Kreis Kaiserslautern
„Mutter der Kompanie“ sagt Ade: Rührender Abschied für Kreisbeigeordnete Heß-Schmidt
Sie sind alle gekommen, um sich von „ihrer Mutter der Kompanie“ zu verabschieden: Die Mitglieder der Brand- und Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises Kaiserslautern bilden eine Ehrenformation vor der Landstuhler Stadthalle. Die Helfer tragen Fackeln. In ihrem Licht reflektieren die Knöpfe der dunkelblauen Dienstanzüge und die Neonstreifen der Einsatzkleidung. Michael Herfurt, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Kreises, meldet die Ehrenformation offiziell bei seiner bisherigen Chefin, der Ersten Kreisbeigeordneten Gudrun Heß-Schmidt, ab. Diese sei ein „leuchtendes Beispiel für Verständnis, Zugehörigkeit und Ehrlichkeit“. Sie sei immer für die Helfer erreichbar gewesen – auch im Urlaub. Die Kolpingkapelle Kindsbach spielt, die Blaulichtfamilie defiliert an der Ehrentribüne vorbei, auf der die scheidende Erste Beigeordnete mit ihrem Nachfolger Jan Schneider sowie Ralf Leßmeister und dessen Frau Platz genommen hat.
Der große Zapfenstreich am Abend gehört zu den vielen berührenden Momenten der außerordentlichen Kreistagssitzung am Montagabend, an dem Jan Schneider offiziell in sein neues Amt als Erster Kreisbeigeordneter eingeführt und seine Vorgängerin Heß-Schmidt offiziell verabschiedet wird. Neben den Kreistagsmitgliedern und Mitarbeitern der Kreisverwaltung sind Vertreter aus Kommunal- und Landespolitik, Wirtschaft, Schulen, Gesundheitswesen und öffentlichen Einrichtungen vertreten.
Stellvertreterin von drei Landräten
Die 68-Jährige war 24 Jahre im Amt und Stellvertreterin von drei Landräten. Die mit Abstand dienstälteste Politikerin im Kreisvorstand war zuständig für die Bereiche Ordnung, Verkehr, Schulen, den Brand- und Katastrophenschutz und für Lebensmittelüberwachung, Veterinärwesen und Landwirtschaft.
Sie habe den Landkreis über viele Jahre hinweg mit Weitblick, Verantwortungsbewusstsein und einer bemerkenswerten Fachkompetenz und Menschlichkeit geprägt, sagt Landrat Ralf Leßmeister (CDU) über seine Stellvertreterin. „Du hast stets mit deiner empathischen Art und großem Verantwortungsbewusstsein dazu beigetragen, nachhaltige Lösungen zu finden und das Vertrauen der Bürger in die Kreisverwaltung zu stärken.“ Neben ihren fachlichen Verdiensten werde vor allem ihr persönlicher Stil in Erinnerung bleiben: „Deine Offenheit im Gespräch, Deine absolute und hundertprozentige Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit und Deine Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen den Blick auf das Wesentliche zu richten“.
CDU-Fraktionschef Marcus Klein, der ein Grußwort im Namen aller Fraktionen an Gudrun Heß-Schmidt richtet, erinnert an einen schwierigen Start in ihre Amtszeit, die mit einer Kampfkandidatur im Mai 2001 begann: „Man könnte heute meinen, alles sei von Anfang an selbstverständlich gewesen: Deine Rolle, Deine Akzeptanz, Dein Rückhalt im Kreistag. Aber das war es nicht“, so Klein. „Es war spannend, es wurde ein weiterer Vorschlag gemacht, es war durchaus offen, es war alles andere als entschieden. Am Ende stand ein Ergebnis von 25 zu 16 für unsere Gudrun – eine Stimme mehr, als die damals neue Koalition aus CDU und FWG hatte. So war der Start, er macht Deinen Weg umso bemerkenswerter.“ Amt und Anerkennung seien ihr nicht zugefallen. Sie habe sie sich erarbeitet mit Sachkenntnis, mit Haltung und Durchhaltevermögen.
Jan Schneider will erst mal zuhören
Mit dem heutigen Tag beginne für ihn ein neues Kapitel, so Heß-Schmidts Nachfolger Jan Schneider. Seine persönliche Agenda für die ersten 100 Tage im Amt lasse sich in einem Wort zusammenfassen: zuhören. Der Christdemokrat dankt seiner Vorgängerin: „Mehr als zwei Jahrzehnte im Dienst unseres Landkreises – das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein beeindruckendes Zeichen von Beständigkeit und Verantwortungsbewusstsein.“
Die Grußworte werden aufgelockert durch musikalische Beiträge der Kreismusikschule. Ein Video zeigt einen Querschnitt der 24-jährigen Tätigkeit der Ersten Kreisbeigeordneten. „Gudrun hat Höhenangst, sich beim Neubau der Feuerwache aber trotzdem aufs Gerüst getraut“, kommentiert der Landrat launig eines der Bilder. In einer Videobotschaft schicken Kinder der Alsenborner Kita, die die erste Musikita im Kreis war, einen Gruß. Deren Leiterin, Annemarie von Lauppert, ist die Schwester der scheidenden Ersten Kreisbeigeordneten. Von den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung gibt es neben einem selbstgestalteten Buch noch ein ganz besonders Geschenk: Ein eigens für sie entworfener Ring, der alle ihre Tätigkeiten abbildet. Eine weitere Überraschung kommt von der Blaulichtfamilie: Heß-Schmidt wird die Ehrennadel des Feuerwehrverbands in Gold überreicht. „Der Piepser geht los. Da denk’ ich, pack ich’s noch bis runter in die Halle, bevor des Gudrun gleich anruft“, beschreibt Franz-Josef Preis, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, der die Auszeichnung gemeinsam mit Michael Herfurt übergibt, die Situation bei einem Alarm. „Du warst 24/7 für uns da und immer am Handy. Das zeigt, wie bedacht Du um uns warst“, so Preis.
„Das bringt mich total aus der Fassung“
„Vielen, lieben Dank, das bringt mich total aus der Fassung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so emotional reagiere, wenn ich hier auf der Bühne stehe“, zeigt sich die 68-Jährige sichtlich angefasst. Wenn sie heute zurückblicke, dann denke sie nicht in erster Linie an Ämter oder Projekte, sondern an bestimmte Personen, an Verantwortung, Vertrauen und Gemeinschaft. Sie danke ihren Mitarbeitern, ihren politischen Wegbegleitern, den Helfern des Katastrophenschutzes, aber vor allem ihrem Mann Thomas und ihrer Tochter Anna, die ihr Amt mitgetragen hätten. „Ich bin sehr mit meiner Heimat verwurzelt, ich liebe unseren Landkreis mit all seinen Facetten, es war mir eine Ehre und Verpflichtung mich mit ganzer Kraft für diesen Landkreis und auch für den jeweiligen Landrat als Beigeordnete einzusetzen und diesen zu unterstützen.“