Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Landratswahlkampf: Früher gab’s noch volles Rohr

Sorgte mit seinen Plakaten, seinen Radtouren und seinem Bulli im Wahlkampf 2009 für Gesprächsstoff: Landrat a.D. Paul Junker.
Sorgte mit seinen Plakaten, seinen Radtouren und seinem Bulli im Wahlkampf 2009 für Gesprächsstoff: Landrat a.D. Paul Junker.

In früheren Landratswahlkämpfen wurde dem Wahlvolk mehr geboten, vor allem optisch und sportlich. Die Wochenendkolumne „Eingekreist“ blickt zurück und zieht einen Vergleich.

Der wohl kürzeste Landratswahlkampf aller Zeiten geht allmählich in den Endspurt. In drei Wochen wissen wir, wer die nächsten acht Jahre auf dem Sessel des Kreischefs Platz nehmen darf: Amtsinhaber Ralf Leßmeister (CDU) oder Newcomer Thorsten Haferanke (SPD). Doch während gemeinhin in den letzten Tagen vor einem Urnengang politisch schon mal die Wogen hoch schlagen, plätschert dieser Wahlkampf eher geruhsam und geräuscharm vor sich hin. Früher war schon mal mehr geboten. Auch optisch.

„Ich will Paul“

Erinnern Sie sich noch an die im Rückblick geradezu geniale Kampagne, mit der Paul Junker – flankiert von einer ganzen Armee an Wahlhelfern – vor 16 Jahren das Amt des Landrats eroberte? „Ich will Paul!“: Riesengroße blaue Schilder mit nur diesem einen Satz hingen unübersehbar überall im Landkreis. Als Solisten am Straßenrand waren sie ein Hingucker, der Auswärtige damals vermutlich erstmal mächtig irritiert hat. Wer zum Teufel ist Paul? Das wird sich so mancher gefragt haben. Aber spätestens an der nächsten Kreuzung wurde auch Fremden klar, wen wir hier im Landkreis alle zu wollen haben: Pauls spitzbübisch lächelndes Konterfei, wieder kombiniert mit dem flotten Spruch, klärte darüber auf.

Präsent war Junker damals wochenlang einfach überall, eine paulfreie Zone gab es schlicht nicht. Und ganz wie in der kommerziellen Werbung, die auf ebenso permanente wie penetrante Wiederholung setzt, hämmerte auch er uns seine Botschaft bis hinein in die tiefsten Windungen des Unterbewusstseins. Wie bei der Reklame, die uns quasi automatisch zum beworbenen Produkt greifen lässt, hatte auch Pauls Masche Erfolg: So manche Hand wird damals am Wahltag fast wie ferngesteuert ihr Kreuzchen beim omnipräsenten CDU-Mann gesetzt haben.

Drei Mitbewerber sind chancenlos

Junker (der 2001 noch ganz knapp SPD-Landrat Rolf Künne unterlegen war) siegte souverän im ersten Wahlgang mit 54,3 Prozent, obwohl er sich damals gegen gleich drei Mitbewerber durchsetzen musste: Karin Decker von der SPD, Hüseyin Koçak von der Linkspartei und die parteilose Ingrid Wagner waren ebenfalls im Rennen – aber chancenlos gegen Sportskanone Paul, der zusätzlichen zur flächendeckenden Plakatierung noch radelnd alle Kreisgemeinden abgestrampelt hatte, um auch in persona für sich die Werbetrommel zu rühren.

Ebenso sportlich präsentierte sich Junkers Nachfolger Ralf Leßmeister: In seinem ersten Wahlkampf 2017 fuhr auch er mit seinem „LandRad“ alle 50 Kommunen an, passend dazu gab’s den dynamischen Slogan: „Leß do it!“ Seine Kampagne war nicht nur gut für stramme Waden, sondern wurde auch von Erfolg gekrönt. Der politisch damals noch recht unbekannte Leßmeister setzte sich letztlich gegen zwei politische Urgesteine durch: Ero Zinßmeister (FWG) aus Sulzbachtal musste sich im ersten Wahlgang, der Otterberger Genosse Martin Müller in der Stichwahl geschlagen geben, in der Leßmeister auf 53,2 Prozent der Stimmen kam. Am 1. Dezember 2017 gab Paul Junker (der damals für eine zweite Amtszeit zu alt gewesen wäre) den Stab an seinen politischen Ziehsohn und Freund weiter.

Und jetzt?

Für den heißt es nun: „Leß do it again!“ Neben dem recycelten und leicht modifizierten Slogan erinnert aber nur wenig an den Wahlkampf von 2017. Leßmeister, obwohl windschnittig und durchtrainiert wie eh und je, ist nun eher selten mit dem Rad, sondern meist mit dem E-Auto auf Wahlkampftour. Sein Wahlplakat präsentiert sich staatsmännisch-volksnah: „Unser Landrat“ – die Unterzeile ist ein Statement, das wohl auch in der Zukunft gelten soll.

Daran möchte der SPD-Herausforderer Thorsten Haferanke freilich rütteln: Auch der Olsbrückener ist derzeit unermüdlich bis in den Abend hinein auf Achse, um die Wähler von sich zu überzeugen. Die SPD (die mit ihrem Wahlkampfslogan noch länger brauchte als mit der Nominierung ihres Kandidaten) hat inzwischen auch ihren Werbespruch gefunden: „Mit Herzblut für den ganzen Landkreis“, lautet das Motto, das der bekennende Betzefan Thorsten Haferanke öfter mal mit einem (blut)rot-weiß gestreiften Schal unterstreicht: Ihn gibt es im Übrigen nicht nur in der FCK-Variante, sondern auch mit dem SPD-Versprechen „Soziale Politik für Dich“.

Nun ja, frühere Kampagnen mögen spektakulärer gewesen sein. Aber letztlich kommt es ohnehin darauf an, mit Inhalten zu überzeugen und die eigenen Anhänger ins Wahllokal zu bringen. Wer wird hier wohl punkten? In drei Wochen wissen wir mehr.

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