Kreis Kaiserslautern Mehr als nur der „Letzte Ritter“

Von der Stadthalle aus leitete Gästeführerin Monika Stiller (links) die Wanderer vorbei an den oft stadtbildprägenden Gebäuden b
Von der Stadthalle aus leitete Gästeführerin Monika Stiller (links) die Wanderer vorbei an den oft stadtbildprägenden Gebäuden berühmter Persönlichkeiten. Bis zur ersten Station, dem Didier’schen Haus (hinten rechts), waren es nur wenige Meter.

Meist waren es steinerne Zeugen, die Gästeführerin Monika Stiller präsentierte, um zu zeigen, dass im großen Welttheater auch Männer aus Landstuhl ins Rampenlicht rückten. So erfuhren die Teilnehmer an der Stadtwanderung mit dem Titel „Berühmte Persönlichkeiten“ am Sonntagnachmittag einiges über die Großen der Sickingenstadt.

In der sachlich-modernen Glasfassade der Stadthalle spiegelt sich das Didier’sche Herrenhaus auf der anderen Straßenseite. Vom weiten Vorplatz aus richten sich die Blicke der zwölfköpfigen Wandergruppe auf das schlossartige Gebäude im Stil der Neo-Renaissance. Gästeführerin Monika Stiller erzählt von ihrer Idee, Schlaglichter auf das Leben der Menschen werfen zu wollen, die mit ihrem baulichen Nachlass noch heute das Bild der Altstadt prägen. Der reiche Gutsbesitzer Heinrich Didier (1804 bis 1864) habe das repräsentative Gebäude im Jahr 1832 an der Landstuhler Stadtmauer mit den Sandsteinen und Fassadenelementen des Stadtschlosses erbauen lassen. Unter dem Namen „Poststallhof zum Rheinkreis“ habe Didier das Wirtshaus zur größten Pferdewechselstation (70 Pferde) in der Pfalz ausgebaut. Zu verdanken sei der Erfolg vor allem auch seiner äußerst sparsamen Ehefrau. Überliefert sei, dass sogar ihr Ehemann und Besitzer des Herrenhauses seine Zeche jedes Mal bezahlen musste. Im Übrigen habe Heinrich Didier zu den Wegbereitern der Demokratie in Deutschland gehört. Stiller berichtet, dass er zusammen mit den führenden Köpfen der freiheitlichen Bewegung, Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth, an der Vorbereitung und Durchführung des Hambacher Festes 1832 beteiligt gewesen sei. Vom Vorplatz der Stadthalle aus weist die Gästeführerin zum Bismarckturm auf dem Kirchberg. Die Idee zum Bau hatte der saarländische Großindustrielle Karl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg (1836 bis 1901), er finanzierte das Projekt auch. Dieser habe auch das Herrenhaus 1865 von den Nachfahren Heinrich Didiers erworben, so Monika Stiller. Sie deutet an, dass der Saarländer sein Unternehmen in einem sehr patriarchalischen Stil geführt hat. Die Arbeitskraft seiner Leute habe er strikt der Gewinnmaximierung untergeordnet und seine Frau soll bei Heiratsplänen der Mitarbeiter das letzte Wort gesprochen haben. Allerdings habe er die Familie dann sozial abgesichert, und „jeder Arbeiter hatte das Recht ein Gespräch mit dem Industriellen führen zu dürfen“, erläutert die Gästeführerin. Die Stadtwanderer gelangen anschließend über die Alte Kapelle und die evangelische Stadtkirche zur Villa Benzino am Alten Markt. Auch Joseph Johann Benzino (1819 bis 1893) sei ein erfolgreicher Unternehmer gewesen. Wegen des wirtschaftlichen Erfolgs seiner Ölmühle sei er 1854 von der königlich-bayrischen Regierung zur Industrieausstellung nach München eingeladen worden. Außerdem habe er es als einen Höhepunkt seines gesellschaftlichen Lebens angesehen, Gast an der königlichen Tafel anlässlich der Thronbesteigung von König Ludwig II. am 10. März 1864 gewesen zu sein. Seine umfangreiche Gemäldesammlung habe er dem damaligen Gewerbemuseum in Kaiserslautern vermacht. Die 150 Gemälde bilden ein wesentliches Element in der Ausstellung des heutigen Museums Pfalzgalerie, das am Lauterer Benzinoring beheimatet ist. Im Theobaldsgässchen ist eine Anekdote fällig. Stiller erzählt, dass Napoleon auf dem Weg zum Kriegsschauplatz östlich des Rheins hier Quartier bezogen habe. Der Schmied Theobald habe sein Pferd neu beschlagen. Sehr wahrheitsgetreu sei die Geschichte wohl nicht, meint die Gästeführerin, „denn im Tross des Franzosenkaisers wird es wohl genügend mitreisende Hufschmiede gegeben haben“. Eine Führung durch Landstuhl ist schlicht unmöglich, ohne immer wieder dem Ritter Franz von Sickingen zu begegnen. An der Kirche St. Andreas kommt Stiller auf die Gruft unter dem Hochaltar zu sprechen. Im Jahr 1939 habe man endlich wissen wollen, ob die Gebeine des „Letzten Ritters“ dort wirklich ruhten. Doch nach deren Transport ins Anthropologische Institut in München sei nach einem Brand eine wissenschaftliche Untersuchung nicht mehr möglich gewesen.

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