankenhaus gebe, sei es wichtig, dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden. Das bedeute: „Unser Haus muss in der Lage sein, Basics aller Fachrichtungen abzudecken.“
Finkler fügt hinzu: „Die Region hier ist schon konsolidiert, wir haben hier bereits eine bereinigte Struktur und Leuchttürme.“ In Landstuhl sei zum Beispiel die Orthopädie maximal zertifiziert. Vor allem Endoprothetik sei ein Schwerpunkt, Adipositas-Chirurgie, Kardiologie und Gastroenterologie seien weitere. „Wir haben uns schon spezialisiert“, pflichtet Lehnhardt bei, „und bei dem, was wir nicht abbilden können, da kooperieren wir.“
Überlaufene Ambulanzen, das gibt es in fast allen Krankenhäusern, weil viele Menschen sich zu Zeiten, in denen die Arztpraxen geschlossen haben, dorthin wenden, auch wenn es sich bei ihren Beschwerden nicht um einen Notfall handelt. Bis Ende 2023 konnten sich diese Personen an die Ärzte in der Bereitschaftspraxis in Landstuhl wenden. Sie wurde von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) betrieben und befand sich in Räumen, die diese vom Klinikum angemietet hatte. Wie hat sich deren Schließung zum Jahresbeginn ausgewirkt?
„Wir haben schon deutlich mehr Leute, die seitdem in der Ambulanz aufschlagen“, sagt Lehnhardt. Der Ärztliche Direktor findet noch klarere Worte: „An manchen Tagen sind die Kollegen in der Ambulanz nur damit beschäftigt, sich um solche Patienten zu kümmern.“ Da es aber nicht die Aufgabe der Klinikambulanz ist, Patienten mit nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen zu versorgen, weise das Personal die meisten darauf hin, dass sie die Servicenummer der KV für Patienten, die 116117, wählen müssten, sagt Lehnhardt. Dort würden sie beraten. „Aber manche können Sie nicht einfach wieder wegschicken, da muss abgeklärt werden, was sie haben.“ Nicht alle dieser Fälle könne das Klinikum anschließend jedoch gut abrechnen, verdeutlicht der Pflegedirektor das Problem. Er stimmt mit Hoffmann überein, der sagt: „Die Bereitschaftspraxis ist eine Struktur, die fehlt. Sie hätte erhalten werden müssen.“
Ein Krankenhaus zu erhalten, bedeutet, fortlaufend zu investieren. Welche großen Projekte stehen in nächster Zeit im Nardini-Klinikum an?
Von der Aufnahme über die Fieberkurve bis hin zu den Entlasspapieren – zukünftig soll alles nur noch digital erfasst und abgewickelt werden. „Das ist ein Jahrhundertprojekt“, umreißt Lehnhardt die Dimension dieses Vorhabens. Mit der Umsetzung ist vor allem Thomas Frank beschäftigt. Innerhalb von zwei Jahren sollten alle Krankenhäuser in Deutschland alle Prozesse digitalisieren, berichtet er. Für die Patienten, die ab Januar 2025 über eine digitale Patientenakte verfügen sollen, bringe das Vorteile, findet Frank. Sie könnten sich dann schon von zuhause aus im Klinikum einloggen und sich zum Beispiel vor einem Eingriff umfassend informieren.
Eine weitere große Neuerung sei in Landstuhl gerade angelaufen: Die Intensivstation öffne sich verstärkt Besuchern. In Zweibrücken sei diese Umstellung bereits abgeschlossen, für Landstuhl laufe derzeit noch die Zertifizierung, sagt Frank. Angehörige seien derweil auf der Station bereits zu allen, und nicht mehr nur zu eigens ausgewiesenen Besuchszeiten willkommen. Für das Personal bedeute das einen höheren Kommunikationsaufwand, erläutert Lehnhardt. Ziel sei es, die Besucher mit einzubeziehen. Sie könnten zum Beispiel beim Waschen ihrer Angehörigen helfen oder diese beim Essen unterstützen. Das Angebot werde gut angenommen, sagt der Pflegedirektor.
Baulich verändert sich derzeit vor allem die Intensivstation in Zweibrücken. Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten dort abgeschlossen sein. Ebenfalls fast fertig und sogar schon wieder in Betrieb ist die Liegendkrankenanfahrt in Landstuhl, die erneuert wurde, wie Finkler berichtet.