Mehlingen
Mehrzweckhalle Mehlingen: Mehr als 3,5 Millionen Euro für den Umbau
Mit ihren 666 Quadratmetern ist die ans Schwimmbad angrenzende Mehrzweckhalle Dreh- und Angelpunkt für viele Vereine und Veranstaltungen in Mehlingen. Ob Basketballturniere, das Camp des Karatevereins, Aktivitäten der Spielvereinigung NMB, die Ausstellung der Vogelfreunde, Babybasar, Hobbykünstlermarkt, Oktoberfest und Prunksitzungen – die Halle ist das ganze Jahr über gut frequentiert. „Wir haben fast jede Woche eine Veranstaltung“, sagt Ortsbürgermeisterin Kristina Zick, die sich bereits mit bangen Nachfragen zur nahen Zukunft konfrontiert sieht. Viele Aktivitäten könnten auf die Schulturnhalle in Mehlingen und das Dorfgemeinschaftshaus in Baalborn ausweichen; auch habe Sembachs Ortsbürgermeister Peter Beutler seine Unterstützung angeboten.
Mindestens zwei Jahre werden die Mehlinger auf ihre Halle verzichten müssen – voraussichtlich ab August. Nachdem ein Brandschutzgutachten im Jahr 2022 eine beachtliche Mängelliste mit nötigen Maßnahmen hervorgebracht hatte, gab es mehrere Treffen des Bauausschusses. Lösungen wurden nicht gefunden oder waren schlichtweg zu teuer. Ein zurate gezogener Architekt mahnte vor Flickschusterei und empfahl stattdessen eine komplette energetische Sanierung, berichtet Zick. Kleinere Investitionen habe man damals schon getätigt, etwa für den Austausch einiger Fenster und für neue Brandschutztüren.
Kommune muss in Vorleistung gehen
„Wir gehen von rund vier Millionen Euro Sanierungskosten aus“, sagt René Schaal, Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn. Um dies zu stemmen, habe man sich für Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Ziels „Investitionen in Beschäftigung und Wachstum“ beworben. Als im Frühjahr 2025 die Bewerbung angenommen wurde, galt es, Förderanträge zu stellen. Dafür mussten ein Konzept des energetischen Vorhabens und eine Kostenschätzung eingereicht werden. „Dabei hat uns die Firma Schaumlöffel Engineering aus Enkenbach maßgeblich unterstützt“, betont Zick. „Das ist schon schwierig, was im Vorfeld alles zu tun ist – und dass man in Vorleistung gehen muss, ohne zu wissen, ob es mit der Förderung klappt.“
Die erhoffte Zusage kam im März. Darin teilte das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität mit, dass die Ortsgemeinde Mehlingen eine Zuwendung über fast 3,6 Millionen Euro erhalte, was einer 90-Prozent-Förderung der veranschlagten, förderfähigen Kosten entspricht. Die Sanierung des Umkleide- und Sanitärbereichs sei darin nicht enthalten, diese müsse die Gemeinde finanzieren. „Nun muss ein Planer gefunden werden, weshalb wir eine europaweite Ausschreibung getätigt haben“, erklärt Schaal. Was Handwerker anbelange, so gäbe es teils öffentliche Ausschreibungen, und man hoffe, dass einige Gewerke regional besetzt werden könnten.
Sanierung „ein sportliches Unterfangen“
In der rund 50 Jahre alten Halle müssen zuerst die Decke und der Boden herausgerissen werden. Sowohl Decke als auch Außenfassade werden gedämmt, die restlichen Fenster werden getauscht. Der neue Boden erhält eine mit Erdwärme betriebene Fußbodenheizung, und auf dem Dach wird eine Photovoltaik-Anlage installiert. Die geplante neue Lüftungsanlage punktet mit Wärmerückgewinnung. „Wir werden nach Abschluss aller Arbeiten über 90 Prozent an Energie einsparen“, freut sich Zick über die künftige Autarkie der Halle. Immerhin schlügen bei der bisherigen Unterhaltung des Gebäudes allein die Gaskosten mit 40.000 Euro jährlich zu Buche.
Zick und Schaal sind sich sicher, dass die Sanierung ein sportliches Unterfangen werde, habe man doch zur Fertigstellung eine Frist bis September 2028 auferlegt bekommen. Ob alle Vorgaben eingehalten und Maßnahmen umgesetzt werden, obliege wiederkehrenden Kontrollen seitens eines Energieberaters.