Martinshöhe RHEINPFALZ Plus Artikel Kreisbauernvorsitzender Jürgen Vogelsang zum angekündigten Aus für Agrarsubventionen

Im Landkreis Kaiserslautern gibt es laut dem Kreisbauernvorsitzenden Jürgen Vogelgesang immer weniger Schweine- und Rinderhaltun
Im Landkreis Kaiserslautern gibt es laut dem Kreisbauernvorsitzenden Jürgen Vogelgesang immer weniger Schweine- und Rinderhaltung.

Der Landwirtschaft geht immer mehr Boden verloren. In seinem Jahresrückblick spricht der Kreisbauernvorsitzende Jürgen Vogelgesang von einer Situation, die beängstigend sei. Hinzu kommt die Furcht vor dem angekündigten Aus für Agrarsubventionen, gegen das am Freitag mit einer Treckerkolonne durch Kaiserslautern protestiert wurde.

Hinter den Bauern liegt ein Jahr zwischen Hoffen auf Regen und gleichzeitig dem Bangen, dass der Guss von oben endlich wieder aufhört. War es ein ausreichender, fast schon erlösender Regen im Frühjahr, der das Futter ordentlich ins Wachstum brachte, so sorgte ein nicht endend wollender Niederschlag ab August für große Probleme beim Einbringen der Ernte – Qualitätseinbußen inbegriffen! Und dann kamen die Sparpläne der Regierung, die den Wegfall der Steuervergünstigungen beim Agrardiesel und der Kraftfahrzeugsteuer enthielten. „Das ist ein Angriff auf die Landwirtschaft, bei dem auch die gesamte Bevölkerung nur verlieren kann“, sagt dazu Jürgen Vogelgesang aus Martinshöhe, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd. Beide Steuererhöhungen seien ein „falsches aber ziemlich deutliches Signal“ gegen eine regionale und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln unter höchsten Standards.

„Für den Futteranbau war das Jahr ein Segen. Für die Getreideernte kam an manchen Orten der Regen zu früh“, fasst Vogelsang das Wetter für die Nord- und Westpfalz zusammen. Soll heißen, in vielen Scheunen liegt nun ausreichend Viehfutter und die meisten Bauern sind bei der Getreideernte mit einem blauen Auge davongekommen. Strich drunter, die Bauern sind es gewohnt, mit der Natur zu leben. Soweit so gut. Weniger gut, sind die massiven Unsicherheiten, die vor allem die Viehhalter arg bedrängen plus der ausufernde Flächenfraß, der insgesamt der Landwirtschaft arg zusetzt.

Kaum noch Schweinehaltung in der Region

„Wir haben hier in der Region fast keine Schweine mehr und auch im Rinderbereich zeigt die Tendenz stark nach unten“, ordnet Vogelgesang die aktuelle Situation unter den Viehhaltern ein. Diese verschärfe sich zusehends und bedrohe den Erhalt der Kulturlandschaft. Es sei das Vieh, dass das Grünland offen halte. „Das Rad läuft gerade erst los“, nennt er die Ungewissheit in Sachen „politisch gewolltem Tierwohl“ als Hauptgrund für die Abwärtsspirale in den Reihen der Viehhalter. „Wir wissen heute nicht, welche Bedingungen übermorgen auf uns zukommen.“ Er könne jeden Bauern verstehen, der kein Geld in die Hand nehme, um jetzt seinen Stall auf vielleicht kommende Tierwohlvorgaben aus- und umzubauen. Diese Vorgaben seien womöglich in drei Jahren gar nicht mehr aktuell, nicht mehr das, was die Politik vorschreibe und nicht mehr das, was der Verbraucher wolle.

„Und dann?“, fragt Vogelgesang. Es sei eine ganz gefährliche Entwicklung, dass mittlerweile der Einzelhandel dem Bauern vorschreibe, wie produziert werden soll. Dabei seien die Bauern bereit, alles, was möglich sei, für das Tierwohl zu tun. „Wir brauchen aber verlässliche Fakten!“, fordert der Kreisbauernvorsitzende. Der Investitionsstau sei inzwischen enorm. Erschwerend komme das Fehlen einer notwendigen Infrastruktur wie Schlachtstätten und Fleischbeschau hinzu. Da sei es mehr als verständlich, wenn die eigentlichen Hofnachfolger andere Wege gehen wollten.

Der Verbraucher wolle regionale Produkte. Doch dies rücke mit dem Verlust der Viehhaltung in der Nord- und Westpfalz immer weiter in die Ferne. „Wenn Schweinefleisch aus Spanien oder das Steak aus Argentinien kommt, hinterfragt niemand das Tierwohl. Wer in den Hofladen beim Bauern, oder zum Metzger seines Vertrauens kommt, fragt nach jedem Detail und bekommt Antwort“, ärgert sich der Bauer über die fehlende Verbraucherbekenntnis zur heimischen Landwirtschaft.

Hoher Flächenverbrauch ein Problem

2023 hat laut Vogelgesang auch der Flächenverbrauch wieder gewaltig zugelegt. Ein Problem, das alle angehe. „Landwirtschaftlicher Boden ist Ernährungsgrundlage, ist Treibhaussenke, Versickerungsfläche, Wasserspeicher“, zählt der Bauernvorsitzende auf und betont, dass Boden sei nicht vermehrbar. In Rheinland-Pfalz gebe es nach einem längeren Zeitraum von Werten unter einem Hektar pro Tag aktuell wieder einen Flächenfraß von 8,6 Hektar. „Das ist beängstigend“, bewertet Vogelgesang den erneuten Anstieg des Flächenverlustes. Neben der Versiegelung durch immer mehr Industriegebiete in der Region sei der aktuell voranschreitende Zubau von Ackerland mit Photovoltaikanlagen ein Grund. „Keine Frage, wir brauchen die erneuerbaren Energien, aber es muss doch der Grundsatz ,Dachfläche vor Freifläche’ beherzigt werden. In Kaiserslautern, auch in den Industriegebieten rund um uns herum, oder auf Parkplätzen ist auf bereits versiegelter Fläche ganz viel Potenzial für Photovoltaik“, sieht Vogelgesang dort den Strom auch gleich am Ort des Verbrauchs. Und noch etwas treibt ihn in diesem Zusammenhang um: Den aktiven Bauern fehle die Ackerfläche und das Geld fließe nicht einmal in die eigene Kommune. Derzeit seien es vor allem große Konzerne von außerhalb, die sich die Flächen durch hohe Preise sicherten und Solarparks errichteten. „Fremde verdienen, wir zahlen die Zeche. Das ist der falsche Weg“, so Vogelgesang, der sich für die Zukunft einen faireren Umgang mit der Minderheit „Landwirte“ und mehr Ehrlichkeit in den Diskussionen wünscht. Auch geht sein Wunsch dahin, dass ob dem drohenden Kahlschlag quer durch die Landwirtschaft in der Nord- und Westpfalz, die Bundesregierung einlenkt und die angekündigten Steuererhöhungen zurücknimmt.

Neben der Versiegelung durch Industriegebiete sei der aktuell voranschreitende Zubau von Ackerland mit Photovoltaikanlagen ein P
Neben der Versiegelung durch Industriegebiete sei der aktuell voranschreitende Zubau von Ackerland mit Photovoltaikanlagen ein Problem, so Vogelgesang.
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